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Versorgung hilfe- und pflegebedürftiger Personen im Verbund

Nawroth, Friederike


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler
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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-83223
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8322/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung
Fachgebiet: Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Haushaltswissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5810-4
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.07.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 24.08.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der Arbeit war es, Gestaltungsempfehlungen für eine Versorgung hilfe- und
pflegebedürftiger Personen im Verbund aus verschiedenen Perspektiven
zu geben. Im Zentrum standen zwei Perspektiven. Dies war auf der einen Seite
die Perspektive der Akteure und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens,
die sich zu einem institutionellen Versorgungsverbund zusammengeschlossen
haben, um eine einzelfallübergreifende Abstimmung von Versorgungsleistungen
zu realisieren. Auf der anderen Seite stand die Perspektive der
zu versorgenden Personen und ihrer Angehörigen, die im Einzelfall die Versorgung
unter einer mehr oder weniger starken Einbeziehung verschiedener
Akteure und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens realisieren.
Eine Versorgung hilfe- und pflegebedürftiger Personen im Verbund ist dabei
aus mehreren Gründen vorteilhaft und wird von vielen Seiten gefordert.
Rechtliche Änderungen insbesondere im Sozialrecht haben zu einer Forcierung
vernetzter Versorgungsstrukturen im Gesundheits- und Sozialwesen geführt.
Hierzu tragen vor allem die Einführung der integrierten Versorgung
nach § 140a-d SGB V und § 92b SGB XI sowie die Einführung von Pflegestützpunkten
nach § 92c SGB XI bei. Die Akteure und Einrichtungen stehen
vor der Herausforderung, neue Versorgungsmodelle zu etablieren, welche
letztendlich zu einer Verbesserung der Versorgung von Personen führen sollen.
Zur Systematisierung der konkreten Anforderungen an die Versorgung im
Einzelfall erfolgte eine Herausarbeitung idealtypischer Versorgungsstile hilfeund
pflegebedürftiger Personen. Als theoretischer Bezugsrahmen diente mit
der Theorie haushälterischen Handelns ein haushaltswissenschaftlicher Ansatz,
welcher eine ganzheitliche Betrachtung des Versorgungsstils erlaubt. Mit
dem traditionell-familialen, dem informell-familialen, dem formell-familialen
und dem non familialen Versorgungsstil wurden vier idealtypische Versorgungsstile
unterschieden.
Im Folgenden standen Möglichkeiten der Umsetzung einer berufsgruppen-,
organisations- und sektorenübergreifenden Zusammenarbeit der Akteure und
Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens im Zentrum der Betrachtung.
Unter Nutzung der Systemtheorie war es möglich, einen institutionellen
Versorgungsverbund als Ergebnis eines freiwilligen Zusammenschlusses verschiedener
Akteure und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens,
als Modell darzustellen. Es wurden verschiedene Eigenschaften herausgearbei
tet, welche den institutionellen Versorgungsverbund kennzeichnen, sowie
Möglichkeiten der Gestaltung des normativen, strategischen und operativen
Managements aufgezeigt. Die Vielfalt an Ausprägungen der Eigenschaften
sowie Gestaltungsoptionen des Managements führen dazu, dass sich jeder institutionelle
Versorgungsverbund anders darstellt.
Eine systematische Beschreibung des institutionellen Versorgungsverbunds
erlaubte das Konzept des integrierten Managements von Bleicher, welches auf
der Systemtheorie beruht und nachdem sich jede Organisation in fünf Subsysteme
zergliedern lässt. Demnach setzt sich der institutionelle Versorgungsverbund
aus einem Hilfe-, Koordinations-, Planungs- und Kontroll-, Entwicklungs-
sowie Wertesystem zusammen.
Welche Erwartungen, Vorstellungen und Wünsche zentrale Akteure und Einrichtungen
des Gesundheits- und Sozialwesens als potenzielle Verbundteilnehmerinnen
und -teilnehmer an den institutionellen Versorgungsverbund
stellen, wurde mithilfe einer empirischen Erhebung erfasst. Hierzu wurden
Hausärztinnen und -ärzte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Krankenhäusern,
Leiterinnen und Leiter ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen
sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kranken- und Pflegekassen zu
ihren Anforderungen an eine wohnortnahe Koordination befragt. Anhand der
Antworten konnten Rückschlüsse auf die präferierte Ausgestaltung des Managements
im institutionellen Versorgungsverbund gezogen werden.
Der weitaus größte Teil der Befragten stimmte den Auswertungsergebnissen
zufolge einer verpflichtenden Grundorientierung des normativen Managements
eher zu als einer opportunistischen Grundorientierung. Hinsichtlich der
Ausgestaltung des strategischen Managements dürften die meisten Befragten
eine veränderungsorientierte Ausrichtung des institutionellen Versorgungsverbunds
eher befürworten als eine stabilitätsorientierte Ausrichtung. Das
operative Management des institutionellen Versorgungsverbunds ist so zu gestalten,
dass es den einzelnen Verbundteilnehmerinnen und -teilnehmern Autonomie
und Selbstständigkeit ermöglicht, ohne dass die Erreichung gemeinsamer
Ziele und Erfüllung gemeinsamer Zwecke gefährdet sind.
Aus der Perspektive der zu versorgenden Personen und ihrer Angehörigen
zeigt sich der Erfolg des institutionellen Versorgungsverbunds bei der Versorgung
im Einzelfall und somit innerhalb des individuellen Versorgungsverbunds.
Die Anforderungen hilfe- und pflegebedürftiger Personen an die Gestaltung
des individuellen Versorgungsverbunds stellen sich vielseitig dar und
beziehen sich insbesondere auf die zu erbringenden Versorgungsleistungen,
die Akteure, welche Versorgungsleistungen erbringen, sowie die Koordination
verschiedener Versorgungsleistungen zur Sicherstellung einer ganzheitlichen
Versorgung. Ausgehend von den generellen Anforderungen an den individuellen
Versorgungsverbund konnten vor dem Hintergrund der spezifischen Besonderheiten
idealtypischer Versorgungsstile, Möglichkeiten der optimalen
Gestaltungen einer Versorgung im Verbund, welche sich im Wesentlichen
durch einen Versorgungsmix aus formeller und informeller Unterstützung
auszeichnet, sowie Gestaltungsempfehlungen für den institutionellen Versorgungsverbund formuliert werden.
Kurzfassung auf Englisch: The objective of this thesis was to provide designing recommendations for a
network to accommodate people in need of help and care from a combination
of different perspectives. Two perspectives took center stage. On the one
hand, this was the perspective of the actors and institutions in health care and
social services that have joined forces in an institutional care network to realize
a coordination of the various care services that extends beyond the individual
case. On the other hand, the work focused on the perspective of the
people to be cared for and their family members, who, in the individual case,
manage the care under more or less involvement of various actors and institutions
of the health care and social services systems.
The realization of providing for people in need of help and care is advantageous
for several reasons and is urged by many parties. Legal changes, especially
in social law, have led to an acceleration of interconnected supply structures
in health care and social services. Contributing to this development are,
most of all, the introduction of integrated care according to § 140a-d
SGB (social security code) V and § 92b SGB XI, as well as the introduction of
care bases according to § 92c SGB XI. The actors and institutions face the
challenge of establishing new forms of care, which are intended to eventually
lead to an improvement of care for the people in need of it.
To systematize the concrete requirements on the care in the individual case,
ideal-typical care styles for persons in need of help and care were worked out.
The theory of economic action was here used as theoretical frame of reference,
a home economics approach that allows a holistic view of the care style.
Ultimately, four ideal-typical care styles were analyzed: the traditional-familial,
the informal-familial, the formal-familial, and the non-familial care style.
In the following, possibilities to implement an increased cooperation of the
actors and institutions of the health care and social services systems that spans
across organizations, professional groups and sectors was at the center of the
contemplation. Applying system theory, it was possible to describe an institutional
care network as the result of a voluntary association of various actors
and institutions of the health care and social services systems as a model. In
the process, various features were delineated, which characterize the institutional
care network, as well as possibilities of designing the operative, strategic,
and normative management. The diversity of possible manifestations of the
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features and the multitude of design options of the management have the result
that every institutional care network can present differently.
A systematic description of the institutional care network was made possible
with the concept of integrated management by Bleicher, which is based on
system theory and according to which every organization can be divided into
five subsystems. According to this concept, the institutional care network is
composed of a help, coordination, planning and control, development, and
value system. For the continuance of the institutional care network, it is principally
of importance that externally set purposes are met and internally set
goals, as well as the goals of the involved actors and institutions of the health
care and social services system, are achieved.
With an empirical survey, it was recorded which concepts, expectations and
wishes central actors and institutions of health care and social services as potential
network participants connect with the institutional care network. For
this purpose, physicians, hospital personnel, managers of outpatient and inpatient
care institutions, as well as employees of health and nursing-care insurances
were asked about their requirements on a coordination located nearby.
Based on the responses, it was then possible to draw conclusions regarding
the preferred configuration of the management.
By far the majority of the persons surveyed would rather agree with a mandatory
orientation of the normative management than with an opportunistic
one. In regard to the configuration of the strategic management, most of the
surveyed persons would probably rather support a change-oriented direction
than a stability-oriented one. The operative management of the institutional
care network must be designed in such a manner that it allows the individual
network participants the largest possible degree of autonomy and independence
without endangering the achievement of common goals.
Specifically, the success of the institutional care network in providing care
manifests from the perspective of the persons to be cared for and their family
members in the individual case and thus within the individual care network.
The requirements of persons in need of help and care on the design of the
individual care network present themselves in many ways and relate in particular
to the care services to be provided, the actors that provide the care services,
and the coordination of various care services to ensure a holistic care.
Starting from the general requirements on the individual care network, possibilities
for supporting the provision of care in the network, which result most336
Summary
ly from a care provision mix of formal and informal support, as well as designing
recommendations for the institutional care network could be formulated
against the backdrop of the specific particularities of ideal-typical care
styles.
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