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Veränderungen der Lebensgeschichten nach sozialen Krisenerfahrungen : Untersuchungen zu den biografischen Auswirkungen des kindlichen Elternverlustes anhand historischer Familienrekonstitutionen

Willführ, Kai Pierre


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-85679
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8567/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): life history theory , kindliche soziale Krisenerfahrung , historische Familienrekonstitutionen , Populationsvergleich
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft
Fachgebiet: Biologie
DDC-Sachgruppe: Biowissenschaften, Biologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 03.02.2011
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 12.01.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern ein früh- bzw. kindlicher Elternverlust Einfluss auf die Lebensgeschichte (engl. life history) der betroffenen Individuen nimmt. Gegenstand der Untersuchung sind Familienrekonstitutionen aus der historischen Krummhörn [Ostfriesland, 1720-1859] und aus dem historischen Québec [Kanada, 1670-1720]. Diese beiden Populationen unterscheiden sich stark hinsichtlich ihrer sozio-ökonomischen Lage. Die Analysen sollen zum Einen klären, ob und wie der Verlust von Vater oder Mutter unter historischen Bedingungen zu einer unmittelbar erhöhten Mortalität führt. Zum Anderen soll untersucht werden, ob und wie der Verlust von Vater oder Mutter zu Langzeitfolgen führt. Im Besonderen werden die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Life History Theory interpretiert und vermeintliche Unterschiede zwischen den Populationen in Beziehung zu den unterschiedlichen sozio-ökonomischen Bedingungen gesetzt. Des Weiteren wird eine Hypothese von Störmer und Willführ zu der Entstehung von Langzeitfolgen nach Krisenerfahrung anhand der Ergebnisse dieser Arbeit getestet. Als statistische Methoden kommen sowohl die Cox-Regression als auch die Event-History Analyse zum Einsatz.
Die Analysen zeigen, dass die Konsequenzen des Elternverlustes komplex sind und zwischen den Untersuchungspopulationen divergieren. Während der Verlust der Mutter in beiden Populationen unmittelbar zu einer erhöhten Mortalität von Jungen und Mädchen führt, erweisen sich die Konsequenzen des Vaterverlustes als höchst divers. Es stellt sich zu diesem heraus, dass nicht nur der unmittelbare Elternverlust die Mortalität der betroffenen Individuen beeinflusst, sondern auch die Folgen wie beispielsweise die erneute Heirat des überlebenden Elternteils. Die Berücksichtigung der jeweiligen sozio-ökonomischen Lage birgt dabei ein großes Erklärungspotenzial. Während in Québec, das sich im Untersuchungszeitraum in einem Expansionsprozess befindet, die Wiederheirat des überlebenden Elternteils nicht mit mortalitätserhöhenden Folgen verbunden ist, lässt sich in der Krummhörn, welche als gesättigtes Habitat bezeichnet werden kann, ein deutlicher Effekt zeigen. Die Wiederheirat des Vaters führt in der Krummhörn vor allem bei den Mädchen zu einer stark erhöhten Mortalität. Erklärt werden kann dies durch die fehlenden Expansionsmöglichkeiten in der Krummhörn. Für die Stiefmutter macht es aus evolutions-biologischer Perspektive unter diesen Bedingungen Sinn, die Kinder aus der ersten Ehe ihres Mannes zu diskriminieren (vgl. Cinderella-Effekt).
Die in dieser Arbeit identifizierten Langzeitfolgen zeigen, dass unter bestimmten Bedingungen der frühe Elternverlust zu einer geringeren Mortalität der betroffenen Individuen im späteren Leben führen kann, während andere Bedingungen zu einer erhöhten Mortalität führen. Diese Ergebnisse lassen sich teilweise nach der Hypothese von Störmer und Willführ erklären, während einige Langzeitfolgen sich nicht durch diese Hypothese erklären lassen.

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