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Soziale Integration hilfebedürftiger Menschen in landwirtschaftlichen Einrichtungen : Empirische Fallstudien und kommunikationstheoretische Reflexionen

Metten, Andreas


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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-81410
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8141/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Soziale Integration , hilfebedürftige Menschen , landwirtschaftliche Einrichtungen
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Beratungswesen und Agrarsoziologie
Fachgebiet: Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 03.02.2011
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 19.05.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Wieweit funktioniert die sozialstaatliche und gesellschaftliche Verantwortung unter dem Aspekt einer landwirtschaftlich-heimatlichen Fürsorge gegenüber den schwachen und hilfebedürftigen Menschen in einer funktional differenzierten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts?

Die Arbeit untersucht drei soziale Lebensgemeinschaften: Einen traditionellen Familienbetrieb, eine innovative Selbsthilfegemeinschaft Drogenabhängiger und eine klassische Werkstatt für Menschen mit einer Behinderung, die in ihren einmaligen Lebenswelten hilfebedürftigen Menschen in landwirtschaftliche Tätigkeitsbereiche einbinden.

Im Verständnis konstruktivistischen Denkens wurde die soziale Wirklichkeit dieser drei Lebensgemeinschaften qualitativ mit der Methode des narrativen Interviews erforscht. Als Grundlage der Empirie geben 434 transkribierte Seiten aus 28 narrativen Interviews Auskunft über die biografischen Hintergründe der Hofbewohner.

Die These dieser Arbeit lautet, dass landwirtschaftliche Einrichtungen sich mit ihren lebensweltlichen Ressourcen in einem besonderen Maße dazu eignen, ein sinnvolles Angebot zur Sozialintegration zu gewährleisten.

Aus theoretischer Perspektive zeigt die Arbeit eine Ambivalenz zwischen der Verwaltung (funktionale Teilsysteme) und der Beheimatung (Lebenswelt) von hilfebedürftigen Menschen auf. Die Theorien von Niklas Luhmann (Systemtheorie) und Jürgen Habermas (Theorie des kommunikativen Handelns) boten im Zusammenhang mit den empirisch gewonnenen Ergebnissen dieser Arbeit eine Grundlage zur kontroversen Diskussion, der Frage nach, ob die Lebenswelten der untersuchten Hofgemeinschaften durch systemische Einflüsse (Recht, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik) kolonisiert oder rationalisiert, im Sinne einer Vernünftigwerdung, beeinflusst werden.

Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen zum einen eine Kolonisierung und Bedrohung durch das Rechts- und das Wissenschaftssystem und zum anderen eine Rationalisierung bzw. Gesundung und Heilung der Lebenswelt durch das Wirtschafts- und Politiksystem auf.

Schlussfolgernd erläutert die Dissertation inwieweit sich die Lebensgemeinschaften der landwirtschaftlichen Einrichtungen als Orte der Lebenswelt in besonderem Maße eignen sowie sie sich vor dem Hintergrund der Symptome einer Kolonisierung undeiner Finanzierungsknappheit im Sozialstaat etablieren können und inwieweit dies eine Chance für landwirtschaftliche Familienbetriebe darstellen kann.
Kurzfassung auf Englisch: How far does the responsibility of the welfare state and of society function with respect to an agricultural home-based provision of care for people with special needs in a functionally differentiated society of the 21st century?
The dissertation examines three social communities: a traditional family farming business, an innovative self-help group of drug dependent people and a classical workshop for disabled people, which integrate people with special needs into agricultural occupations in their particular lifeworld.
In the light of constructivist thinking, the social reality of these three communities was qualitatively explored using the method of narrative interview. The empirical basis consists of 434 transcribed pages from 28 narrative interviews, which provide information on the biographical background of the participants.
The thesis of this dissertation is that agricultural facilities, with the resources of their particular lifeworld, are especially suited to presenting a meaningful opportunity for social integration.
From a theoretical perspective, this work demonstrates an ambivalence between the administration of these people with special needs (functional subsystem) and the provision of a home (lifeworld). The theories of Niklas Luhmann (systems theory) and Jürgen Habermas (theory of communicative action) in conjunction with the empirically based findings of this dissertation presented the basis for controversial discussion of the question whether the lifeworlds of the agricultural communities are affected by the systemic influences (law, science, economics and politics), colonised or rationalised, in the sense of becoming reasonable.
The findings of this work show, on the one hand, a colonisation and threat from the scientific and the legal system and, on the other hand, a rationalisation or alternatively, recovery and healing of the lifeworld through the economic and political systems.
Thus, in conclusion, the dissertation illustrates to what extent the communities in the agricultural facilities are especially suited as places in the lifeworld and are able to establish themselves against a background of symptoms of a colonisation and shortage of funding in the welfare state and to what extent this can represent an opportunity for agricultural family businesses.