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Filme, die beflügeln : Einflüsse von Filmen auf die Reisemotivation, Raumwahrnehmung und Imagebildung

Films which inspire : influences of films on the travel motivation, spatial perception and image building

Siehl, Stefan


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Filmgeographie , Wahrnehmungsgeographie , Filmtourismus , mediale Emotionen , mediale Weltbilder
Freie Schlagwörter (Englisch): cinematic geography , cognitive geography , filmtourism , medial emotions , mental maps
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Geographisches Institut
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geografie, Reisen
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.01.2011
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 21.03.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Populäre Filme, TV-Serien, Werbespots oder bekannte Filmfiguren haben einen enormen Einfluss auf das Image ihrer Schauplätze und auf unsere kulturräumlichen Vorstellungen. Erfolgreiche Filme erreichen ein Millionenpublikum und in der Folge dessen gewinnt Filmtourismus weltweit an Bedeutung. Filme haben sich zu einer Institution für den Tourismusmarkt entwickelt. Ein Grund liegt in der Gemeinsamkeit des Films und der Reise – beide entführen für eine gewisse Zeit aus dem Alltag heraus in eine Welt, die traumhafte Elemente besitzt.
Mit dem Anstieg visueller Filmreisen wächst auch deren Einfluss, nicht nur in Bezug auf touristische Ankünfte. Hinter all dem verbirgt sich ein äußerst komplexes Wahrnehmungsphänomen. Mit den Wirkungen medialer Darstellungen beschäftigt sich die Filmgeographie und stößt dabei stetig auf Probleme, die den Beweis filmischer Einflüsse schwierig machen. Zum einen, weil wir mediale Informationen vielfach unterbewusst wahrnehmen und wir uns deswegen nicht gut an mediale Inhalte erinnern (mediale Absenz). Zum anderen emotionalisieren uns Filme in besonderem Maße. Doch es fällt uns schwer, diese Gefühle zu beschreiben oder sie irgendwie zu messen. Diese Schwierigkeiten machen aber gleichzeitig auch den Reiz des filmgeographischen Themas aus. Um die Probleme ein wenig zu kompensieren, wurden für die vorliegende Dissertation zwei Ansätze gewählt: einerseits die interdisziplinäre Herangehensweise an das Thema. Somit konnten Erkenntnisse aus der Geographie, Soziologie, Tourismus- und Filmwissenschaft, sowie der Wahrnehmungspsychologie in die Forschungsarbeit einfließen. Andererseits richteten wir unser Augenmerk auf die Subkultur der Backpacker in Verbindung mit dem speziellen Genre der Reisefilme, um das weite Forschungsfeld einzugrenzen.
Die Zusammenarbeit zwischen touristischem Marketing und Filmemachern ist ein lukratives Geschäft für beide Seiten. Das so genannte Landside oder Country Placement stellt die effektivste Form der touristischen Werbung dar. Eine Marketingstrategie aus bewusster und unterbewusster Kommunikation kann bei optimalen Bedingungen zum dauerhaften Erfolg eines Drehortes führen. Das Phänomen der Anziehungskraft von Filmen ist nicht allein auf die westliche Welt beschränkt, wie aufstrebende indische Filme zeigen. Doch eine Gefahr der Realitätsverzerrung durch mediale Darstellungen ist nicht zu unterschätzen. Besonders die soziokulturelle Entwicklung unvorbereiteter Destinationen kann durch Filmprojekte gefährdet werden.
Mit Filmen verändern sich unsere touristischen Erwartungen, die kulturräumlichen Vorstellungen und Images von Ländern oder Völkern. Raumwahrnehmungen und Emotionen aus der realen als auch medialen Welt vermischen sich und formen letztlich unsere Weltbilder der Moderne. Gut gemachte Filme wirken wie Katalysatoren unserer Raumvorstellungen und Wünsche. Die kunstvolle Magie filmischer Darstellung und außergewöhnliche Drehorte ziehen uns in ihren Bann, insbesondere wenn sie einen Bezug zu unseren Sehnsüchten haben, wie Reisefilme bei Backpackern. Auch wenn sie dem Reiseerlebnis sehr nahe kommen, können sie dennoch die Reiseerfahrung nicht ersetzen. Der imaginären Geographie kommt letztlich eine immense Bedeutung zu, denn das moderne Reisen als auch unsere Weltbilder sind entscheidend durch filmische Phantasien geprägt.
Kurzfassung auf Englisch: Popular movies, TV series, commercials or also well-known film characters have a huge influence on the image of locations and on our ideas of culture and space. Successful movies reach millions of spectators and consequently, film tourism has gained importance world-wide. Films have developed into an institution for tourism. One of the reasons is the common characteristic of both films and travelling: for a certain period of time, both take us away from everyday life to a world featuring dreamlike elements.
Due to the increase of visual film tourism, also its influence has grown – not only concerning tourist arrivals. Behind all that, an extremely complicated phenomenon of perception is concealed. Cinematic Geography deals with the effects of media representations while steadily facing problems making it difficult to prove cinematic influence: On the one hand, because we often perceive media information in a subconscious way and thus are not able to remember these media contents (media absence). On the other hand, films appeal to our emotions to a great degree. However, it is difficult for us to describe these feelings or to measure them somehow. At the same time, these difficulties also create a particular attraction to the film-geographic topic. In order to slightly compensate these problems, there are chosen two attempts: On the one hand, an interdisciplinary approach to the topic, so that scientific findings from Geography, Sociology, Tourism, Film Studies as well as Psychology of Perception have been included in our research project. On the other hand, we concentrated on the subculture of backpackers in the context of the special genre of travel films to limit the wide area of research.
The cooperation between tourist marketing and filmmakers is a lucrative business for both sides. The Landside or Country Placement represents the most effective form of tourist advertisement. Under optimal conditions, a marketing strategy of conscious as well as subconscious communication can lead to the lasting success of a location. The phenomenon of attraction by movies is not only limited to the western world as ambitious Indian movies show. But the danger of a distorted reality in media representations is not to be underestimated. Especially the sociocultural development of unprepared destinations can be endangered by film projects.
Through films, our tourist expectations, ideas of culture and space as well as those of countries or peoples can change. Spatial perceptions and emotions from the real as well as from the medial worlds mix and finally form our world view of the modern age. Good films work like catalysts of our spatial ideas and wishes. Through the artistic magic of cinematic representation and unusual locations, they cast a spell over us, particularly if there is a relation to our longings, such as travel films do for backpackers. Even if they are very close to the travel experience, they still are not able to replace the travel experience. Finally, imaginary geography is of utmost importance, because both modern travelling as well as our world view are crucially marked by cinematic imagination.