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Die Auswirkung von Prebiotika auf das Infektgeschehen bei langzeitig parenteral ernährten Kindern und Jugendlichen

The effect of prebiotics on the infection events in children and adolescents under long-term parenteral nutrition

Heller, Judith


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-84563
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8456/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Parenterale Ernährung , Prebiotika , Kinder , Langzeit
Freie Schlagwörter (Englisch): parenteral nutrition , prebiotics , children , long-term
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaft
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.10.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 24.11.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Neunzehn Kinder und Jugendliche unter langzeitiger parenteraler Ernährung im Alter von 1 - 13 Jahren (im Mittel 5,3, im Median 4,1 Jahre alt) wurden initial zur Teilnahme an der Studie gemeldet. Im Laufe der Interventionszeit von insgesamt mehr als einem Jahr schieden 6 Kinder und Jugendliche frühzeitig aus der Studie aus. Dreizehn Probanden beendeten die Studie.
Die Kinder nahmen 6 Monate lang täglich eine auf ihr Körpergewicht angepasste Menge der Prebiotikamischung (GOS/FOS/AOS) und 6 Monate täglich Maltodextrin als Placebo zu sich. Prebiotika und Maltodextrin waren in gleichartigen Sachets abgepackt, die sich nur durch die Buchstabenkennzeichnung ’N’ und ’O’ unterschieden. Die Studie wurde als doppelblind-Studie gestaltet. Erst nach Beendigung der Datenauswertung wurde vom Hersteller Milupa (Danone Konzern) entblindet. ’N’ war die Prebiotikamischung und ’O’ Maltodextrin als Placebo. Durch randomisiertes Zuteilen in eine von 2 Gruppen begannen die Teilnehmer entweder mit der Prebiotikamischung oder dem Placebo. Nach 6 monatiger Einnahme und nach einer mindestens 6 wöchigen Auswaschphase (keine Sachet-Einnahme) wurde das jeweils andere Sachet konsumiert. Dieses cross-over design ermöglichte es, jeden Patienten als seine eigene Kontrolle zu sehen.
Jeweils nach 3 und 6 Monaten unter Einnahme eines Sachets wurden vom betreuenden Arzt Blutproben und von den Eltern zu Hause Stuhlproben genommen, sowie ein Fragebogen ausgefüllt. Der Zeitraum von 3 Monaten entspricht dem regulären Kontrolluntersuchungsintervall langzeitig parenteral ernährter Kinder und Jugendlicher.
In der Auswertung wurden einerseits die Ergebnisse aller Patienten unter Einnahme der Prebiotika und des Placebos gemittelt und verglichen (intention to treat Analyse). In weiterführenden Analysen wurden dann die Daten der 13 Non-Dropout Probanden statistisch analysiert (per protocol Analyse).
Unter oraler Gabe von Prebiotika wurden bei den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen unter langzeitiger parenteraler Ernährung tendenziell seltener Antibiotika eingesetzt (p=0,715). Der mittlere CrP-Wert als Entzündungsmarker im Blut war tendenziell niedriger wenn Prebiotika konsumiert wurden (p=0,214). Die Eltern berichteten unter Prebiotikagabe häufiger von Durchfall-freien Phasen und gaben den Gesundheitszustand ihres Kindes häufiger als gebessert an (subjektive Einschätzung). Keinem der Probanden ging es unter Einnahme der Prebiotika schlechter, 10 der 13 Patienten, die die Studie komplett beendet haben, ging es besser (komplette Betrachtung der Daten aus den Fragebögen und Beschwerdeprotokollen sowie der Messparameter).
Im Stuhl der Probanden fanden sich unter GOS/FOS/AOS höhere Anteile von Bifidobakterien (p=0,039) und mehr D-Laktat (p=0,074). Binnen der 6 monatigen Intervention mit Prebiotika wurde von keiner D-Laktat Azidose berichtet. Dennoch sollte bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom und Neigung zu D-Laktatazidose ein Einsatz von Prebiotika gut überwacht werden.
Für alle anderen Patienten unter langzeitiger parenteraler Ernährung kann die orale Gabe von Prebiotika durchaus ein sinnvoller, einfacher und kostengünstiger Schritt in Richtung Prävention von Infektionen, Reduktion der Durchfallfrequenz und Förderung des subjektiven Wohlbefindens sein.
Ausblick:
Eine Folgestudie sollte ein größeres Kollektiv untersuchen und zusätzliche Darmflora-modulierende Substanzen (z.B. Probiotika) ausschließen. Auch eine längere Interventionszeit und die Bestimmung von D-Laktat im Urin und im Blut wäre interessant, ebenso wie die Messung der Darmbarrierefunktion vor und nach der Intervention.
Kurzfassung auf Englisch: A beneficial effect of prebiotics on the gut flora and on mucosal immunity has been suggested. The study was designed to identify such an effect by clinical markers in children under long-term parenteral nutrition.
Material and Methods
Nineteen patients under long-term parenteral nutrition between 1 and 13 years of age participated in a double-blind, placebo-controlled, and randomized clinical trial. In a crossover design the children were given a prebiotic mixture (GOS/FOS/AOS) and maltodextrine as placebo orally for 6 months each. Blood and stool samples were taken every 3 months and a questionnaire was to be completed by the parents. Thirteen patients completed the study. Findings under prebiotics were compared with those under placebo.
Results
In stool samples more Bifidobacteria (p=0,039) and tendencies to higher amounts of D-lactic acid (p=0,074) were found under prebiotics. Under prebiotics the inflammation marker CrP in blood was lower by trend (p=0,214). Parents reported more often diarrhoea-free periods and considered their children’s health status more often as ’better’. Prebiotic supplementation was also associated with a tendency to reduced frequency of antibiotic medications (p=0,715). No clinically manifest D-lactic acidosis was reported under prebiotics.
Conclusions
For children under long-term parenteral nutrition oral supplementation with prebiotics could be a reasonable step to prevent infections, reduce diarrhoea frequency and pro- mote wellbeing. Attention should be paid to the risk of D-lactic acidosis although it was not observed in this study. Given the high mortality of sepsis in patients under PN the use of prebiotics is a simple, cheap and low-risk intervention.
Perspective
Further studies should include more patients. Gut-flora modulating substances should be avoided. Longer time of intervention and the measuring of D-lactic acid in blood and urine should be recommended. The measurement of the gut mucosa barrier function before and after intervention would be interesting.
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