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Genetische Charakterisierung der gefährdeten Schafrasse Rouge du Roussillon und Erstellung eines Erhaltungszuchtprogramms

Genetic characterisation of the endangered sheep breed Roussillon Red and development of a conservation breeding plan

Hils, Karen


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : DVG Service
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (6.901 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-85071
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8507/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Rouge du Roussillon , Bedrohte Haustierrassen , Genetische Charakterisierung , Erhaltungszuchtplan , Mikrosatelliten
Freie Schlagwörter (Englisch): Roussillon Red , rare breeds , genetic characterisation , conservation breeding plan , microsatellite
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Naturwissenschaften
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 978-3-86345-052-6
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.07.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 21.12.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel dieser Arbeit war es, die bedrohte Schafrasse Rouge du Roussillon aufgrund von phänotypischen und genotypischen Merkmalen zu charakterisieren, Populationsstrukturen aufzudecken und einen Erhaltungszuchtplan aufzustellen.
Dafür wurden 368 Tiere der in Frankreich und Deutschland vorkommenden Schafrasse und der Referenzrassen Coburger Fuchsschaf, Lacaune viande und Mourerous untersucht. Die genetische Variabilität innerhalb und zwischen den Populationen und die Populations¬strukturen wurden mithilfe von 15 Mikrosatellitenmarkern analysiert und die Rasse in den Kontext von 57 Schafrassen Europas und des Nahen Ostens eingeordnet. Phänotypische Daten und Pedigreedaten wurden erfasst und ausgewertet und ein Erhaltungszuchtplan für die Rasse Rouge du Roussillon in Deutschland entwickelt.
Es zeigte sich geno- als auch phänotypisch eine Aufteilung der Rouge du Roussillon- Schafe in drei Subtypen: eine in Deutschland gehaltene Population und zwei Subtypen der in Frankreich gehaltenen Population, die hier als der neue französische Typ und der alte französische Typ bezeichnet wurden.
Der alte französische Typ ist der kleinste und leichteste der drei Subtypen. Die deutschen Schafe sind im Mittel genauso groß wie der alte französische Typ, aber etwas schwerer. Deutlich schwerer und im Mittel 5 cm größer sind die Tiere des neuen französischen Typs.
In der deutschen Population des Rouge du Roussillon- Schafes wurden Hinweise auf Inzucht in verschiedenen Parametern festgestellt. Aus der Analyse der Pedigreedaten ergab sich ein Inzuchtkoeffizient von 4,32 und eine effektive Populationsgröße von 37,33 Tieren bei einer Bestandsgröße von 81 lebenden Tieren. Die Population zeigte eine geringe Allelzahl von durchschnittlich 4,8 Allelen pro Marker und auch die beobachtete (HO) und erwartete (HE) Heterozygotie lagen mit Werten von 0,526 resp. 0,536 im unteren erwarteten Bereich für europäische Schafrassen. Die Rasse wies zudem keine privaten Allele mit Frequenzen von >5% auf. Diese Effekte sind aus der Zuchtgeschichte der Population zu erklären, da diese mit nur 12 weiblichen und 2 männlichen Tieren 1981 gegründet wurde und seither unter künstlicher Selektion und mit begrenzter Bockanzahl weitergezüchtet wurde.
Verschiedene Analysen liefern Hinweise auf eine Einkreuzung in der Population des neuen französischen Typs. Sie zeigt eine deutlich höhere Heterozygotie als die beiden anderen Subtypen und weist eine durchschnittliche Allelzahl von 9,93 Allelen pro Marker auf. Bei der Bayesian Model-based Clustering Analyse und der Hauptkomponentenanalyse trennt sie sich deutlich von den beiden anderen Populationen. Auch zeigt sie hohe genetische Distanzen zum deutschen Rouge du Roussillon- Schaf und ist auch vom alten französischen Typ trotz einer Trennung der Populationen vor nur 17 Jahren deutlich differenziert.
Bei der Einordnung der Rasse in einen europäischen Kontext zeigt sich eine deutliche Separierung von allen anderen Rassen. Die Rasse ordnet sich geographisch bei den nord¬europäischen Schafrassen ein, der alte französische Typ und die deutsche Population beziehen jedoch eine Sonderstellung separat von allen anderen Rassen. Dies spricht für die genetische Einzigartigkeit der Rasse und für die Notwendigkeit diese zu erhalten.
Es wird empfohlen, den deutschen und den alten französischen Typ in einer gemeinsamen Zuchtpopulation zusammenzufassen und für diese eine gemeinsame Zuchtplanung zu entwickeln. Ein Zuchttieraustausch zwischen den beiden Populationen wäre notwendig. Es wird empfohlen, den neuen französischen Typ separat weiterzuzüchten.
Der alte französische Typ sollte als eigenständiger Subtyp in Frankreich anerkannt werden und den Züchtern Zugang zu Fördermitteln für die Haltung dieses Typs ermöglicht werden.
Es handelt sich bei den Rouge du Roussillon-Schafen um eine eigenständige, abgegrenzte und genetisch einzigartige Rasse, deren Erhalt erstrebenswert ist und weiterhin gefördert werden sollte. Aufgrund der geringen effektiven Populationsgröße ist ihr Zustand als kritisch einzustufen und vorsichtig zu bewerten. In der deutschen Population sollte bei der Zuchtplanung eine Verringerung des Inzuchtzuwachses pro Generation und eine Erhöhung der effektiven Populationsgröße im Vordergrund stehen. Neue Vermarktungsstrategien für Produkte dieser Rasse werden in Zukunft ein wichtiges Anliegen sein, um die Nachhaltigkeit der Zucht zu gewährleisten.
Kurzfassung auf Englisch: It was the aim of this study to characterise the highly endangered sheep breed Rouge du Roussillon by means of genetical and phenotypical data.
For this purpose 368 animals of the Rouge du Roussillon breed and the 3 reference breeds Coburger Fuchsschaf, Lacaune viande, and Mourerous have been sampled.
The breed originates in Southern France and since 1981 there exists a breeding population of about 80 animals in Germany. In France there are 2 subtypes of the breed, which differ phenotypical and are to be called the Old French Type (about 150 animals) and the New French Type (about 3500 animals) in this study. The German population originates from the same population as the Old French type but the population has been separated for 30 years now. In Germany it was purebred over this period of time. The breeding program for the New French Type was implemented 17 years ago with the focus set on a high meat performance.
Genetic variation in and between the populations and population structure were investigated with a set of 15 microsatellite markers and a conservation breeding program has been developed. Furthermore the breed was set into context with 57 sheep breeds from Europe and the Middle East.
The phenotypic and genetic data showed a subdivision of the breed in 3 subtypes. The Old French type is the smallest and lightest of the Subtypes. The German type has the same height as the Old French type, but shows a higher weight. The New French type is at an average 5 cm taller than the other subtypes and shows a higher weight. It also displays a greater phenotypic diversity than the other subtypes.
The German population showed considerable signs of inbreeding. It shows an inbreeding coefficient of 4,32 % and an effective population size of 37,33. The total number of live animals is 81. The mean number of observed alleles shows a low value of 4,8 alleles per marker. The observed (HO) and expected (HE) heterozygosity reside with values of 0,526 resp. 0,536 at the lower end of the expected range for European sheep breeds. We found no private alleles with frequencies >5% in the population. The inbreeding can be explained with the breeding history of the population. It was founded by 14 animals, including only 2 males, in 1981 and since then has been bred under artificial selection and with a limited number of breeding males.
The New French type revealed indications of crossbreeding with other breeds. With values of 0,692 (HO) resp. 0,722 (HE) it showed a considerable higher heterozygosity than the other subtypes. In addition the mean number of observed allels was 9,93 and the population showed the highest number of private alleles in this study. In the Bayesian Model-based Clustering Analysis and the Principal Component Analysis the New French Type was separated from the other populations of the Rouge du Roussillon breed. Furthermore it is clearly dis¬tinguished from the Old French Type and the German type considering the genetic distances.
In the European context the Rouge du Roussillon breed was clearly differentiated from the other European breeds. The breed is geographically positioned close to the North European sheep breeds. The German and the Old French subtype cluster separate from all other breeds. This reveals the genetic uniqueness of the breed and the necessity of conservation.
These populations should be conserved as a combined population and included in a conjoint conservation breeding program. A continuous exchange of breeding animals would be suggested. We recommend that the Old French Type is given an FAO status of endangered sheep breed and hence the breeders will be enabled to apply for subsidies for the husbandry of this subtype.
Since crossbreeding seems to have appeared in the New French type, it should be bred separately from the other subtypes to assure their pure blood breeding.
The distinct separation of the breed from the other European breeds indicates that the Rouge du Rousillon sheep is a discreet breed with evident genetic potential, and therefore the effort for its conservation should be continued and even intensified.
Due to the low effective population size of the breed its situation is to be classified as critical.
As a major goal of the breeding program a decrease of the inbreeding coefficient and an increase of the effective population size should be constituted. Development of new marketing strategies for the breed will be an important concern to ensure a sustainable preservation of the Rouge du Roussillon sheep in the future.
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