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Die Bedeutung der Mutter-Kind-Interaktion im Säuglingsalter für die kognitive Entwicklung im frühen Kindesalter

Mother-child Interaction and Cognitive Development from Infancy to Childhood

Schneider, Annette


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-82022
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8202/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Mutter-Kind-Interaktion , Kognitive Entwicklung , Frühe Kindheit , Mütterliche Sensitivität , Mütterliche Depressivität
Freie Schlagwörter (Englisch): Mother-child Interaction , Cognitive Development , Infancy , Sensitivity , Mother Depression
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Medizinische Psychologie
Fachgebiet: Medizin fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.10.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 30.06.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie relevant die frühe Mutter-Kind-Interaktion für die kognitive Entwicklung vom Säuglings- bis zum Kleinkindalter ist. Die Literaturrecherche ergab, dass die mütterliche Variabilität und Reaktivität bzw. die mütterliche Steuerung, der negative Affektausdruck und die Reaktivität des Kindes als besonders entwicklungsförderlich angenommen werden können. Sowohl mütterliche als auch kindliche Interaktionsmerkmale wurden jedoch bisher selten in einer Studie gemeinsam untersucht. Ebenso gibt es nur wenige Studien, die zusätzlich Moderatorvariablen einbezogen haben. Hier wurden frühkindliche Temperamentsmerkmale, das Geschlecht des Kindes und die mütterliche Neigung zur Depressivität / Ängstlichkeit berücksichtigt.

Längsschnittlich untersucht wurden in der vorliegenden Studie 64 gesunde, unauffällige Mutter-Kind-Paare im Alter der Kinder von vier, acht, zwölf und 30 Monaten. Pro Erhebungszeitpunkt fanden drei Untersuchungstermine statt. Es fanden zwei Hausbesuche am Vor- bzw. Nachmittag statt, an denen u. a. die Verhaltensbeobachtungen durch unabhängige Rater in Anlehnung an die Mannheimer Beobachtungsskalen zur Analyse der Mutter-Kind-Interaktion durchgeführt wurden. Beim Labortermin wurde außerdem der kognitive Entwicklungsstand des Säuglings bzw. Kleinkindes anhand der Bayley Mental Scale erhoben. Die der Studie zugrunde liegenden Daten wurden im Rahmen der Längsschnittstudie „Untersuchung zum Konstrukt des frühkindlichen Temperaments in der Säuglingszeit“ unter Leitung von Frau PD Dr. Pauli-Pott und Herrn Prof. Dr. Beckmann erhoben.

Die Frage, welche Mutter-Kind-Interaktionsmerkmale für die kognitive-sprachliche Entwicklung bis ins Kleinkindalter besonders bedeutsam sind, muss für die verschiedenen Interaktionsmerkmale differenziert beantwortet werden. Signifikant positive Zusammenhänge fanden sich für die kindliche Reaktivität und Kontingenz sowie für den frühen negativen Affektausdruck des Säuglings. Von den mütterlichen Interaktionsvariablen korrelierte das mütterliche Steuerungsverhalten signifikant positiv mit dem 30-monatigen kognitivsprachlichen Entwicklungsstand. Signifikant negative Zusammenhänge fanden sich zwischen
der negativen Gestimmtheit des 30 Monate alten Kindes und seiner sprachgebundenen kognitiven Entwicklung.

Die Veränderung des kognitiven Entwicklungsstandes vom Säuglings- zum Kleinkindalter ließ sich über das Interaktionsmerkmal negativer Affektausdruck des viermonatigen Säuglings und tendenziell über die zwölfmonatige Reaktivität des Kindes vorhersagen.

Mädchen erreichten (tendenziell) höhere kognitiv-sprachliche Entwicklungsindizes als Jungen und profitierten besonders von einem einfühlsamen, ihre Signale positiv beantwortenden mütterlichen Verhalten. Die Jungen profitierten demgegenüber von einem abwechslungsreichen und variabel gestalteten mütterlichen Verhalten.

Selten positiv gestimmte Säuglinge profitierten in ihrer kognitiven Entwicklung besonders von einem abwechslungsreichen und einfühlsamen mütterlichen Verhalten und selten negativ gestimmte Säuglinge profitierten besonders von einem kontingenten, die Verhaltensweisen des Kindes angemessen beantwortenden mütterlichen Verhalten.

Von den Interaktionseffekten konnte die viermonatige mütterliche Variabilität zusammen mit dem Geschlecht des Kindes, aber auch zusammen mit dem frühkindlichen Temperamentsmerkmal positive Emotionalität, den Verlauf der kognitiven Entwicklung bis ins Kleinkindalter prognostizieren.

Die im Alter von 30 Monaten erfasste mütterliche Depressivität / Ängstlichkeit zeigte sich tendenziell negativ mit dem kognitiven Entwicklungsstand des Kindes im Alter von 30 Monaten assoziiert. Signifikant negative Zusammenhänge zeigten sich für den sprachgebundenen kognitiven Entwicklungsstand des 30 Monate alten Kindes. Die Ergebnisse zeigen, dass es nicht ein bestimmtes Interaktionsmerkmal gibt, welches für die frühe kognitiv-sprachliche Entwicklung wichtig ist, sondern dass zu verschiedenen Zeitpunkten ganz unterschiedliche Mutter-Kind-Interaktionsmerkmale bedeutsam werden. Die Bedeutsamkeit der Mutter-Kind-Interaktionsmerkmale für die kognitiv-sprachliche Entwicklung wird außerdem von weiteren Variablen, wie z.B. dem Geschlecht und Temperament des Kindes, mitbestimmt.
Kurzfassung auf Englisch: The current study investigates whether the early mother-child-interaction can predict the cognitive-linguistic development of 30 month old toddlers. As early predictors the variability and sensitivity of the mother, the negative affect of the infant and infant reactivity were comprised. Furthermore the early child temperament, child sex and the liability for depression of the mother have been included as moderators.

The present study was part of the longitudinal study “Untersuchung zum Konstrukt des frühkindlichen Temperaments in der Säuglingszeit” from PD Dr. Pauli-Pott and Prof. Dr. Beckmann. The study group consisted of 64 healthy first born infants and their primary caregivers. At the ages of 4, 8, 12 and 30 months the study variables were assessed by naturalistic behavioural observations of the caregiver-infant interaction, and by observations of laboratory routines. The behavioural observations followed the „Mannheimer Beobachtungsskalen zur Erfassung der Mutter-Kind-Interaktion im Säuglings- bzw. Kleinkindalter“ (vgl. Esser et al., 1989; Dinter-Jörg et al., 1997). The cognitive-linguistic development was assessed via the “Bayley Scales of Infant Development” (Bayley, 1969,
1993).

The results show that at different points in time different predictors became relevant. For example the negative affect of the four month olds and the child reactivity show positive correlations with the cognitive-linguistic development of the 30 month olds. Besides that these variables could predict the Mental Development Index of the 30 month olds under control of the former cognitive developmental status. From the investigated interaction variables of the mother, her performance to control the behaviour of her child in an appropriate manner, show positive correlations with the criterion.

Furthermore child sex and early child temperament moderated the correlation between early mother-child-interaction and the cognitive-linguistic development of the toddlers. Mother Depression correlated negative with the cognitive-linguistic developmental status of the 30 month olds and in tendency with the Mental Development Index of the toddlers also.

Against the background of a healthy and well educated mother-child-sample, the current results can be considered as satisfactory.
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