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Der ländliche außerlandwirtschaftliche Sektor in Thailand und Vietnam : Struktur, Krisenanfälligkeit und institutionelles Umfeld

Schmid, Dominik


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-84438
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8443/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Außerlandwirtschaftlicher Sektor , Ländlicher Raum , Institutionelles Umfeld , Thailand , Vietnam
Freie Schlagwörter (Englisch): rural non farm economy , crisis , business environment , Thailand , Vietnam
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geographie
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geografie, Reisen
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.10.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 14.11.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Schwellen- und Entwicklungsländern lebt in ländlichen Räumen. Auch wenn Letztere durch landwirtschaftlich genutzte Flächen geprägt sind, bilden Ackerbau, Viehzucht und Ähnliches bei weitem nicht die einzigen Einkommensquellen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die außerlandwirtschaftliche Beschäftigung für einen substantiellen Anteil der ländlichen Einkommen verantwortlich ist. Entsprechend spielt der außerlandwirtschaftliche Sektor, englisch Rural Non-Farm Economy, in jüngeren Konzepten der Armuts- und Entwicklungsforschung wie dem Livelihood-Schema oder dem Vulnerabilitätskonzept eine wichtige Rolle.
Die bestehende Literatur zu dieser Thematik nimmt bislang ganz überwiegend die Haushaltsperspektive ein, und beschäftigt sich mit Zugangsfaktoren oder Auswirkungen auf Armut und Vulnerabilität. Die Betrachtung der RNFE aus Unternehmenssicht trägt aber darüber hinaus zum besseren Verständnis der Angebotsseite außerlandwirtschaftlicher Beschäftigung bei. Die vorliegende Arbeit betrachtet daher im empirischen Teil ein Sample aus mittleren bis größeren Unternehmen des formalen Sektors innerhalb der RNFE in sieben ländlichen Provinzen in Thailand und Vietnam.
Zwei Forschungsfragen stehen dabei im Vordergrund. Zum einen wird der Einfluss externer Schocks im Allgemeinen und der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 im Besonderen auf ländliche Unternehmen in Thailand untersucht. Zum anderen werden Unterschiede im institutionellen Umfeld der RNFE zwischen der Marktwirtschaft Thailand und dem Transformationsland Vietnam analysiert, und die wesentlichen Wachstumsbarrieren der Unternehmen aufgezeigt.
Die Ergebnisse zeigen, dass die befragten ländlichen Unternehmen in Thailand nur in geringem Ausmaß von der Weltwirtschaftskrise betroffen waren. Negative Auswirkungen waren in erster Linie in Firmen aus „fortschrittlichen“ Branchen des verarbeitenden Gewerbes mit starker Verflechtung mit ausländischen Märkten spürbar. Trotz teils erheblicher Umsatzeinbußen blieben aber auch dort Entlassungen weitgehend aus. Unternehmen, welche zwischen den Befragungszeitpunkten 2007 und 2010 den Betrieb einstellten, taten dies hingegen meist aufgrund hohen Konkurrenzdrucks oder anderen, idiosynkratischen Schocks. Dass die Weltwirtschaftskrise nur geringe Spuren hinterließ, kann zu einem guten Teil darauf zurückgeführt werden, dass die RNFE im thailändischen Untersuchungsgebiet immer noch in hohem Maße lokale Märkte bedient und auf der Weiterverarbeitung lokaler Agrarprodukte (insbesondere Reis) beruht. Die allgemeine Zurückhaltung bei Entlassungen kann zudem mit dem generellen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zusammenhängen, so dass selbst in Krisenzeiten so lange wie möglich versucht wird die Belegschaft zu behalten um für den folgenden Aufschwung gerüstet zu sein.
Die Analyse des institutionellen Umfelds entsprechend der Bewertung durch die Unternehmen lässt einige zu erwartende Muster erkennen. Faktoren des staatlichen Einflusses spielen in Vietnam eine wesentliche höhere Rolle, insbesondere aufgrund der immer noch starken Rolle der Provinzregierungen. Das insgesamt höhere Entwicklungsniveau der thailändischen Provinzen spiegelt sich in den etwas höheren Bewertungen einiger Infrastrukturindikatoren wie beispielsweise des Straßennetzes wider. Trotz der unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systeme ähneln sich allerdings die primären Wachstumsbarrieren sowohl in Thailand wie auch in Vietnam. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften steht in beiden Ländern an erster Stelle. Darüber hinaus existieren für die ländlichen Unternehmen zahlreiche weitere Wachstumsbarrieren, welche in Thailand auch den Mangel an günstigen Arbeitskräften einschließen. Hier wird deutlich, dass selbst in ländlichen Räumen Thailands das auf billiger Arbeitskraft beruhende Wachstumsmodell überholt ist, auf welches sich bislang insbesondere die Textilindustrie stützte. Ein weiteres Problem stellt die nach Ansicht vieler Unternehmen mäßige Motivation ihrer Angestellten dar, welche häufig noch völlig andere Arbeitsweisen aus der landwirtschaftlichen Produktion gewöhnt sind – ein durchaus häufiger anzutreffendes Problem in ländlichen Regionen in Entwicklungsländern.
Zur Förderung der RNFE in der Untersuchungsregion bietet sich insbesondere die Verbesserung der beruflichen Ausbildung an, auch in Kooperation mit den Unternehmen selbst. Ebenso kann die Qualität der Bildungseinrichtungen vor Ort (Universitäten in den Provinzhauptstädten) verbessert werden. Ergänzt werden kann dies beispielsweise durch die Beseitigung lokal spezifischer Mängel der Infrastruktur.
Auch wenn die RNFE in den Untersuchungsprovinzen auf absehbare Zeit keine hohe Wachstumsdynamik aufweisen dürfte, rechtfertigt ihre Rolle für Einkommensdiversifizierung und regionale Entwicklung eine solche Unterstützung.
Kurzfassung auf Englisch: Rural areas play an important role for poverty reduction efforts in developing countries and emerging economies. Research conducted mostly during the past two decades has produced convincing evidence that economic activities in those rural areas – and thereby the income of rural populations – are by no means restricted to subsistence farming and the production of cash crops. The Rural Non-Farm Economy (RNFE) is contributing a significant, in some regions even dominant share to rural incomes. Its role for diversifying rural incomes to include activities in the secondary and tertiary sectors has been recognized by concepts such as those of sustainable livelihoods and vulnerability to poverty.
While the related literature looking at the issue from a household perspective has grown steadily, much less work has been done on the company level. Empirical work based on surveys of RNFE enterprises can provide important information on dynamics and constraints in this sector. This thesis therefore uses a panel sample of mostly medium to large manufacturing and service enterprises in seven rural provinces in Thailand and Vietnam to address two main research questions. The first refers to the impact of the global economic crisis of 2008/2009 and other external shocks on rural companies in Thailand. The second part of the empirical section explores the differences in the institutional environment and growth barriers of the RNFE between the market economy Thailand and the transformation economy of Vietnam.
The results of the analysis show that the sample companies in the Thai provinces have been only moderately affected by the global economic crisis. Firms in modern branches of manufacturing and with close ties to foreign markets have suffered most, but lay-offs have been very limited. Of those companies which have closed down in between the two surveys in 2007 and 2010, most have surrendered to high competition, general market trends or idiosyncratic shocks. The rather positive outcome with regard to the impacts of the global economic crisis can partly be attributed to the fact that the RNFE in the sample provinces remains focused on local markets and local inputs. A general reluctance to lay off staff – probably not least due to the lack of qualified labor – may also have played a role.
The quality of the institutional environment as rated by the companies reveals some expected patterns. Governmental quality plays a much more important role in Vietnam, where especially provincial governments retain a strong influence on the rural economy. The generally higher development level of the Thai provinces is reflected by higher marks for infrastructure indicators such as the quality of roads. However, despite the different political and economic systems, the major growth barriers for non-farm enterprises in Thailand and Vietnam are remarkably similar. The lack of qualified labor is by far the most critical issue. This refers less to formal schooling, but more to required technical and other working skills of employees. In addition, the rural companies face a wide range of other constraints, including the lack of cheap labor in the Thai provinces. This indicates the growing pressure on economic activities based on low wages, such as the classic textile and basic assembly industries. Even rural areas with lower wages thereby cannot escape the nationwide trend – and this trend is likely to also affect Vietnam in the medium term. Another important constraint is the employees’ lack of motivation and understanding of modern industrial-style work, an issue which is typical for many rural areas and societies in developing countries.
To foster the RNFE in the study areas, vocational training in co-operation with the companies themselves and support for local educational institutions such as the provincial universities seem most promising. This should be complemented by additional measures such as addressing infrastructure bottlenecks, improving social security benefits for workers and increasing agricultural productivity. Although it seems unlikely that the RNFE in the study areas in Thailand and Vietnam will be likely to rapidly expand in terms of size and quality, its role for income diversification and regional development justifies continued efforts to support this sector of the rural economy.
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