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Soziale Unterstützung und Erziehungsverhalten bei Eltern neurodermitiskranker Kinder

Hennighausen, Lars


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler 2011
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.075 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5714-5
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 02.02.2011
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 08.03.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Bei der Neurodermitis handelt es sich um eine chronisch-rezidivierende
Hauterkrankung die weltweit auftritt und bei der bis zu 14 % (Rajka, 1986)
der Weltbevölkerung betroffen sind. Neben einer genetischen
Prädisposition sind nach Bosse (1990) psychische Faktoren bei der
Auslösung von Rezidiven entscheidend.
So konnten bereits mehrere Forscher, unter anderem Kupfer et al. (1999)
durch gezielte Untersuchungen die Einflüsse von internen und externen
Stressoren auf immunologische Parameter nachweisen.
Nach Gieler et al. (1993) führt die chronische Form er Neurodermitis zu
erheblichen Folgebelastungen, wie unter anderem zu mangelnder sozialer
Unterstützung für die Familie, chronische Überlastung (meist der Mütter)
und Beeinflussung der Eltern-Kind-Beziehung.
Die vorliegende Arbeit möchte einen Beitrag dazu leisten, inwieweit sich
das erinnerte elterliche Erziehungsverhalten auf die in Anspruch
genommene soziale Unterstützung auswirkt und welchen Einfluss diese auf
den elterlichen Umgang mit der Erkrankung der Kinder hat. Einen weiteren
Beitrag dieser Arbeit besteht darin, ob es einen Zusammenhang des
erinnerten elterlichen Erziehungsverhaltens auf den Schweregrad der
betroffenen Kinder und Jugendlichen hat und wie sich dieser auf den
Umgang mit der Erkrankung bei den Eltern auswirkt.
An der vorliegenden Untersuchung nahmen 95 Eltern deren Kinder
zwischen 0-7 Jahre alt waren; 15 Eltern deren Kinder zwischen 8-12 Jahre
alt waren und 12 Eltern deren Kinder 13-18 Jahre alt waren teil. Die Eltern
der Kinder 0-7 Jahre nahmen an einer sechswöchigen ambulanten
Neurodermitisschulung teil. Bei der Altersgruppe der Kinder 8-12 Jahre
nahmen Eltern und Kinder an einer separaten alteradäquaten
Schulungsmaßnahme teil. Bei der Altersgruppe 13-18 Jahre nahmen
lediglich die Jugendlichen an einer Schulungsmaßnahme teil. Zu den
erfassten Parametern gehörten das erinnerte elterliche Erziehungsverhalten,
der elterliche Umgang mit der Erkrankung der Kinder und deren
Auswirkungen auf die Lebensqualität der Eltern, die empfundene soziale
Unterstützung der Eltern und der Schweregrad der Erkrankung.
Entsprechend den Ergebnissen konnten keine Zusammenhänge zwischen
dem erinnerten elterlichen Erziehungsverhalten und des elterlichen
Umgangs mit der Erkrankung der Kinder festgestellt werden. Es konnten
ebenfalls keine Zusammenhänge zwischen dem erinnerten elterlichen
Erziehungsverhalten und dem Schweregrad der Neurodermitis der Kinder
festgestellt werden.
Ein wesentliches Ergebnis dieser Untersuchung besteht darin, dass ein
erlebter erinnerter Mangel an Wärme und überprotektives Verhalten in der
eigenen Erziehung mit einer reduzierten Inanspruchnahme von sozialer
Unterstützung und mit einem Anstieg der empfundenen sozialen Belastung
verbunden ist. Ein weiteres interessantes Ergebnis dieser Untersuchung
besteht darin, dass Eltern deren Kinder stärker von der Neurodermitis
betroffen sind über eine größere in Anspruch genommene soziale
Unterstützung und über eine gleichzeitige Abnahme der sozialen Belastung
berichten, im Vergleich zu Eltern deren Kinder weniger stark betroffen
sind. Diese Ergebnisse liefern einen wesentlichen Beitrag für die Praxis im
Umgang mit Neurodermitispatienten und deren Familien. Neben einer
medizinischen Behandlung erscheint der Einbezug von psychosozialen
Aspekten im Hinblick auf die psychische Belastung in den Familien und bei
den Betroffenen entscheidend zu sein, da die psychische Belastung
entsprechen zahlreichen Untersuchungen zu einer Hautverschlechterung
beitragen kann. Eine familienmedizinische Behandlung der Neurodermitis
scheint demnach für die Praxis unerlässlich. Da aufgrund der Einsparungen
im Gesundheitswesen der Druck für die Behandler hinsichtlich Budget und
Zeit immer enger wird sind möglicherweise zusätzliche Beratungsangebote
und Austauschmöglichkeiten, wie Neurodermitisschulungen und
Selbsthilfegruppen erforderlich. Bei diesen Angeboten ist es wichtig neben
einer medizinischen Wissensvermittlung den täglichen Umgang mit der
Neurodermitis bei den Betroffenen und deren Familien durch Bearbeitung
von Stress- und Problembewältigung, Förderung der Körperwahrnehmung,
Erlernen von Selbstkontrolltechniken, Förderung der Autonomie und
Eigenverantwortung und eine Förderung der Compliance zu thematisieren.
Eine Integration dieser Aspekte in die Behandlung bei
Neurodermitispatienten könnte somit neben Kostenersparnissen für das
Gesundheitssystem zu einer entscheidenden psychischen Entlastung bei den
Betroffenen und deren Familien führen. Weitere Wirksamkeitsstudien der
genannten Schulungsprogramme sind sicherlich unerlässlich.