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MRSA-Kolonisierung und Wundheilung bei Diabetikern mit Diabetischem Fußsyndrom

MRSA-colonication and wound healing in diabetic patients with diabetic foot syndrome

Spinnler, Nicole


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-82266
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8226/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): MRSA , Diabetes , Wundheilung , diabetisches Fußsyndrom
Freie Schlagwörter (Englisch): MRSA , diabetes , woundhealing , diabetic foot syndrome
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Hygiene und Umweltmedizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.12.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 04.07.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Einleitung
Das Diabetische Fußsyndrom (DFS) ist eine der häufigsten Folgeerkrankungen bei Diabetes
mellitus; ca. ein Viertel der in Deutschland lebenden Diabetiker erleiden im Laufe ihres
Lebens ein DFS. Laut Beobachtungen kommt es bei Diabetikern mit chronischen Wunden,
vor allem beim Diabetischen Fuß, zu einer Häufung der Besiedelung oder Infektion mit
Methicillin resistenten Staphylokokkus aureus (MRSA).
In der vorliegenden Studie wurden Einflussfaktoren auf den MRSA-Kolonisierungsstatus und
der Einfluss der MRSA-Besiedelung auf den Wundheilungsverlauf, sowie die
Sanierungserfolge bei Patienten mit DFS in einer Spezialklinik für Diabetes untersucht.
Vorgehensweise und Methoden
Eingeschlossen wurden Patienten, die sich zwischen Juli 2006 bis November 2007 in
stationärer oder ambulanter Therapie an einer Spezialklinik für Diabetes befanden. Alle
Patienten waren an Diabetes mellitus erkrankt und litten an einem Diabetischen Fuß Syndrom.
Bei der MRSA-Gruppe wurde eine MRSA-Besiedelung in Fußwunde, Haut oder Nase
nachgewiesen. Die Kontrollgruppe war frei von MRSA. Die Datenerhebung (Schwerpunkte:
Risikofaktoren, Allgemeinzustand, Wundbehandlung, Diabeteseinstellung, MRSA) erfolgte
stationär und bei den ambulanten Wiedervorstellungen durch ein persönliches Interview mit
Hilfe eines Fragebogens bei einer Verlaufdokumentation über einen Zeitraum von sechs
Monaten.
Ergebnisse
Insgesamt konnten 110 Patienten in die Studie aufgenommen werden, 34 Patienten in der
MRSA-Gruppe und 76 in der Kontrollgruppe. Die Verteilung von Alter, Geschlecht und
Einstufung des Allgemeinzustandes nach Nortonskala war in beiden Gruppen homogen.
Der Anteil von Patienten mit häufigen Krankenhausaufenthalten (>2 in 12 Monaten) war in
der MRSA-Gruppe (n=21, 61,8%) deutlich höher, als in der Kontrollgruppe (n=22, 28,9%,
p=0,002). Der Anteil ambulant oder in einem Pflegeheim betreuter Patienten betrug in der
MRSA-Gruppe 35,3% (n=12) und in der Kontrollgruppe 13,2% (n=10, p=0,01). Der häufigste
Nachweisort für MRSA war die Fußwunde (n=30; 93,8%), gefolgt von der Nase (n=20;
62,5%) und der Haut (n=15; 46,9%).
Während der 6-monatigen Verlaufsbeobachtung kam es insgesamt bei 66 (83,5%) Patienten
zu einer Wundverkleinerung, wobei hiermit eine Verringerung der Fläche der Wunden
gemeint ist. Dies war bei 15 (68,2%) Patienten der MRSA-Gruppe und bei 51 (89,5%)
Patienten der Kontrollgruppe der Fall (p=0,039). Bei 48 von 58 (82,8%) Patienten, bei denen
es im Verlauf der ambulanten Behandlung zu einer Verkleinerung der Wunden kam, lag ein
HbA1c von >7,5% und bei 10 (17,2%) Patienten ein HbA1c von >7,5% vor (p= 0,023). Diese
beiden Zusammenhänge konnten durch die Erstellung einer logistischen Regressionsanalyse
bestätigt werden. 17 der 34 Patienten mit positivem MRSA-Nachweis wurden einer
fünftägigen stationären Sanierung unterzogen. Bei persistierendem Nachweis in der Wunde
war die Sanierung der Nase in 60% (n=9) und der Haut in 66,7% (n=8) der Fälle erfolgreich.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend sind eine häufige Hospitalisierung und die ambulante/stationäre Pflege als
Risikofaktor für eine MRSA-Besiedelung anzusehen. Diese scheint sich, ebenso wie ein
HbA1c >7,5%, nachteilig auf die Wundheilung bei Patienten mit Diabetischem Fuß Syndrom
auszuwirken. Obwohl die Sanierung der Wunden bei keinem Patienten erfolgreich war,
könnte ein Sanierungsversuch hinsichtlich der Erfolge bei Haut und Nase und der Reduktion
der Übertragungsrate dennoch als sinnvoll bewertet werden. Fraglich ist, wie lange der Status
einer solchen Teilbesiedelung aufrechterhalten werden kann.
Kurzfassung auf Englisch: Introduction
The diabetic foot syndrome (DFS) is one of the most frequent subsequent illnesses with
diabetes mellitus; approximately one quarter of those living in Germany with diabetes suffer
in the course of their life with DFS.
According to observations you can find accumulation of the colonization or infection with
MRSA with diabetics having chronical wounds especially with DFS.
In the present studie factors of influence on the MRSA-colonication-state and its influence on
wound healing were examinet, as well as the rate of proven eradication in diabetic patients
with diabetic foot syndrome in a special clinic for diabetes in Germany were examinet.
Methods
In the time of July 2006 until November 2007, patients who has been in inpatient and
outpatient treatment in a special clinic for diabetes were enclosed in the study. All patients
had fallen ill with diabetes mellitus and suffered from DFS. In the MRSA-group it was proved
a MRSA-colonication in foot ulcer, skin or nose, the control group was free from MRSA. The
data gathering (focus: risk-factors, general condition, wound-treatment, diabetes setting,
MRSA) followed inpatient or outpatient treatment through a personal interview with the help
of a questionnaire, during a period of six month.
Results
Alltogether there were 110 patients in the study, thereof 34 in the MRSA-group and 76 in the
control group. The distribution of age, gender and classification of the general condition to
Nortonskala was homogeneous in both groups. The part of patients with frequent
hospitalisations (>2 in 12 months) was significant higher in the MRSA-group (n=21, 61,8%)
than in the control group (n=22, 28,9%, p=0,002). The part of patients accommodated
in a rest-home or ambulatory nursing amounted 12 (35,5%) in the MRSA group and 10
(13,2%) in the control group (p=0,01). Most frequent MRSA was isolated from the foot
wound (n=30; 93,8%) followed by the nose (n=20; 62,5%) and the skin (n=15; 46,9%).
During the follow up for six month a reduction of the area of the foot wounds in mm² was
noticed at 66 (83,5%) patients. This was the case with 15 (68,2%) patients in the MRSA
group and 51 (89,5%) in the control group (p=0,039). With 48 from 58 (82,2%) patients with
those it came in the course of the outpatient treatment to a reduction of the wounds, was a
HbA1c >7.5% and with 10 (17,2%) patients a HbA1c >7,5% (p=0,023). It was possible to
confirm these both connections with a logistic regression. 17 of 34 patients with positive
MRSA carriage were submitted to a 5-day inpatient decolonization. With persistent carriage
in the wound a successful decolonization was in 9 (60%) cases in the nose and 8 (66,7%)
cases on the skin possible.
Conclusion
In conclusion a frequent hospitalisation and accommodation in a rest-home or ambulatory
nursing are riskfactors for MRSA-colonication. Which seems to affect adversely on the
wound healing with patients having DFS, just as a HbA1c >7.5%. Although the
decolonization of the wound was not successful in any examinated case of this study, a
decolonization attempt could probably be evaluated as meaningful regarding success with
nose and skin and the reduction of the transference rate. But it is questionable how long the
status of partial colonication can be maintained.
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