Giessener Elektronische Bibliothek

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Retrospektive Analyse der Sektions- und Labor-Protokolle zu 1.637 untersuchten Vögeln der Ordnung Psittaciformes der Jahre 1997-2003 aus der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen

Evaluation of necropsy and laboratory examinations of 1.637 birds of the order Psittaciformes in a period of seven years (1997-2003)

Schütz, Silke


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.677 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-85194
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8519/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5851-7
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.11.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 05.01.2012
Kurzfassung auf Deutsch: In der Literaturübersicht wird ein Überblick über die wesentlichen Krankheiten der Vögel der Ordnung Psittaciformes gegeben.
Die Ergebnisse der Sektionsprotokolle und der anschließenden Laboruntersuchungen der Jahre 1997-2003, die in der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt wurden, sind ausgewertet worden. Die Resultate der eigenen Auswertungen wurden verglichen mit den Ergebnissen von MOMMER (2002), die die Befunde der Untersuchungsjahre 1990-1996 der genannten Klinik auswertete. Zusätzlich erfolgte ein Vergleich der Gießener Befunde mit denen von SCHULZ (2002) und KELLIN (2009) anhand der im Loro Parque, Teneriffa, erstellten Befunde.
In der eigenen Untersuchung wurden 1.637 Untersuchungsprotokolle ausgewertet. Die Einteilung der Psittaziden in 14 Gruppen erfolgte wie bei MOMMER (2002), um eine vergleichende Auswertung zu ermöglichen. Nur die kleine Gruppe der Keas wurde hinzu-gefügt. In dieser Auswertung wurden die Häufigkeiten von Erregernachweisen und Erkrankungen wie bei MOMMER (2002) ausgewertet. Auf eine Bestimmung hinsichtlich einer einzigen Todesursache wurde verzichtet. In den meisten Fällen kamen mehrere Erkrankungsursachen je Vogel vor, so dass eine einzelne Erkrankung als letztendliche Todesursache nicht zu nennen ist.
Wie auch bei MOMMER (2002) konnte ein sehr hoher Anteil an Infektionserregern, die für Erkrankungen und Todesursachen in Betracht kommen, ermittelt werden. Dabei entfielen auf Bakterien (häufig nicht primär pathogene Erreger) 59,3 % in der eigenen Auswertung und 39,6 % bei MOMMER (2002). Staphylococcus spp., Streptococcus spp. und E. coli waren die am häufigsten isolierten Bakterien. Salmonellen und Mykobakterien wurden nicht isoliert. Pilze wurden in der eigenen Auswertung in 25,8 % und bei MOMMER (2002) in 37,3 % der untersuchten Psittaziden nachgewiesen. Der Anteil der Nachweise von “Megabakterien“ (Macrorhabdus ornithogaster) hat sich deutlich erhöht, von 0,7 % (12 von allen 1.776 Psittaziden) bei MOMMER (2002) bis auf 6,0 % aller (98 von allen 1.637 Psittaziden) in der eigenen Auswertung.
Parasiten wurden nach wie vor selten diagnostiziert (MOMMER (2002) 7,7 %; eigene Auswertung 7,1 %). Dabei entfiel der Hauptteil der Parasiten auf Askariden (MOMMER (2002) 4,3 %; eigene Auswertung 3,8 %).
Insgesamt wurden Organproben von 710 der insgesamt 1.637 Psittaziden (43,4 %) auf Virusgehalt untersucht. Aus den Organproben von 118 der 710 (16,6 %) virologisch untersuchten (Zell- oder Eikultur) Psittaziden konnte Virus isoliert bzw. deren Genom mittels PCR nachgewiesen werden. Hierzu zählen Circovirus (2 Vögel), Polyomavirus (12), Adenovirus (2), Pockenvirus (1), Herpesvirus (39), Reovirus (19), Paramyxovirus Typ 1 (2), Paramyxovirus Typ 3 (12) und Paramyxovirus ohne Typisirung (27). Der Anteil von Paramyxoviren ist von 1,5 % von 664 untersuchten Vögeln bei MOMMER (2002) auf 41 von allen 710 untersuchen Vögeln (2,5 %) in der eigenen Auswertung gestiegen. MOMMER (2002) erwähnt Herpesvirusnachweise bei 38 von 664 (5,7 %) der virologisch untersuchten Psittaziden. Die eigene Auswertung erbrachte Herpesvirusisolierungen bei 39 von 710 (5,5 %) aller virologisch untersuchten Psittaziden.
Auf der Basis anamnestischer Angaben sowie makroskopischer und pathohistologischer Befunde konnte bei 101 von 1.637 Psittaziden (6,2 %) die Diagnose neuropathische Drüsenmagenerweiterung (PDD) gestellt werden, während MOMMER (2002) die PDD nur bei 78 der 1.776 (4,3 %) untersuchten Psittaziden angibt. Besonders häufig von PDD betroffene Psittaziden waren in der eigenen Auswertung Graupapageien (36 Vögel), Keilschwanzsittiche (30), Kakadus (15), Amazonenartige (11) und Edelpapageien (5).
Nicht infektiöse mutmaßliche Erkrankungs- und Todesursachen (13,5 %) waren, wie bei MOMMER (2002) (23,9 %), insgesamt deutlich geringer als infektiöse Erkrankungen und Todesursachen.
Die Prädispositionen einzelner Psittazidengruppen für bestimmte Erkrankungen wiesen in den meisten Fällen keine relevanten Unterschiede zu MOMMER (2002) auf.
Zu Mykosen, hauptsächlich durch Aspergillus spp. bedingt, neigten nach wie vor Keilschwanzsittiche (37 %; MOMMER (2002) 46,3 %), Graupapageien (43,8 %; MOMMER (2002) 57,0 %) und Amazonenartige (45,5 %; MOMMER (2002) 63,0 %). Der Anteil der Mykosen in diesen Familien ist insgesamt zurückgegangen.
Wellensittiche wiesen eine hohe Frequenz von “Megabakterien“ auf (80 aller 429 Wellensittiche, 18,6 %; 58,0 % der 138 untersuchten Wellensittiche). Sie sind auch deutlich häufiger von Tumoren (87 % aller gefundenen Tumore und 41 aller 429 Wellensittiche, 9,6 %) betroffen als Vögel anderer Gruppen. Vor allem in Leber, Niere und Gonaden wurden Tumoren festgestellt.
Der Vergleich dieser Auswertungen mit denen von MOMMER (2002) hat ein verändertes Aufkommen bestimmter Erkrankungen, sowie teilweise Veränderungen in der Prädisposition einzelner Psittazidengruppen hinsichtlich bestimmter Erkrankungen aufgezeigt. Eine Gegen-überstellung der Zahlen von MOMMER (2002) und den eigenen Ermittlungen zu denen von SCHULZ (2002) und KELLIN (2009), die im Loro Parque, Teneriffa erhoben wurden, zeigte zum Teil beachtliche Unterschiede. Zur Erleichterung dieses Vergleichs wurden die jeweiligen Fallzahlen aus Gießen (G) von MOMMER (2002) und die eigenen Zahlen, sowie die aus dem Loro Parque (LP; SCHULZ (2002) und KELLIN (2009)) addiert. Die Gesamtzahl der in Gießen ausgewerteten Befunde betrug 3.413 Vögel. Im Loro Parque wurden 2.265 Befunde ausgewertet. Es ergaben sich deutliche Differenzen hinsichtlich traumatischer Todesfälle und Verhaltensstörungen (G 37 Vögel, LP 237 Vögel), der Chlamydiennachweise (G 140 Vögel, LP 6 Vögel), der virusbedingten Krankheiten (G 364, LP 197 Vögel) sowie der Aspergillose im Atmungstrakt (G 536 Vögel, LP 52 Vögel) und Parasitosen (G 253 Vögel, LP 33 Vögel). Diese Differenzen zwischen den Werten aus Gießen und dem Loro Parque bei den festgestellten Erregern infektiöser Krankheiten werden mit den differierenden Bedingungen in der Haltung, der Ernährung und der speziellen fachtierärztlichen Betreuung von Psittaziden erklärt.
Kurzfassung auf Englisch: The initial review of the applicable literature provides an account of major diseases of birds of the order Psittaciformes.
The results of post mortem examinations and subsequently performed laboratory tests during the years 1997 to 2003 which were all performed in the Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische of the Justus Liebig University Gießen were evaluated. The results of the own evaluations and the results published by Mommer (2002) were compared. Mommer (2002) published similar data on post mortem and laboratory examinations that were produced during the years 1990 to 1996 in the same clinic. In addition, own and Mommers (2002) results were compared with results that were generated by Schulz (2002) and Kellin (2009) on post mortem and laboratory results of psittacine birds that were generated in the Clinica Veterinaria of the Loro Parque, Tenerife, Spain.
The own evaluations are based on 1.637 protocols. All psittacine birds were allocated to 14 groups. These groups are identical to those of Mommer (2002) in an attempt to facilitate direct comparisons. Only a small group of keas was added. The mode of evaluation of protocols and record keeping are similar to that of Mommer (2002). A determination of a single cause of death was not attempted due to the fact that in most cases several likely causes of disease per birds contributed to death.
Like in the evaluation provided by Mommer (2002), a rather high proportion of infectious causes for disease and / or death were noted. Various bacteria (often not primary pathogens) were isolated that account for 59.3 % of all birds. Mommer (2002) mentioned 39.6 % of birds that yielded bacteria. Staphylococcus spp., Streptococcus spp. and E. coli were most frequently isolated. Salmonella and Mycobacteria were never detected.
Fungi were seen in the own study accounting for 25.8 % and Mommer (2002) cites 37.3 % of all examined psittacine birds. The proportion of megabacteria (Macrorhabdus ornithogaster) definitely increased from 0.7 % (12 of all 1.776 psittacine birds) by Mommer (2002) to 6.0 % (98 of all 1.637 psittacine birds) in the own study.
Parasites were rarely diagnosed (Mommer (2002) 7.7 % and own study 7.1 %). Ascaridia account for the largest proportion (Mommer (2002) 4.3 % and own study 3.8 %) of all parasites.
Organ samples of a total of 710 of 1.637 (43.4 %) psittacines were tested for viruses. Viruses were detected (cell culture and / or embryonated egg inoculations including detection of the genome by PCR) from organ samples of 118 of 710 (16.6 %) birds. These include circovirus (2 birds), polyomavirus (12), adenovirus (2), poxvirus (1), herpesvirus (39), reovirus (19), paramyxovirus typ 1 (2), paramyxovirus typ 3 (12) and untyped paramyxoviruses (27). The proportion of paramyxoviruses was in the study of Mommer (2002) 1.5 % of 664 birds and in the own study 41 of 710 (2.5 %). Mommer (2002) mentioned herpesvirus isolations from 38 of 664 (5.7 %) examined birds and the own study yielded herpesviruses from 39 of 710 (5.5 %) psittacines.
Anamnestic information plus macroscopic and histopathologic data yielded for a total of 101 of 1.637 psittacines the diagnosis proventricular dilatation disease (PDD) (6.2 %). Mommer (2002) detected only 78 (4.3 %) psittacines. This diagnosis was most frequently for African Grey Parrots (36 birds), Aratinginae (30), Cockatoos (15), Amazons (11) and Psittaculidae (5).
Not infectious diseases account for 13.5 % in the own data base and for 23.9 % by Mommer (2002) and were less frequently seen as compared to infectious diseases. The frequencies of predispositions for certain diseases are similar in the data base of Mommer (2002) and the own data.
Mycoses, mainly due to Aspergillus spp. are more frequently seen in Aratinginae (own 37.0 %, Mommer (2002) 46.3 %), African Grey Parrots (own 43.8 %, Mommer (2002) 57.0 %) and Amazones (own 45.5 %, Mommer (2002) 63.0 %). Obviously, the proportion of mycoses of the respiratory tract declined recently.
Budgerigars have a high frequency of megabacteria (80 of all 429 Budgerigars, 18.6 %; 58 % of the 138 tested budgerigars). These birds yielded also more than any other group visceral tumors (87 % of all examined tumors and 41 of all 429 budgerigars, 9.6 %). Tumors are predominantly located in liver, kidney and gonades.
A direct comparison of the own data with those published by Mommer (2002) provide circumstantial evidence for shifts in certain diseases and their frequencies in some groups of psittacine birds. Importantly, a comparison of the own results plus the results generated by Mommer (2002) (both produced in our bird clinic in Germany) to the results obtained by Schulz (2002) and Kellin (2009) on birds that lived in the Loro Parque, Tenerife, Spain, demonstrates major differences in the spectrum of diseases and their frequencies per bird group. In order to ease such direct comparison, case numbers from Giessen (own + Mommer (2002), G) and the Loro Parque (Schulz (2002) + Kellin (2009), LP) were added. Thus, the total number of psittacine birds evaluated in Giessen equals 3.413 and the total number in the Loro Parque accounts for 2.265 birds. Major differences between results of both locations are obvious for physical trauma and behavioural abnormalities (G 37 birds, LP 237), detection of chlamydia (G 140 birds, LP 6), virus-induced diseases (G 364 birds, LP 197), aspergillosis of the respiratory tract (G 536 birds, LP 52) and parasites (G 253 birds, LP 33). These differences in frequencies between the two locations are interpreted as the result of deviations in conditions of maintenance, nutrition and last but not least in the level of medical care of birds.
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