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Der Einfluss von regenerativen Therapien auf die Heilung des Musculus interosseus medius beim Pferd : Eine kontrollierte prospektive klinische und sonographische Studie

Banse, Melanie


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (19.466 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-82187
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8218/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Veterinär-Anatomie, -Histologie, -Embryologie; Institut für Rechtsmedizin des Fachbereiches Humanmedizin des Universitätsklinikums Hamburg – Eppendorf
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5777-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.06.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 01.07.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden kontrollierten Studie war es, das Heilungsverhalten des M. interosseus medius des Pferdes unter dem Einfluss von equinen MSC sowie PRP klinisch und ultrasonographisch zu untersuchen und anhand einer Kontrollgruppe zu vergleichen. Ein weiterer Gegenstand der Untersuchung war es, die klinische Möglichkeit der Übertragung von allogenen MSC beim Pferd festzustellen. Die Verwendung von allogenen MSC könnte zu einer zeitnahen und risikoärmeren Behandlung von Sehnenschäden beim Pferd führen.
In der vorliegenden Studie wurden insgesamt 30 Pferde mit einer vordiagnostizierten Desmitis des Musculus interosseus klinisch sowie ultrasonographisch standardisiert untersucht. Die Pferdegruppe wurde randomisiert und auf diese Weise in 3 Behandlungsgruppen à 10 Pferden aufgeteilt. Die Pferde der Gruppe A wurden mit einem Placebo behandelt und dienten als Kontrollgruppe. Die Pferde der Gruppe B wurden mit Platelet Rich Plasma (PRP) behandelt. Das hergestellte autologe Thrombozytenkonzentrat aus dem entnommenen Pferdeblut wurde unter sterilen Bedingungen in die Läsionen in den Fesselträger injiziert. Zur Behandlung der Pferde der Gruppe C wurden adulte, allogene MSC verwendet. Diese wurden aus einem Sternumaspirat eines gesunden jungen Pferdes gewonnen. Im Labor des KMT im UKE Hamburg wurde das equine Knochenmark weiter verarbeitet und über mehrere Stufen passagiert. Die Zellen der Passagestufe p2 wurden in flüssigem Stickstoff bei -196° C gelagert. Bei Bedarf wurden die kryokonservierten MSC 4-5 Tage vor der anstehenden Behandlung aufgetaut und aufbereitet. Dem zu behandelnden Pferd der Verum-Gruppe C wurden, unter Beachtung der sterilen Maßnahmen, 10 Millionen Zellen in die Läsion in den Fesselträger injiziert. Für jedes Pferd wurde ein Bewegungsplan entsprechend dem Grad und dem Alter der Verletzung erstellt. Im Abstand von 6 Wochen wurden die Pferde zwei Mal zur Nachkontrolle vorgestellt. Im Rahmen dieser Kontrolluntersuchungen wurden die Pferde standardisiert klinisch und ultrasonographisch untersucht. 6 Monate nach der ersten Untersuchung fand die Evaluation des Heilungsverlaufes mit Hilfe eines Fragebogens statt.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigten klinische und ultrasonographische Verbesserung in allen Behandlungsgruppen. So trat in der Placebogruppe ebenfalls eine deutliche klinische und ultrasonographische Besserung auf. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Diese Beobachtungen schließen nicht aus, dass die Verwendung von regenerativen Techniken zu einer natürlichen Regeneration des geschädigten Gewebes führen und die Bildung von weniger belastbarem Ersatzgewebe möglicherweise vermieden werden kann. Die Ergebnisse dieser Studie wären bei akuten Fällen möglicherweise anders ausgefallen und verdeutlichen die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen. Andererseits zeigen sie, dass die Bedeutung und der Einfluss eines kontrollierten Bewegungsaufbauprogrammes nicht unterschätzt werden darf. So ist ein solches Aufbauprogramm die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung von Rezidiven.
Aus rein immunologischer Sicht hingegen scheint eine Behandlung mit allogenen MSC möglich zu sein. In der hier vorliegenden Pferdegruppe konnten klinisch keine erkennbaren Abwehrreaktionen auf die allogenen MSC erfasst werden.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse dieser Studie aber auch, dass über den Einsatz von regenerativen Therapiemaßnahmen beim Pferd noch großer Untersuchungsbedarf besteht. Die in der Literatur beschriebene Verwendung dieser Therapien blieb oft ohne den gewünschten Effekt. Hier steht vor allem auch die Struktur des M. interosseus medius im Mittelpunkt des Interesses. Über seinen Aufbau und seine Ultrastruktur ist noch viel zu wenig bekannt. Diese Informationen sind für eine optimal abgestimmte Therapie notwendig.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this controlled study was to clinically and sonographically examine the influence of equine MSC and PRP on the healing process of equine suspensory ligaments. Allogeneic MSC were used for this research, therefore the clinical applicability of this product could be studied. The use of allogeneic MSC should lead to an early and less risky treatment concerning horses ligament injuries.
30 horses with pre-diagnosed suspensory ligament desmitis were included and clinically and ultrasonographically examined according to a standard protocol. The group of the horses was blinded randomized and divided into 3 groups à 10 horses. The horses of group A were treated with a placebo and served as control group. The horses of group B were treated with PRP. The autologous platelet concentrate was injected intralesional under sterile conditions into the suspensory ligament. For the treatment of group C allogeneic MSC were used. They were isolated from a bone marrow aspirate of a healthy young horse. In the laboratory of the KMT of UKE Hamburg the equine bone marrow of the sternum was processed and passaged above several labels. The cells of stage P2 were stored in liquid nitrogen at a temperature of -196°C. If required the cryopreserved MSC were thawed and prepared 4-5 days before the treatment. The horses of verum-group C got an injection of 10 million cells into the ligament under consideration of sterile conditions. A controlled exercise program was worked out for each horse due to the duration and severity of its injury. At intervals of 6 weeks the horses were twice clinically and ultrasonographically examined. 6 months after the first examination the evaluation of the healing process took place by means of a questionnaire.
The results of this investigation indicated a clinical and ultrasonographically improvement in all groups. Even in the placebo-group there was a significant clinically and ultrasonographically improvement. There was no significant difference between the groups. These results do not exclude that the use of regenerative techniques leads to a natural regeneration of the injured cellular tissue and the formation of less burden substitute scar tissue can be avoided. The results of these studies could be different in case of acute injuries and show the necessity of further examination. Nevertheless they show that the meaning and influence of a controlled exercise program should not be underestimated and that such a program is the most important measure to avoid a recurrence.
The treatment with allogeneic MSC seems to be possible. In this study-group no significant defensive reaction concerning the allogeneic MSC could be noted.
All results of this study indicate that there is an enormous need of examination concerning regenerative therapies in the horse. The use of regenerative therapies as described in the literature may often be without the desired effect. Especially the structure of the suspensory ligament stands in the focus of interest. There is not enough information about its conditions and ultra-structure. These informations are necessary for an optimum therapy.
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