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Faktoren, die Heißhungerattacken bei Patienten mit Morbus Parkinson auslösen

Lehmden, Eileen von


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler
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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-81093
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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Neurologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5748-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.12.2010
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 02.05.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Verschiedene Studien haben einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von
Dopaminagonisten (DA) und dem Auftreten von Impulskontrollstörungen bei M. Parkinson
gezeigt (Dodd et al. 2005; Voon et al. 2006; Driver-Dunckley et al., 2006). Weniger häufig
wurden Heißhungerattacken (HA) beschrieben (Nirenberg et al., 2005). DA greifen direkt in
das dopaminerge (mesolimbische) Belohnungssystem ein, welches als wesentlicher
Bestandteil für die Entstehung einer Sucht diskutiert wird. Daher liegt die Vermutung nahe,
dass die mesolimbische Region auch ursächlich an der Entstehung von Esssüchten („Binge
eating“) beteiligt ist. Primäres Ziel der Studie war, heraus zu finden, ob bei
Parkinsonerkrankten eine Korrelation zwischen der Therapie mit DA und dem Auftreten von
HA besteht. Sekundär sollten weitere Faktoren ermittelt werden, die mit HA in
Zusammenhang stehen können.
117 Patienten mit idiopathischem Morbus Parkinson (UK Brain Bank Kriterien; Hughes et
al., 1991) wurden von der Parkinsonklinik Bad Nauheim rekrutiert. 74 der Patienten gaben an,
HA zu haben, die übrigen 43 Patienten ohne HA dienten als Kontrollgruppe.
Die beiden Gruppen wurden auf Unterschiede in ihrer Medikation, der Schwere der
Parkinson-Erkrankung, dem Essverhalten, der psychopathologischen Komorbidität:
Depression, Angststörung, Schlafstörung, sowie Zwangsstörungen untersucht. Die Befragung
der Patienten erfolgte an zwei Tagen, folgende Fragebögen wurden verwendet: UPDRS
(Unified Parkinson’s Disease Rating Scale), Mini Mental Status Test, Fragebogen zum
Essverhalten (FEV), PDQ 39, State-Trait-Anxiety Inventory, Neuropsychiatrischer Befund
(NPI-Q) und Hamburger Zwangsinventar Kurzform (HZI-K).
Ergebnisse: Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen in
Hinsicht auf die Dosis und die Zugehörigkeit der DA zu den Ergot-oder Non-Ergot-
Dopaminagonisten.
In beiden Gruppen kamen gehäuft Symptome vor, die auf Zwangsstörungen hinwiesen.
78,6% aller Patienten erreichten mindestens bezüglich eines Scores auffällige Werte, z.B.
besonders in den Bereichen „Waschen, Reinigen“, sowie „Ordnen“. Bis auf die Kategorie
„Denken von Worten und Bildern“ (p < 0,03) war kein signifikanter Unterschied zwischen
den Gruppen zu erkennen.
Es ergab sich eine positive Korrelation zwischen psychopathologischen Komorbiditäten und
dem Auftreten von Heißhunger. Depressionen und Schlafstörungen traten häufiger bei den
Patienten mit HA auf. Schlafstörungen kamen dagegen signifikant häufiger als in der
Kontrollgruppe (p=0,01) vor. Zusätzlich zeigte sich ein signifikanter Unterschied beim
Auftreten von nächtlichen Hungergefühlen (p= 0,00). 68,9 % der Probanden mit HA gaben
diese als störend an, in der Kontrollgruppe nur 18,6%. Ein abnormes Essverhalten mit
stärkerer Störbarkeit des Essverhaltens und stärker erlebten Hungergefühlen fand sich
häufiger bei Parkinson-Patienten mit HA.
Bei Auswertung des PDQ 39 zeigte sich, dass Patienten mit HA ein wesentlich schlechteres
emotionales Wohlbefinden (p=0,016) angaben und auch ihre körperlichen Symptome
(p=0,001) negativer als die Probanden der Kontrollgruppe bewerteten.
Schlussfolgerung: Aufgrund der erheblichen Beeinträchtigung von Patienten mit HA sollten
Patienten mit erhöhtem Risiko für HA mit Hilfe der herausgearbeiteten Risikofaktoren
identifiziert werden und bei Einleitung einer Therapie engmaschig überwacht werden. Auch
die Behandlung der Patienten mit Serotoninagonisten ist zu überlegen. Abschließend ist zu
bemerken, dass die Pathophysiologie der HA noch nicht ausreichend geklärt ist, was
angesichts der Beeinträchtigung der Lebensqualität durch HA und der gesundheitlichen
Risiken des „Binge eatings“ dringend erforderlich wäre.
Kurzfassung auf Englisch: Abstract
Background: The therapy with dopamine agonists has been implicated in causing several
compulsive behaviours, including pathological gambling, hypersexuality and compulsive
eating.
Objective: The aim of this study was to examine the relation between the dopamine
replacement therapy and the development of compulsive eating in Parkinson patients and find
other factors which can be related to the change in eating behaviours.
Methods: 117 subjects with idiopathic Parkinson disease (PD) were recruited from the year
2005 to 2007, 74 patients who had recently developed compulsive eating and 43 as controls
with unobtrusive eating behaviours.
We collected the important demographic data, including medical therapies. In form of
structured clinical interviews we tried to find other psychopathological illness and compared
the data of the two groups.
Results: The medication with dopamine agonists was not associated with compulsive eating.
There was no difference of the therapy between the two groups, both got non ergot DA and
ergot DA in an equal daily dose.
However, there was a positive relation between craving for food and other psychopathological
illnesses.
Binge eaters reported greater distress and lower tolerance of negative mood compared to
controls. They showed a tendency to have more lifetime rates of depression and anxiety than
the control group. There was a significant difference concerning night sleeping disorders.
68% of the patients with compulsive eating reported also about nocturnal eating.
In both groups the Parkinson patients showed many symptoms of obsessive compulsive
disorders. The highest scores we found in the subscales “ordering” and “washing/ cleaning”.
Conclusion: There is no influence of DA in the development of compulsive eating. However,
PD patients showing compulsive eating behaviour suffer more frequently from depression,
anxiety and sleeping disorders than controls. The craving for food often leads to weight gain
which can cause more difficulties in the efficient therapy of the movement disorders.