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Einsatz von Deslorelin beim männlichen Kaninchen sowie Versuche zur Quetschung des Samenstranges zur Ausschaltung der Hodenfunktion

Schützenhofer, Gesa Stephanie


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (6.083 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-82135
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8213/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5769-5
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 31.05.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 01.07.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Die Unterbindung der Fortpflanzung ist beim männlichen Kaninchen auf die chirurgische Entfernung der Gonaden beschränkt. In Abhängigkeit vom Gesundheitszustand des Tieres ist diese Operation jedoch mit einem hohen Narkoserisiko verbunden. Weiterhin kann es zum Auftreten von postoperativen Komplikationen, wie zum Beispiel Wundheilungsstörungen, kommen. Die Frage nach einer Alternative zur chirurgischen Kastration ist aus diesem Grund aktuell.
Beim Wiederkäuer ist die unblutige Kastration von männlichen Jungtieren durch Abquetschen der Samenstränge und der hodenversorgenden Gefäße und Nerven eine etablierte Methode zur Unterdrückung der Fortpflanzungsfunktion. Neuere Untersuchungen am Rüden zeigten, dass diese Technik auch für diese Tierart ohne Probleme eingesetzt werden kann.
Eine weitere Alternative zur der chirurgischen Kastration bietet die reversible Downregulation der hypophysären GnRH-Rezeptoren durch Verabreichung eines GnRH-Langzeitpräparates und die dadurch verursachte Hemmung der LH- und FSH-Freisetzung. Die hormonelle Ausschaltung durch Downregulation der Hodenfunktion ist für den Rüden zugelassen und hat sich in der Praxis auch bei anderen Tierarten, wie zum Beispiel Frettchen, Katzen und Schweinen, bewährt.
Den eigenen Untersuchungen lag die Fragestellung zugrunde, eine unblutige Kastrationsmethode beim männlichen Kaninchen zu entwickeln, die auf dem Prinzip der Unterbrechung der Blutzufuhr der Testes beruht und die Möglichkeit zu testen, die operative Kastration durch die Gabe eines GnRH-Depotpräparates zu ersetzen.

Hierzu wurden 35 männliche Kaninchen unterschiedlicher Rassen mit einem Alter von 4,8 Monaten in fünf Gruppen mit unterschiedlichen Behandlungen gelost. Die Gruppen 1 und 4 bestand aus zehn Tieren, in den Gruppen 2 und 3 befanden sich jeweils vier Tiere. Die Gruppe 5 bestand aus sieben Kaninchen. In den Gruppen 1, 2 und 3 wurden, orientierend an der Kastrationsmethode nach Burdizzo, die Samenstränge und die zu- und abführenden Gefäße mit verschiedenen chirurgischen Instrumenten (Arterienklemme nach Pean- Gruppe 1 und 3, Darmklemme nach Doyen- Gruppe 2), an Tag 1 abgeklemmt. In den Gruppen 1 und 2 wurden die Instrumente jeweils für drei Minuten auf dem Samenstrang belassen, in Gruppe 3 wurden für den Abklemmvorgang zehn Minuten angesetzt. Gruppe 4 bestand aus zehn Tieren, denen am Tag 1 ein slow-release GnRH-Agonist Implantat (Suprelorin, 4,7 mg Deslorelinacetat pro Implantat, Firma Virbac, Bad Oldesloe) zwischen den Schulterblättern unter die Haut eingesetzt wurde. Die Tiere der Gruppe 5 dienten als Kontrollgruppe und wurden an Tag 1 bedeckt kastriert.
In den folgenden sieben Tagen, an Tag 14 und an Tag 90 nach der Behandlung, wurden die Kaninchen klinisch allgemein und speziell andrologisch untersucht. Ebenfalls wurde bei allen Tieren eine Blutprobe an Tag 1 vor und an Tag 90 nach der Behandlung zur Bestimmung der Testosteronkonzentration entnommen. Nach Ablauf der Untersuchung wurden die Tiere der Gruppen 1, 2, 3 und 4 an Tag 90 chirurgisch kastriert und die Hoden histologisch untersucht.
Die statistische Auswertung der gewonnenen Daten erfolgte mit dem Statistikprogramm BMDP/ Dynamic Release 8.1 (Statistical Solutions Ltd., Irland).

Folgende relevante Ergebnisse konnten erhoben werden:
• In jeder Gruppe wurde eine signifikant positive Gewichtsentwicklung über die Zeit dokumentiert (p< 0,0001). Die Tiere in den Gruppen 1 (nach Quetschung) und 4 (nach Implantation) waren signifikant schwerer als die Tiere in den restlichen Gruppen (p = 0,046).
• Die rektale Körperinnentemperatur lag bei allen Gruppen an allen Untersuchungszeitpunkten im physiologischen Bereich, es konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden (p = 0,26). Auffällig war eine signifikante Zunahme der Körperinnentemperatur an Tag 90 (p < 0,0001).
• Die Untersuchung des Haarkleides und der Hautoberfläche der Hoden der Gruppen 1, 2 und 3 (nach Quetschung) ergab verschiedene Veränderungen im Bereich der Quetschstelle (Ödeme, Läsionen, Schorf- und Krustenbildung sowie Granulationsgewebsbildung).
• Die Hoden der Kaninchen wiesen zu allen Untersuchungszeitpunkten eine physiologische, spindelförmige Form auf. Die Länge des linken und des rechten Hodens nahm über den Untersuchungszeitraum signifikant zu (p jeweils < 0,0001), wohingegen die Breite keine signifikanten Unterschiede im Untersuchungszeitraum zeigte (linker Hoden p = 0,35; rechter Hoden p = 0,14).
Zwischen den einzelnen Gruppen konnten bei der Betrachtung der oben genannten Parameter keine signifikanten Unterschiede dokumentiert werden (links: p = 0,12; p = 0,35; rechts: p = 0,13; p = 0,76).
Die mittlere Hodenfläche und das mittlere Hodenvolumen des linken und des rechten Hodens nahmen über den Untersuchungszeitraum hoch signifikant zu (links und rechts jeweils p < 0,0001; p < 0,0001).
• Die mittlere Testosteronkonzentration unterschied sich hoch signifikant zwischen den Gruppen 1 – 4 und der Gruppe 5 (p = 0,0002). Es konnte kein signifikanter Unterschied der mittleren Testosteronkonzentrationen der Gruppen 1 – 4 bezogen auf die Zeit detektiert werden (p = 0,07).
• Es konnte keine signifikante Korrelation zwischen der mittleren Testosteronkonzentration im Blut an den Tagen 1 und 90 und der mittleren Hodengröße gefunden werden (r = -0,224; p = 0,25).
• Die histologisch-morphologische Auswertung der Hodenpräparate der Kaninchen in den Gruppen 1 – 4 ergab im direkten Vergleich mit den Präparaten der Gruppe 5 (Kontrollgruppe) eine ungestörte Spermatogenese. In Hoden und Nebenhoden konnten Spermatozoen nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse dieser experimentellen Untersuchungen konnten zeigen, dass sich weder die mechanische Unterbindung der Blutzufuhr des Hoden durch Quetschung, noch die hormonelle Unterdrückung der Fortpflanzung durch das slow-release GnRH Implantat Suprelorin® als Alternative zur chirurgischen Kastration beim männlichen Kaninchen eignen.
Kurzfassung auf Englisch: Preventing reproduction in the male rabbit is limited to surgical removal of the gonads. Depending on the health status of the animal, this operation is associated with high anesthetic risks. Furthermore, the occurrence of post operative complications, such as wound healing problems, can occur.
Concerning young male ruminants the bloodless castration by squeezing the spermatic cord including the testicular vessels and supplying nerves is an established method of suppression of reproduction functions. Recent studies in male dogs showed that this technique can also be used without any problems.
Another alternative to surgical castration is given in the reversible down-regulation of pituitary GnRH receptors by the administration of a GnRH slow-release implant, which results in inhibition of LH and FSH release. The hormonal suppression by the down-regulation of testicular function is approved for dogs and has been proved to be save in other animal species, such as ferrets, cats and pigs.
The aim of this research was to test a bloodless method of castration in male rabbits, based on the principle of interruption of the blood supply of the testes. Furthermore we wanted to test the possibility of replacing surgical castration by the administration of a GnRH depot preparation.

For this purpose, 35 male rabbits of different breeds with an age of 4.8 months were randomly allocated into five groups with different treatments. Group 1 and 4 consisted of ten animals, in group 2 and 3 there were four animals. Group 5 consisted of seven animals. According to Burdizzo, in group 1, 2 and 3 the spermatic cord, including all supplying vessels, was crushed by using different instruments (Hemostat according to Pean- group 1 and 3, Intestinal Clamp according to Doyen- group 2) on the first day. In group 1 and 2, each instrument was left on the spermatic cord for three minutes. In group 3 the crushing was done for ten minutes in sets. Group 4 consisted of ten animals, which received a slow-release GnRH agonist implant (Suprelorin, 4.7 mg Deslorelinacetat per Implantat, Virbac®, Bad Oldesloe) between the shoulder blades under the skin. The animals in group 5 served as controls and were castrated on the first day.
During the following seven days, on day 14 and day 90 after treatment, the rabbits were clinically generally and andrologically examined. Also, a blood sample was collected from all animals on day 1 and day 90 after treatment to ascertain the concentration of testosterone. At the end of the study the animals of group 1, 2, 3 and 4 were surgically castrated on day 90 and their testes were histologically examined.
The statistical analysis of the data was performed by using the statistical program BMDP/ Dynamic Release 8.1 (Statistical Solutions Ltd., Ireland).

The following relevant results were found:
• In each group a significant positive weight gain over the time was documented (p < 0.0001). The animals in group 1 (after crushing the spermatic cord) and 4 (after implantation) became significantly heavier than the animals of the other groups (p = 0.046).
• The rectal body temperature was in physiological range in all groups at all times, no significant differences could be detected between the groups (p = 0.26). Noticeable was a significant increase in body temperature on day 90 (p < 0.0001).
• The investigation of the coat and skin surface of the testes of groups 1, 2 and 3 (after crushing the spermatic cord) showed different changes at the area of crushing (edema, lesions, scabs and crusts, granulation tissue).
• At all times, the testes of the rabbits were shaped physiologically. The lengths of the left and right testicles increased significantly over the study period (each p < 0.0001), whereas the widths showed no significant differences during the research (left testicle p = 0.35; right testicle p = 0.14). In between the groups, no significant differences were documented in consideration of the two parameters mentioned above (left: p = 0.12; p = 0.35; right: p = 0.13; p = 0.76). The mean testicular area and the mean testicular volume of the left and right testicle increased significantly over the period of study (each p < 0.0001).
• The average testosterone concentration differed significantly between group 1 – 4 and group 5 (p = 0.0002). Based on the time, no significant difference in the mean testosterone concentrations of groups 1 – 4 could be detected (p = 0.07).
• No significant correlation between the average testosterone concentration on day 1 and day 90 and the mean testicular size could be found (r = -0,224; p = 0.25).
• The direct comparison of the histological-morphological analysis of the testes preparations of the rabbits in group 1 – 4 and the specimen in group 5 revealed an undisturbed spermatogenesis. In all of the testes and epididymis spermatozoa could be detected.

In conclusion, the results of this experimental study show that neither the mechanical elimination of the blood supply in the testes by crushing the spermatic cord, nor the hormonal suppression of reproductive function by using the slow-release GnRH agonist implant Suprelorin® can be used as an alternative to surgical castration in the male rabbit.
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