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Sozialverhalten in dynamischen Sauengruppen bei der Eingliederung neuer Sauen

Krauss, Anna Verena


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.471 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-84510
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8451/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5823-4
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.09.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 24.11.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Für tragendende Sauen ist ab dem 1. Januar 2013 EU-weit eine Gruppenhaltung
vorgeschrieben. In der Praxis werden tragende Sauen häufig in dynamischen Großgruppen
gehalten, wobei das regelmäßige Ein- bzw. Ausstallen von Untergruppen eine Beeinflussung
des sozialen Gefüges bedingt. Das Etablieren einer neuen Hierarchie ist mit dem Auftreten
agonistischer Interaktionen verbunden, in deren Folge es zur Minderung der
Fruchtbarkeitsleistung aufgrund physischer Auseinandersetzungen und sozialen Stresses
kommen kann. Detaillierte Kenntnisse zum Auftreten agonistischer Interaktionen und zur
Etablierung der Rangordnung bei Sauen liegen für kleinere Tiergruppen vor, fehlen jedoch für
die in der Praxis üblichen Großgruppen. Ziel der Untersuchung war es daher, möglichst
genaue Informationen über das Sozialverhalten und den Effekt des Eingliederns einer neuen
Untergruppe auf das soziale Gefüge innerhalb einer dynamischen Gruppe tragender Sauen im
Wartestall zu erhalten.
In Zeiten mit stabiler Gruppenzusammensetzung blieb die Besuchsreihenfolge an der
automatischen Abrufstation sehr stabil. Neu eingegliederte Sauen waren sowohl in den
Gruppen mit Abrufstation als auch in der 15-er Sauengruppe rangniederer als bereits in der
Gruppe befindliche Sauen. Sowohl in der Zeit mit stabiler Gruppenzusammenstellung als
auch zeitnah zum Einstallen neuer Sauen nahmen ältere und schwere Tiere vordere Plätze in
der sozialen Hierarchie ein. An der Abrufstation war jedoch innerhalb von vier Tagen nach
der Einstallung neuer Sauen ein deutlicher Aufstieg neuer Sauen in der Rangordnung zu
beobachten, und in der 15-er Gruppe reduzierte sich die Anzahl AI um ca. 33 % innerhalb von
vier Tagen. AI traten besonders zwischen alten und neu eingestallten Sauen auf, sie dienten
der Etablierung einer Hierarchie in der dynamischen Gruppe. Das Aggressionsniveau lag
generell sehr niedrig und keine der Sauen benötigte eine medizinische Behandlung in Folge
agonistischer Interaktionen. Der Rangplatz hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Anzahl
der gesamt geborenen oder lebend geborenen Ferkel und keine der beobachteten Sauen
rauschte um.
Neu eingestallte Sauen zeigten pro Tag am 1. und 4. Tag nach der Einstallung signifikant
mehr Abliegevorgänge als alte Sauen, ein Anzeichen vermehrter Unruhe in der Gruppe
zeitnah zum Einstallen, von der besonders neue Sauen betroffen waren. Sowohl alte als auch
neue Sauen präferierten zwar auch nach drei Wochen noch Sauen derselben Untergruppe als
Liegepartner, wobei diese Präferenz signifikant zurückging, so dass von einer deutlichen
Integration der neuen Untergruppe innerhalb von drei Wochen in die dynamische Gruppe im
Wartestall auszugehen ist.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Prozess der Einstallung neuer Sauen in eine dynamische
Sauengruppe einen Anstieg agonistischer Interaktionen bedingt und zu vermehrter Unruhe
innerhalb der Gruppe führt. Da dieser Effekt jedoch nur kurzzeitig auftritt, sind – eine
adäquate Haltungsumwelt und ein angepasstes Management vorausgesetzt – keine ernsthaften
Beeinträchtigung der Leistung und des Wohlbefindens der Sauen zu befürchten.
Kurzfassung auf Englisch: According to EC directive 2001/88/EC pregnant sows and gilts are required to be kept in
groups at the latest 4 weeks after being served until 1 week before the expected time of
farrowing. The regular introduction of subgroups of new sows influences the social structure
within the group inducing the need to establish a new social hierarchy. This process inevitably
includes the occurrence of agonistic interactions which may reduce the reproductive
performance due to physical conflicts and social stress. Well-founded knowledge about the
frequency of agonistic interactions and sociometric measures is available for small groups of
sows but not for large groups which are often found on farms. Therefore the aim of this study
was to analyse the social behaviour and the effect of the introduction of a new subgroup on
the social structure within a dynamic group of pregnant sows.
When the composition of the group remained stable the feeding order at the automatic feeding
station remained very stable. Newly introduced sows occupied rather subdominant places
within the social hierarchy which was true for the observed groups at the feeding station as
well as for the dynamic group of 15 sows. Sows of a higher weight and age were more
dominant and occupied front places within the social hierarchy. This could be shown during
times when the composition of the group remained stable and when new sows were
introduced into the dynamic group. Within four days new sows clearly ascended in the social
hierarchy at the feeding station and in the group of 15 sows the number of AI decreased for
about 33 % within 4 days. AI occurred especially between resident and new sows in order to
establish a new social hierarchy in the dynamic group. Generally, the level of aggression was
rather low and none of the sows had to be treated medically due to agonistic interactions. The
social rank did not influence the number of piglets or the number of piglets born alive per
litter and none of the observed sows returned to oestrus after being bred.
On the 1st and 4th day newly introduced sows showed significantly more lying events per sow
and day than resident sows. This can be interpreted as a sign of an increased level of agitation
in the group when a new subgroup entered the dynamic group which especially affects new
sows. Even 3 weeks after the introduction of a new subgroup resident as well as new sows
preferred animals from the same subgroup as a lying partner. Nevertheless this preference
decreased significantly within 3 weeks thus showing the integration of the new subgroup into
the dynamic group within 3 weeks.
The results show that the process of introducing new sows into a dynamic group does lead to
an increased level of aggression and agitation. But since this is only a short term effect –
providing an adequate environment and management – no severe impairment on reproductive
performance and animal welfare is to be expected.
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