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Neuropathie bei Patienten mit Diabetes mellitus in Tansania

Neuropathy at diabetics in Tanzania

Michaelsen, Jens Kersten


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-83295
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8329/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Neuropathie , Diabetes mellitus , Diabetes , Tansania , Stoffwechseleinstellung , HbA1c
Freie Schlagwörter (Englisch): neuropathy , Tanzania , metabolic control , diabetes
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaften
Fachgebiet: Medizin fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.08.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 30.08.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der Studie ist es Daten bezüglich Eigenschaften, Stoffwechseleinstellung, den Prävalenzen von Neuropathien und Komplikationen bei Patienten mit Diabetes mellitus in Tansania zu sammeln.
Im Kilimanjaro Christian Medical Centre werden 96 - Typ 1 und Typ 2 - Diabetiker im Alter von 13 bis 95 Jahren untersucht. Der HbA1c- Wert wird gemessen und anhand des Neuropathy Symptome Score (NSS) und Neuropathy Deficit Score (NDS) der Neuropathiegrad bestimmt.
Ergebnis:
Die mittlere Diabetesdauer der Studienteilnehmer beträgt 9,2 Jahre, 12% haben eine Diabetesdauer von mehr als 21 Jahren. Viele der Patienten leiden an Übergewicht: 60,9% der Typ 2 Diabetiker sind mindestens präadipös. Einen BMI von mehr als 25kg/m² haben 58% der gesamten Studienpopulation. Dies zeigt sich auch im Bauchumfang: 57,3% haben einen Bauchumfang, der auf einen hohen abdominalen Fettanteil hindeutet. 14,9% der Diabetiker leiden am metabolischen Syndrom.
Die Hypertonie ist dagegen in Studienpopulation nicht sehr ausgeprägt: 78% haben einen Blutdruck von weniger als 140/90 mmHg. Patienten unter Insulintherapie haben einen um 5mmHg systolischen und um 3mmHg niedrigeren diastolischen Blutdruck, als Patienten unter Oralen Antidiabetika (OAD). Mehr als die Hälfte der Patienten (53,1%) haben einen HbA1c- Wert größer als 9,1% und nur 16,7% eine gute Stoffwechseleinstellung (HbA1c- Wert <7,5%). Eine Monotherapie erhalten 74% der Patienten, bei 43,8% der Patienten besteht die Therapie aus Insulin und bei 30,2% aus einem OAD. Ein Patient wird angehalten sich diätetisch zu ernähren. Die wenigsten Patienten erhalten eine Kombination aus Insulin und einem OAD (3,1%). Gemäß dem NSS haben mehr als 80% der untersuchten Patienten eine schwere und 7,3% keine Neuropathie.
Gemäß NDS haben 47,9% keine nachweisbare Neuropathie, 16,7% eine leichte, 11,5% eine mäßige und 24% eine schwere Neuropathie.
Diskussion:
Ein negativer Zusammenhang besteht zwischen Patientenalter und HbA1c- Wert: je älter der Patient, desto besser ist auch sein HbA1c- Wert. Die Einordnung in einen Gesamtzusammenhang ist nicht einfach, da die Studienlage bezüglich des Zusammenhanges uneinheitlich ist.
Im Vergleich zu norwegischen Patienten sind die tansanischen Patienten häufiger übergewichtig. Ältere Patienten haben in der vorliegenden Studie eine kürzere mittlere Diabetesdauer als jüngere Typ 2- Diabetiker und eine entsprechend bessere Stoffwechseleinstellung. Bei Patienten über 50 Jahren ist deshalb ein Zusammenhang zwischen Stoffwechseleinstellung und mittlere Diabetesdauer nachweisbar. Patienten mit einer Kombinationstherapie bestehend aus Insulin und einem OAD haben mit 6,6 Jahren die kürzeste mittlere Diabetesdauer, während Patienten mit einer Insulin- Monotherapie eine mittlere Diabetesdauer von 14,1 Jahren aufweisen. Eigentlich ist das Gegenteil zu erwarten, da die Kombinationstherapie bestehend aus Insulin und OAD eine im Krankheitsverlauf sehr späte Therapieoption darstellt. Ältere Patienten haben eine bessere metabolische Einstellung: die kurze mittlere Diabetesdauer und eine Kombinationstherapie bestehend aus Insulin und OAD mögen dazu beitragen.
In Brasilien und in den VAE liegen die Prävalenzraten für Hypertonie deutlich höher. Einschränkend ist, dass die vorliegenden Daten sich auf eine einmalige Messung beziehen. Auf diese Weise würde die im Vergleich schon niedrige Hypertonieprävalenz noch niedriger als bei 22% liegen. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen BMI und Blutdruckwerten ist nachweisbar.
Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Stoffwechseleinstellung und einer Neuropathie findet sich in der vorliegenden Studie nicht. Dies liegt zum einen an der niedrigen Patientenzahl, zum anderen an der Methode nach der die Neuropathie diagnostiziert wird. Sehr stark stellt der NSS und wesentlich geringer der NDS subjektive klinische Kriterien in den Vordergrund. Die Neuropathie wird nach einem Punktewert, der die Wahrnehmungen des Patienten erfragt, diagnostiziert und ist somit sehr subjektiv, was Differenzen zwischen erwarteter und tatsächlicher Neuropathie erklären könnte. Die Messung der NLG schließt die Subjektivität von Patient und Untersucher weitgehend aus, ist aber für den klinischen Alltag in einer Klinik der 3. Welt unerheblich.
Konsequenz:
Die Studie zeigt, dass viele der untersuchten Diabetiker eine sehr schlechte Stoffwechseleinstellung haben. Das übergeordnete Ziel einer besseren Patientenversorgung muss also eine bessere Stoffwechseleinstellung sein. Ein Großteil der vorhandenen Komplikationen resultiert aus dieser schlechten Stoffwechseleinstellung. Sicherlich sind Übergewicht, Neuropathien, Ulzerationen, Infektionen und Amputationen die schwerwiegendsten Probleme und anscheinend ist die arterielle Hypertonie ein untergeordnetes Problem.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this study is the collection and analysis of factors characteristics, metabolic control, prevalence of neuropathy and its resulting complications of diabetic patients visiting the Kilimanjaro Christian Medical Centre.
96 type 1 and type 2 diabetic patients (age: 13- 95 years) were asked for their past medical history and examined using neuropathy symptom score (NSS) and neuropathy Deficit score (NDS) and HbA1c- value was determined.
12% have a duration of diabetes of more than 21 years. 60.9% from the examined 93% of type 2 diabetic (7% type 1 diabetics) patients are at least pre-obese. A BMI of higher than 25kg/m² was determined by 58% of the study population. This is also shown in the waist circumference, 57.3%,have a waist circumference that points to at least overweight.
In many cases diabetics are suffering from the metabolic syndrome, therefore high prevalences of overweight are no surprise and a coexistence of DM and obesity is to be expected.
Arterial Hypertension in the study population is not very common, nearly 80% have a blood pressure of less than 140/90 mmHg. A significant coherence between BMI and hypertension is detectable.
A good metabolic control was found in 16.7%. 74% were treated by a drug monotherapy: at 43.8%, the use of therapy of insulin, at 30.2% of OAD, one patient was advised to keep a diet. Only 3.1% are treated by a combination of insulin and OAD. The older the patient, the better is his metabolic control. Older patients have a shorter duration of DM than younger patients. Older patients show a better metabolic control and that is why, with patients older than 50, a positive correlation between duration of DM and metabolic control is detected.
According to NSS more than 80% of the study population had a heavy neuropathy and 7.3% show no symptoms of neuropathy. Patients with no neuropathic symptoms were the youngest (55.7 years) and show the lowest BMI (23.9 kgm²). 17 (77.7%) of 22 patients, who are suffering from an arterial hypertension, show also heavy symptoms of neuropathy.
According to NDS show 47.9% no signs of neuropathy, 16.7% only light, 11.5% moderate, and 24% have bad symptoms. Patients with a heavy neuropathy show in 62.5% (16.7% of the whole population) complications.
This study does not show a correlation between metabolic control and the appearance of neuropathy. NSS as well as NDS ask for perceptions of patients and so both scoring systems are very subjective. Measuring the nerve conduction velocity is for study purposes the “gold standard”, but for clinical daily routine this is not necessary.
No significant correlation between NDS and NSS can be found in this study.
As this study shows, many of the examined diabetics have a bad metabolic control, resulting in complications. Overweight, neuropathies, ulcerations, infections and amputations are the heaviest complications and arterial hypertension seems to be a lesser problem.
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