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Epidemiologische Studie zum Nachweis ausgewählter Mykobakterien-Spezies bei Wildschweinen in Deutschland

Capellmann, Christoph


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.885 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-81739
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8173/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Wiederkäuer und Schweine, Professur für Schweinekrankheiten
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5754-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.04.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 15.06.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Mykobakterien (M.) sind die Verursacher der Mykobakteriosen und Tuberkulosen bei Mensch und Tier. Ausbrüche der Paratuberkulose und Tuberkulose können große wirtschaftliche Verluste verursachen. Mykobakterien haben ein breites Wirtsspektrum und sind auch auf den Menschen übertragbar. In den letzten Jahren sind zusehends Mykobakterien bei immundefizienten Patienten nachgewiesen worden. In den Industrieländern gilt die Rindertuberkulose überwiegend als getilgt. Dennoch tritt die Rindertuberkulose immer wieder sporadisch auf. Oftmals werden damit Wildtiere in Verbindung gebracht. Das Wildschwein ist eine Wildart, in deren Population in den letzten Jahrzehnten ein enormer Populationszuwachs stattgefunden hat. Diese Arbeit verfolgt das Ziel Wildschweine in Deutschland auf das Vorkommen ausgewählter Mykobakterienspezies zu untersuchen.

Die Mesenteriallymphknoten von 428 Wildschweinen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands wurden auf Spezies des Mycobacterium avium complex (MAC) und des Mycobacterium tuberculosis complex (MTC) mittels PCR untersucht. Dazu wurden verschiedenste Primerpaare, die entweder bereits in der Literatur beschrieben waren oder selbst konstruiert wurden, auf Spezifität und auf deren analytische Sensitivität getestet.

18% der untersuchten Tiere waren zum Zeitpunkt der Untersuchung mit dem MTC infiziert. 2,8% konnten als Träger von M. tuberculosis identifiziert werden. Jeweils bei 1,2% der erlegten Wildschweine wurde M. bovis/BCG und M. africanum/microti/pinnipedii/caprae nachgewiesen. 0,2% der Probanden wurden PCR-positiv auf Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis getestet. Hinsichtlich der Prävalenzen konnten signifikante Unterschiede zwischen den in den verschiedenen Bundesländern gelegenen Revieren aufgezeigt werden. Anhand der statistischen Auswertung konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen MTC-Nachweis und Lebensalter oder Körpergewicht festgestellt werden. Die Wildschweine zeigten keine klinische Erkrankung. Sie wurden vielmehr als reine Träger von MTC identifiziert. Erstmalig wurde in der deutschen Wildschweinepopulation M. tuberculosis nachgewiesen. Dagegen wurden Spezies des MAC molekularbiologisch deutlich seltener, nämlich M. avium ssp. paratuberculosis in nur 0,2% der Fälle und M. avium ssp. avium/hominissuis gar nicht detektiert.

Diese Studie liefert erstmals flächendeckende Ergebnisse zum Auftreten einzelner Mykobakterienspezies bei Wildschweinen in Deutschland. Die eingesetzten PCR-Systeme zeigten sich für epidemiologische Studien als zeitsparende und sinnvolle Alternative zur kulturellen Anzucht. So kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass Wildschweine viel öfter als bisher angenommen mit M. tuberculosis infiziert sind, während die Prävalenz von MAP auf einem sehr niedrigen Niveau liegt. Allerdings erlaubt die Untersuchung anhand der einbezogenen Tierzahlen noch keine Aussage darüber, welche epidemiologische Rolle das Wildschwein hinsichtlich der Verbreitung von Mykobakterien insgesamt einnimmt.
Kurzfassung auf Englisch: Mycobacteria (M.) are the initiators of mycobacterial infections and tubers in humans and animals. Outbreaks of paratuberculosis and tuberculosis may cause major economic losses. Mycobacteria have a broad host range and may also occasionally infect humans. Within the last few years, the number of mycobacteria in patients with immunodeficiency is becoming noticeable. In industrialized countries the bovine tuberculosis shall be deemed to be deleted. Nevertheless the bovine tuberculosis occurs sporadically. Often wild animals are associated in this case. The wild boar is a species, of which there was a population explosion during the last decades. This thesis is dedicated to investigate wild boars on the occurrence of selected species of mycobacteria in Germany.

The mesenteric lymphnodes of 428 wild boars from the most diverse regions of Germany have been screened on species of the Mycobacterium avium complex (MAC) and the Mycobacterium tuberculosis complex (MTC) by using the method of PCR. For this purpose, various primer pairs, either already described in the literature or custom-designed, were tested for specificity and analytical sensitivity.

At the time of the investigation in 18% of the sampled animals DNA of the MTC was detected. 2.8% of these wild boars were identified as carriers for M. tuberculosis. 1.2% as carriers with each M. bovis/BCG and M. africanum/microti/pinnipedii/caprae. 0.2% of the individuals were tested PCR-positive for Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis. Results differed significantly between the prevalences in the districts of the different provinces. The results of the statistical evaluation did not show any significant correlation between the presence of MTC-DNA and the age or body weight. None of the wild boars showed any clinically disease. They were however identified as carriers of MTC. M. tuberculosis in German wild boar populations has been proven for the first time. However, using the method of molecular biology, species of the MAC were detected at low frequencies. In particular, M. avium ssp. paratuberculosis was detected in 0.2% of the cases and M. avium ssp. avium/hominissuis was not detected at all.

This study provides the first nation-wide results regarding the occurrence of single mycobacteria species among wild boars in Germany. The PCR-systems used for the present epidemiological study, appeared to be a time-saving and reasonable alternative for cultivation. It can be concluded that M. tuberculosis infected wild boars occur more often than previously assumed, while the prevalence of MAP is on a very low level. Because of the relatively low numbers of individuals included in the present study, a clear conclusion towards the overall epidemiological role of wild boars as a reservoir for mycobacteria can not terminatory be concluded.
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