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Evaluation der Hämatologiesysteme Sysmex pocH-100iV Diff und XT-2000iV für die Tierart Hund

Dunker, Cathrin


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler
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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-81132
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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere, Klinische Pathophysiologie und klinische Laboratoriumsdiagnostik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5744-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.11.2010
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 03.05.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel dieser Arbeit ist die Evaluierung zweier verschiedener Hämatologiesysteme Sysmex pocH-100iV Diff und XT-2000iV für die Tierart Hund. Ihre Einsetzbarkeit hinsichtlich der hämatologischen Untersuchung beim Hund wird im Vergleich zum ADVIA 2120 in Anlehnung an die veröffentlichten Richtlinien für die Evaluierung von Blutzellanalysegeräten (ENGLAND et al., 1994) und den Richtlinien der ICSH (International Committee for Standardization in Haematology, ICSH, 1994) überprüft.

Der pocH-100iV Diff und der XT-2000iV weisen für die Präzision innerhalb der Serie für die Parameter der Blutzählung (WBC, RBC, HGB, HCT, MCV, MCHC, MCH) mit Variationskoeffizienten zwischen 0,4% und 1,2% bzw. 0,3% und 1,2% sehr gute Ergebnisse auf. Für die Thrombozytenzählung liegen die Variationskoeffizienten bei 4,9% bzw. 5,4% und sind ebenfalls als sehr gut zu bewerten. Für die Parameter der Blutzelldifferenzierung des pocH-100iV Diff ist die Präzision der eosinophilen Granulozyten (CV = 12,2%) nur mäßig, währenddessen die Präzision der Lymphozyten mit einem Variationskoeffizienten von 2,9% als sehr gut zu bezeichnen ist.
Der XT-2000iV zeigt für sein gesamtes Differenzialblutbild mit CV-Werten von 1,4% bis 4,8% sehr gute Präzisionsergebnisse. Der Variationskoeffizient für die absolute Retikulozytenzählung beträgt 7,8%.

Der Methodenvergleich zur Beurteilung der Richtigkeit ergibt für die Parameter WBC, RBC und HCT für den pocH-100iV Diff sehr gute Korrelationen (r ≥ 0,98, Bias = -0,03 bis 0,56). Gute bis mäßige Korrelationen finden sich für die Parameter PLT (r = 0,93; Bias = -36,51) und MCV (r = 0,89; Bias = -0,55). Für den Parameter MCHC ergibt sich eine sehr schlechte Übereinstimmung (r = 0,33; Bias = -0,03). Der pocH-100iV Diff erreicht nur ein ausreichendes Ergebnis hinsichtlich der Blutzelldifferenzierung. Im Vergleich zur Blutzellzählung sind nur 108 Blutproben von ursprünglich 122 Proben in die Statistik eingeflossen, da das Gerät für die verbleibenden Proben kein Differenzialblutbild erstellen konnte. Am auffälligsten ist die fehlende Übereinstimmung der Resultate bei der Eosinophilendifferenzierung mit einem Korrelationskoeffizienten von r = 0,22. Für den Anwender heißt dies, dass eine mikroskopische Untersuchung des Blutausstriches unerlässlich bleibt.
Der XT-2000iV zeigt dagegen für die Parameter WBC, RBC, HCT und PLT sehr gute Korrelationen (r >-; 0,98, Bias = -56,56 bis 0,22). Gute Korrelationen finden sich für die Parameter HGB (r = 0,82; Bias = 1,06) und MCV (r = 0,91; Bias = 2,04). Für die Parameter MCH und MCHC ergeben sich mäßige bis schlechte Übereinstimmungen.

Die Literatur zeigt eine Studie von BAUER et al., 2008, in der der ADVIA 120 mit dem ADVIA 2120, hinsichtlich der unterschiedlichen Messmethoden (Zyanmethämoglobinmethode vs. Zyanfreie Hämoglobinmethode) verglichen wird. Die Resultate ergeben einen proportionalen Fehler, der in den eigenen Untersuchungen ebenfalls dargestellt werden kann. Aufgrund dessen werden die Resultate des XT-2000iV und des pocH-100iV Diff mit denen des ADVIA 120 verglichen. Daraufhin ergeben sich für den Parameter HGB beider Geräte sehr gute Übereinstimmungen mit dem ADVIA 120 (Korrelationskoeffizienten von 0,94 bzw 0,96).

Für die Retikulozytenzählung ist eine gute Korrelation zwischen der manuellen und der automatisierten Messmethodik festgestellt worden (r = 0,87, Bias = 0,74). Im Methodenvergleich der Blutzelldifferenzierung sind gute bis sehr gute Korrelationen für Lymphozyten und neutrophile Granulozyten (r >- 0,89, Bias: -6,00 – 1,91) erzielt worden. Eine mäßige Übereinstimmung der Methodenergebnisse lässt sich für die eosinophilen Granulozyten und die Monozyten feststellen.

Die Linearitätsstudie der beiden Hämatologiesysteme erreicht hohe Korrelationen mit Korrelationkoeffizienten bis 1 für WBC (range 0-80x103/µL), HGB (range 0-22g/dL) und RBC (range 0-13x106/µL). Somit messen die Hämatologiesysteme pocH-100iV Diff und XT-2000iV im Bereich der getesteten Konzentrationen linear.
Das Ergebnis des Carry overs für den Parameter WBC des XT-2000iV liegt mit einem Wert von 0,03% deutlich unter dem geforderten Grenzbereich von >- 0,25%. Der pocH-100iV Diff weist für den Parameter WBC keine messbare Verschleppung auf.

Bei der Überprüfung des Einflusses der Antikoagulanzien (K3-EDTA, Li-Heparin und Citrat) auf die Messergebnisse der beiden Hämatologiesysteme können für die Parameter WBC, RBC, HGB, und MCV des pocH-100iV Diff und für die Parameter WBC, RBC, HGB, PLT, und RET des XT-2000iV keine signifikanten Unterschiede der Messwerte festgestellt werden.

Am pocH-100iV Diff kann für die Parameter MCH, MCHC und HCT eine prozentuale Abweichung von bis zu 13,26 % zwischen den verschiedenen Antikoagulanzien festgestellt werden. Die Thrombozytenzahl weicht im Vergleich Li-Heparin/Na-Citrat sogar bis zu 55,54% ab. Auffällig am Differentialblutbild ist eine starke Abweichung der eosinophilen Granulozytenzahl von 57,28% im K3-EDTA/Heparin Vergleich. Der XT-2000iV zeigt für die Parameter MCV, MCH, MCHC und HCT eine prozentuale Abweichung von bis zu 10,47% zwischen den verschiedenen Antikoagulanzien. Die Thrombozytenzahl weicht anders als beim pocH-100iV Diff im Vergleich Li-Heparin/Na-Citrat nur um 2,71% ab. Im Differentialblutbild zeigt sich eine prozentuale Abweichung bei den neutrophilen Granulozyten von 12,41% im Li-Heparin/Na-Citrat Vergleich.
Für beide Hämatologiesysteme ist der Gerinnungshemmer K3-EDTA zur Analyse von Hundeblutproben am besten geeignet.

Die Untersuchungen des Einflusses der Lagerungstemperatur (4°C, 22°C) und der Lagerungsdauer (72 Stunden) ergeben, dass der Einfluss der Temperatur statistisch für beide Hämatologiesysteme nicht signifikant ist, der Einfluss der Zeit jedoch ist hoch signifikant. Die Messergebnisse für den Parameter PLT des pocH-100iV Diff und des XT-2000iV sind bereits nach ungefähr 6 Stunden mit Vorsicht zu interpretieren. Die durchgeführte Verlaufsuntersuchung zeigt weiterhin, dass sowohl die Blutzellzählung als auch die -differenzierung am XT-2000iV und am pocH-100iV Diff nach 24 Stunden abgeschlossen sein sollte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der pocH-100iV Diff als Gerät zur Zellzählung sehr gut für den alltäglichen Praxisbedarf geeignet ist und sehr gute (für einige Parameter befriedigende) Informationen liefert. Jedoch kann auf die mikroskopische Untersuchung des Blutausstriches nicht verzichtet werden.
Das Hämatologiesystem Sysmex XT-2000iV ermittelt verlässliche Ergebnisse bei Zellzählung und –differenzierung für die Tierart Hund. Besonders bei Proben mit pathologischen Veränderungen ermöglicht die graphische Darstellung in Form von Histo- und Scattergrammen das Erkennen von abnormem Zellaufkommen oder abweichender Zellmorphologie zur sicheren Diagnosestellung.

Kurzfassung auf Englisch: The objective of this study is the evaluation of two different haematology systems Sysmex pocH-100iV Diff and XT-2000iV for the species dog. The applicability of these systems for haematological analysis of dogs was checked along the public guidelines for the evaluation of blood cell analyzers (ENGLAND et al., 1994) and the guideline of ICSH (International Committee for Standardization in Haematology, ICSH, 1994).

PocH-100iV Diff and XT-2000iV reflect very good results within single batches for the parameters of blood cell count (WBC, RBC, HGB, HCT, MCV, MCHC, MCH) with coefficients of variation ranging from 0.4% to 1.2% and 0.3% to 1.2%. The coefficients of variation for the thrombocyte count are 4.9% and 5.4% indicate a very good result as well. While the blood cell differentiation parameters for pocH-100iV Diff with regard to the precision of eosinophils (CV = 12.2%) are just moderate, they are very good for lymphocytes with 2.9%.
The XT-2000iV achieves for the entire blood cell differentiation excellent results with CV’s of 1.4% to 4.8%. The coefficient of variation for the absolute reticulocyte count is 7.8%.

Very good correlations were achieved for the parameters WBC, RBC and HCT (r >- 0.98; bias = -0.03 to 0.56) for the determination of the accuracy for comparing the measurement results for the pocH-100iV Diff. For the parameters PLT (r = 0.93; bias = -36.51) and MCV (r = 0.89; bias = -0.55) correlation was good to moderate while for MCHC results were very poor (r = 0.33; bias = -0.03). Overall, the pocH100iV Diff can only reach an adequate result for the blood cell differentiation. In comparison to the blood cell count, only 108 blood samples from initial 122 samples have been included in the statistic, since the system could not generate for the remainder a blood cell differentiation. Noticeable is the missing compliance of the results of the eosinophil differentiation with a correlation coefficient of r = 0.22. This means as a consequence for the users that a microscopic examination of the blood smear is required.
The XT-2000iV reflects in contrast to the above an excellent correlation for the parameters WBC, RBC, HCT and PLT (r >- 0.98, bias = -56.56 to 0.22) and good correlation for HGB (r = 0.82; bias = 1.06) and MCV (r = 0.91; bias = 2.04). The parameters MCH and MCHC reflect only moderate to poor consistency.

A study from Bauer et al., 2008 reflects the comparison of different measurement methods (Cyanmethaemoglobin- vs. cyanfree-haemoglobinmethod of ADVIA120 and ADVIA 2120. The outcome reflects a proportional error, which can also be found in this evaluations results. This is the reason, why the results of XT-2000iV and pocH-100iV are compared with the results of ADVIA 120. As a result, very good correlations can be recorded for the parameter HGB for both systems (r = 0.94 and 0.96).

A good correlation was found between the manual and the automatic reticulocyte count (r = 0.87, bias = 0.74). For the comparison of the measurement results of the blood cell differential of this system with the reference analyzer and methods good to excellent correlation for lymphocytes and neutrophils (r ≥ 0.89, bias: -6.00 – 1.91) have been achieved while the results for eosinophils and monocytes were just moderate.

The assessment of the linearity of both systems reaches excellent results for the correlation coefficient up to 1 for WBC (range 0-80x103/µL), HGB (range 0-22g/dL) and RBC (range 0-13x106/µL). Consequently, both haematology systems pocH-100iV Diff and XT-2000iV are measuring linear within the scope of tested concentrations. The results of the carry over for the parameter WBC from the XT-2000iV remains with 0.03% substantially below the required minimum level of >- 0.25%. The pocH-100iV Diff does not reflect any carry over in this regard.

A study of the influence of the anticoagulants (K3-EDTA, Li-heparin and citrate) on the measurement results of the parameters WBC, RBC, HGB and MCV of pocH-100iV Diff and of the parameters WBC, RBC, HGB, PLT and RET of XT-2000iV showed no significant measurement differences.

A deviation between the different anticoagulants of up to 13.26% can be recorded for the parameters MCH, MCHC and HCT for pocH-100iV Diff. The thrombocyte count can even deviate in comparison to Li-heparin/Na-citrate up to 55.54%. A strong deviation of the eosinophile granulocytes count of 57.28% is noticeable for the blood cell differentiation within the K3-EDTA/heparin comparison. The XT-2000iV reflects for the parameter MCV, MCH, MCHC and HCT a deviation of up to 10.47% between different anticoagulants. The thrombocyte count in comparison to Li-heparin/Na-citrate deviates just 2.71% in contrast to the pocH-100iV Diff. The blood cell differentiation shows a deviation related to the neutrophils of 12.41% in the Li-heparin/Na-citrate comparison.
The anticoagulant K3-EDTA is best suited to analyze blood samples of dogs with both haematology systems.

An analysis of the influence of storage temperature (4°C, 22°C) and duration (72 hours) reveals that temperature changes do not show significant impact for both haematology systems while the factor time is highly significant. Therefore, the measurement results for the parameter PLT for pocH-100iV Diff and XT-2000iV should be evaluated cautiously after 6 hours. The blood cell differentiation as well as blood cell counts should in any case be completed after 24 hours for both systems.

In conclusion, the pocH-100iV Diff is a very good hematology system if used for blood cell counts for the daily use in small private clinics as it achieves very good (for some parameters satisfactory) results. However, a microscopic examination of the blood smear is required.
The Sysmex XT-2000iV achieves reliable results for blood cell counts and differentiation for the species dog. Features like the graphical histograms and scattergrams enable the user to detect especially samples with pathological changes such as abnormal cell appearances or alternative cell morphology more easily in order to achieve a profound diagnosis.