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Der Stellenwert und die Bedeutung der andrologischen Diagnostik für die Prognose der assistierten Reproduktion

Significance and importance of andrological diagnostics for the prognosis of assisted reproduction

Schalk, Gesa


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-82962
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8296/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Andrologie , Vorhersage , Reproduktion , Spermatozoenfunktion
Freie Schlagwörter (Englisch): andrology , prediction , reproduction , sperm function
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Urologie, Kinderurologie und Andrologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.06.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 18.08.2011
Kurzfassung auf Deutsch: In vielen Studien wird der Einfluss der Ejakulatqualität auf die assistierte
Reproduktion untersucht. Die Bedeutung sowohl der klass. als auch der
funktionellen Sperm.parameter wird durch den mehrfachen Nachweis
signifikanter Zusammenhänge verschiedener Forschungsgruppen unterstrichen. Um
Zusammenhänge zu erkennen, wird in den meisten Studien allerdings dasjenige
Ejakulat herangezogen, das auch für die assistierte Reproduktionstechnik Verwendung
findet. Wird der Zusammenhang aber, wie es für diagnostische Zwecke erforderlich ist,
auf ein zeitlich anderes Ereignis bezogen, gibt es Probleme bei der Vorhersage von
Fertilisation/Schwangerschaft.
In der Arbeit sollte untersucht werden, inwiefern der Faktor Zeit einen Einfluss für
die Prädiktion von Fertilisation/Schwangerschaft darstellt od. ob trotz
Zeitabstand Korrelationen beschrieben werden können. Sämtliche
Untersuchungen bzgl. des Zusammenhangs zwischen Sperm.parametern
und Ergebnissen der assist. Reproduktion wurden anhand von Befunden
durchgeführt, die jeweils mit zeitlichem Abstand zu Maßnahmen der assist.
Reproduktion erhoben worden waren.
Bei Analyse der Einzelparameter bzgl. des Einflusses auf den Erfolg der IVF
zeigten nur die klass. Spermiogrammvariablen Konzentration u. Morphologie jeweils Zusammenhänge mit der Fertilisationsrate, in der
statistischen Bewertung aber mit einer relativ hohen Irrtumswahrscheinlichkeit
und damit nicht so gut, wie in vielen anderen Studien beschrieben. Keiner
der Spermatozoenfunktionstests wies einen signifikanten Zusammenhang mit den IVF Ergebnissen auf. Ein Versuch der Modellerstellung zur Voraussage der drei
Zielparameter misslang. Bei Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Ejakulatparametern und Ergebnissen
der ICSI zeigten wiederum Konzentration und Morphologie a.e. eine
Korrelation mit der Fertilisationsrate. Die Zielgrößen Embryoscore und
Schwangerschaft ließen sich allerdings durch keinen der einbezogenen
Spermatozoenparameter voraussagen. Eine Modellerstellung gelang für keine der
Zielvariablen. Über die Zusammenhänge zwischen Spermatozoenparametern und ICSI
wird momentan kontrovers diskutiert (selbst wenn dasselbe Ejakulat für andrologische
Diagnostik und ICSI eingesetzt wird). Die Fertilisation ist ein multifaktorieller Prozess, bei der Austestung definierter Spermatozoenfunktionen jedoch wird nur jeweils ein Parameter getestet. In dieser Arbeit wurde versucht, mittels Kombination sinnvolle
Modelle zu erstellen, die diesen komplexen Vorgang vorherzusagen in der Lage sind.
Die Spermatozoenparameter konnten den zu erwartenden Zusammenhang nicht
bestätigen. Es wurde für keines der Reproduktionsverfahren ein Modell gefunden, das
das Auftreten einer Schwangerschaft voraussagen könnte.
In einer Varianzkomponentenzerlegung wurden die einzelnen Parameter auf ihre
Reliabilität hin untersucht. Es zeigte sich für alle getesteten Parameter eine starke intraindividuelle Variabilität. Unsere Ergebnisse bestätigen Mitteilungen anderer Autoren,
dass über das Basis-Spermiogramm hinaus strukturelle und funktionelle Eigenschaften
der Spermatozoen und ihr prognostischer Stellenwert erforscht werden müssen.
Die Resultate der vorliegenden Arbeit weisen mit Zeitabständen von bis zu 190 Tagen
zwischen andrologischer Diagnostik und assistierter Reproduktion auf die Problematik
einer zuverlässigen Prognose der IVF / ICSI in der klinischen Praxis hin.
Ungeachtet der Tatsache, dass Untersuchungen bzgl. der komplexen
Zusammenhänge der Fertilisation mit maternalen und paternalen Faktoren eminent
wichtig sind, sind im klinischen Alltag Parameter gefordert, die schon vor der
Durchführung einer Therapie das Resultat der Therapie prognostizieren können. Es
besteht der dringende Bedarf an standardisierter Methodik, die auch dem Anspruch
standhält, dass die Fertilisation als multifaktorieller Prozess prognostiziert werden kann.
Es müssen zuverlässige, stabile Parameter gefunden werden, die im diagnostischen
Setup des klinischen Alltags zuverlässig die Fertilisationskapazität voraussagen können.
Da die hier verwendeten Daten von erfahrenen Untersuchern und unter ständigen
Qualitätskontrollen durchgeführt wurden, belegen unsere Ergebnisse, dass der
andrologische Zustand zum Zeitpunkt der Diagnostik nicht notwendigerweise
demjenigen zum Zeitpunkt der assistierten Reproduktion entspricht.
Die hier vorgestellte Arbeit zeigt die Grenzen der momentan in der klinischen Routine
verfügbaren andrologischen Diagnostik auf.
Kurzfassung auf Englisch: Many studies have examined the influence of sperm quality on assisted reproduction
procedures. The recurring evidence of a significant correlation, provided by numerous
research groups, emphasizes the importance of both the classical and the functional
semen parameters. In order to recognize this correlation, however, most studies use the
ejaculate, which has already been used for assisted reproduction technology. However,
if this correlation is based on a chronologically different event, as required for
diagnostic purposes, the prediction of fertilization and pregnancy will be problematic.
The aim of this study is, to examine whether the time factor has an influence on the
prediction of fertilization and pregnancy, or, whether a correlation can be described in
spite of the time interval. All our research on the relationship between semen parameters
and the outcome of assisted reproduction was conducted on results obtained with a time
interval between the andrological diagnosis and assisted reproduction.
In the analysis of individual parameters with regard to their influence on the success of
IVF, only the conventional semen parameter concentration and the percentage of
normally shaped sperms correlated with the fertilization rate; indeed, in the statistical
evaluation, with a relatively high probability of error and, thus, not nearly as well as
described in many other studies. None of the sperm function tests showed a significant
correlation with IVF outcome. An attempted model to predict the three target
parameters (fertilization rate, pregnancy, embryo score) was not successful.
In the analysis of the correlation between sperm parameters and the results of ICSI, the
concentration and morphology again showed the closest correlation with the
fertilization rate. However, the target parameters, embryo score and pregnancy, could
not be predicted by any of the analyzed semen parameters. Modeling was not possible
for any of the three target parameters. There is an ongoing controversial debate on the
relationship between semen parameters and ICSI (even if the same ejaculate is used for
both andrological diagnosis and ICSI).
Fertilization is a multifactorially determinated process, but, in testing spermatozoal
functions, just one parameter is tested. This study tried to create useful models to
predict this complex process, by using a combination of parameters. The semen
parameters could not verify the expected correlation. A model that could predict the
occurrence of pregnancy could not be established for any of the reproduction methods.
In a variance components analysis, the individual parameters were examined with
regard to their reliability. A large intra-individual variability was shown for all tested
parameters. Our results confirm conclusions by other authors, that the structural and
functional properties of spermatozoa and their prognostic significance have to be
investigated.
The results of this study, with intervals of up to 190 days between andrological
diagnosis and assisted reproduction, emphasize the problems involved in a reliable
prediction of IVF or ICSI in clinical practice. Despite the fact that research into the
complex relationships of fertilization with maternal and paternal factors is very
important, in clinical practice parameters that can predict the result of the therapy
before implementation are required. There is an urgent need for a standardized
methodology that will do justice to the claim that fertilization can be predicted as a
multifactorial process. Reliable, stable parameters, which can predict the fertilization
capacity in the clinical diagnostic setup with certainty, have to be established. Since the
data used here come from experienced researchers, and were collected under constant
quality control, our results prove that the andrological status at the time of diagnosis is
not necessarily identical with the status at the time of assisted reproduction.
This study demonstrates the limitations of the andrological diagnostics currently
available in clinical routine. Against a background of growing cost pressures in health
care, reproductive medicine also needs to become much more efficient and effective. On
the basis of the results presented here, there is a great demand for further research, with
prospective study design, in order to prove their reliability. If these results are
confirmed by further studies, the importance of andrological diagnosis in determining
the prognostic potential for assisted reproduction will be challenged.
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