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Bedrohtes Europa : Studien zum Europagedanken bei Alfons Paquet, André Suarès und Romain Rolland in der Periode zwischen 1890 und 1914

Grucza, Monika


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Europagedanke
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Germanistik
Fachgebiet: Germanistik
DDC-Sachgruppe: Literatur, Rhetorik, Literaturwissenschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.07.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 12.07.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Bereits um 1900 weist Europa aufgrund sozialer und kultureller
Emanzipationsprozesse, der raschen Industrialisierung auf dem Kontinent und des
Wandels der Lebensart moderne Züge auf. Der neue Charakter der Europa-Idee in
dieser Zeit kommt zudem in dem rasch zunehmenden Aufkommen des Bewusstseins
einer Gefährdung der europäischen Vorrangstellung in der Welt. Dieses stark
zunehmende Bedrohungsbewusstsein bei den Europäern bildet eine wichtige Konstante
der Wende zum 20. Jahrhundert. Verantwortlich für das Aufkommen der
Bedrohungsängste bei den Europäern war ihr intensiviertes Interesse am Fremden.
Dieses Interesse war eine wichtige Begleiterscheinung der einsetzenden
Globalisierungsprozesse. In der vorliegenden Arbeit wurde von der Definition des
Fremden als Verhältnis zwischen Objekt und Subjekt der Betrachtung ausgegangen.
Diese Definition ist hinsichtlich der Rolle des Fremden für die Entwicklung eines
europäischen Bedrohungsbewusstseins um 1900 maßgeblich geworden, da es hier nicht
vorrangig um die Bilder über den Fremden geht, sondern um die Erfahrung des
Fremden und ihre Auswirkung auf die Entstehung eines Bedrohungsgefühls bei den
Europäern und seine Ausprägung auf die Entwicklung von Europa-Plänen. Die
Quellenbasis setzt sich vorwiegend aus publizistischen Texten sowie zeitgenössichen
Studien über Amerika, Asien und die politische Elsass-Debatte zusammen.
Die zwei wichtigsten Bedrohungsfaktore für die europäische Zukunft sahen
europäische Zeitgenossen in dem wirtschaftlichen Aufschwung der USA sowie dem
politischen und militärischen Aufstieg Japans. Die Pluralität der Gefahren, die die
Europäer seitens der USA sowie der fernöstlicher Völker befürchteten, kommt
insbesondere in den umfangreichen Bedeutungspotentialen der Begriffe von der
„amerikanischen“ und „Gelben“ Gefahr zum Ausdruck, die bereits an der Wende zum
20 Jahrhundert einen schlagwortartigen Charakter gewannen. Zur Beschreibung der
Gefährdungen, die für Europa aus den USA hervorgingen, bedienten sich die Europäer
darüber hinaus solcher Begriffe wie „Amerikanisierung“ und „Amerikanismus“. Die
Untersuchung der verschiedenen Bedeutungen dieser Begriffe bildet eine weitere
Zielsetzung dieser Arbeit.
Verantwortlich für die Verbreitung der Bedrohungsängste in Europa um 1900
waren auch europainterne Gründe. Von besonderer Bedeutung hinsichtlich der
Herausbildung dieser Ängste war die Befürchtung eines Kriegsausbruchs in Europa.
Diese Befürchtungen manifestieren sich zwischen 1890 und 1914 insbesondere im
Rahmen der politischen Elsass-Debatte. Ein wichtiger Ausdruck des europäischen
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Bedrohungsbewussteins war in besagter Periode die stark zunehmende Popularität der
Idee einer Einigung Europas. Symptomatisch für die Projekte einer europäischen
Integration um 1900 war das Verständnis von Europa als Interessengemeinschaft. Die
wichtigsten Ziele einer Einigung Europas sahen die Autoren dieser Pläne in der
Aufrechterhaltung der europäischen Vorrangstellung in der Welt sowie der Sicherung
des Friedens in Europa. Neben der Zielsetzung der Europa-Pläne aus der Wende zum
20. Jahrhundert wurden in der vorliegenden Arbeit solche Aspekte der europäischen
Einigungsidee untersucht, wie vor allem ihre Verbreitung, verschiedene Ansätze zur
Realisierung eines europäischen Zusammenschlusses, vorgeschlagene
Organisationsmodelle sowie der geographische Aspekt der Einigungsdebatte.
Das Aufkommen von europäischem Bedrohungsbewusstsein wurde in der
vorliegenden Arbeit mithilfe des Europagedankens der drei Schriftsteller Alfons Paquet,
André Suarès und Romain Rolland untersucht. Insofern liefert diese Studie einen
Beitrag zur Debatte über die Bedeutung der Schriftsteller als wichtige Europadenker
und Zeitzeugen ihrer Epoche. Besonders aussagekräftig für die Untersuchung der
Teilnahme von Paquet, Suarès und Rolland an der zeitgenössischen Debatte über die
Bedrohung der europäischen Vorrangstellung in der Welt erwies sich die Untersuchung
des Europa-Bildes dieser Schriftsteller. Beantwortet wurde auch die Frage nach der
Existenz eines europäischen Selbstverständnisses bei den Autoren.
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