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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-80214
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8021/


Social support networks of South African farm dwellers in the context of household food and livelihood security : a mixed methods approach from a gender perspective

Soziale Netzwerke südafrikanischer Farmarbeiter im Kontext von Nahrungs- und Existenzsicherheit : ein Methoden-Mix mit Gender Aspekten

Heumann, Nicole


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Soziale Netzwerke , Nahrungssicherheit , Existenzsicherheit , südafrikanische Farmarbeiter , Gender
Freie Schlagwörter (Englisch): Social networks, food security , livelihoods , South African farm workers , gender
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Internationale Entwicklungs- und Umweltforschung, Sektion 2: Ernährungssicherung
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.07.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 21.03.2011
Kurzfassung auf Englisch: Since the transition to democracy in 1994, South Africa’s government has attempted to improve the working and living conditions of farm dwellers through laws on fair labour practises, minimum wages, land reform and tenure security. However, farm dwellers remain among the most deprived and marginalised population groups.
Using a mixed methods approach, this study focuses on underlying causes of food and livelihood insecurity and the importance of social networks among 69 farm dwellers. From 2004 to 2008, research was carried out on three commercial farms and one rural informal settlement in the North West Province employing a variety of methods, such as in-depth and structured open-ended interviews, focus group discussions and observations. This study is part of a larger research project which investigated the link between nutrition security, livelihoods and HIV/AIDS of farm worker households.
Farm dwellers are trapped in a vicious cycle of low financial assets, restricted physical access to services and livelihood opportunities, low health and educational levels, low social resources and dependency on the farm owner. Tenure insecurity, high vulnerability to HIV/AIDS, alcohol abuse, gender-related conflicts and the disempowerment of women further compromise food and livelihood security. Since permanent employment is mainly linked to men, women are dependent on their male partners not only for income, but also for housing and benefits. Women draw on more income and social capital sources compared to men, but this does not enable them to break out of dependency. Every second household (52.3%) is categorised as food insecure, with more conjugal households (62.5%) being insecure than female-headed households (33.3%). Social support networks of farm dwellers consist on average of ten persons, who are mainly kin-related (64.6%) and live within a radius of less than 50 kilometers (89.0%). Network formation is influenced by gender, place of residence, age, distance to birth place and household food security, and not by length of stay, income and household category. The farm owner plays a central role, particularly regarding material and financial assistance, confirming existing paternalistic structures. The majority of network actors have a low economic status, resulting in overall limited network resources. While support networks help to overcome times of economic insecurity and food shortage, the obligation of reciprocity may trap farm dwellers into food and livelihood insecurity in the long term. Apart from the church, other social groups are scarce, mainly due to limited infrastructure and low organisation capital. The lack of linkages to urban areas and more affluent households restricts farm dwellers’ access to information and opportunities to mobilise resources for better livelihood outcomes.
This in-depth research reveals the complexity of factors impacting on food and livelihood security of farm dwellers, highlighting paternalistic structures, gender dynamics and conflict, limited social capital and existing social networks. Participatory strategies aimed at capacity development and empowerment are required to enable both men and women to build on existing resources and to challenge their vulnerability.
Kurzfassung auf Deutsch: Seit Beginn der Demokratie 1994 versucht die Regierung Süd Afrikas, die Arbeits- und Lebensbedingungen von Farmbewohnern durch die Einführung von Arbeitsschutzgesetzen, Mindestlöhnen, Landreformen und Wohnrechten zu verbessern. Trotzdem gehören Farmbewohner immer noch zu den am stärksten benachteiligten und isolierten Bevölkerungsgruppen.
Mit einem qualitativen und quantitativen Forschungsansatz untersucht diese Studie die grundlegenden Ursachen für die Nahrungs- und Existenzsicherheit sowie die Bedeutung von sozialen Netzwerken. Zu diesem Zweck wurden zwischen 2004 und 2008 auf drei kommerziellen Farmen und einer informellen Siedlung in der Nord-West Provinz 69 Farmbewohner regelmäßig aufgesucht und Tiefen- und strukturiert-offene Interviews, Gruppendiskussionen und Beobachtungen vorgenommen. Diese Studie ist Teil eines größeren Forschungsprojektes, welches sich mit dem Zusammenhang zwischen Ernährungssicherheit, Lebensbedingungen und HIV/AIDS von Farmhaushalten befasst.
Die Farmbewohner befinden sich in einem Teufelskreis bestehend aus geringen finanziellen Mitteln, unzulänglichen Grundversorgungen, aus niedrigen Gesundheits- und Bildungsniveaus, geringen sozialen Ressourcen sowie aus der Abhängigkeit vom Farmbesitzer. Darüber hinaus wird die Nahrungs- und Existenzsicherheit durch Wohnunsicherheit, HIV/AIDS, Alkoholmissbrauch und gender-spezifische Konflikte sowie durch die Machtlosigkeit der Frauen gefährdet. Da eine Festanstellung meist Männern vorbehalten ist, sind die Frauen nicht nur bezüglich Einkommen sondern auch Unterkunft und weiteren Leistungen von ihren Partnern abhängig. Obwohl Frauen im Vergleich zu Männern mehr Einkommensquellen haben und über mehr Sozialkapital verfügen, gibt es ihnen nicht die Möglichkeit, dieser Abhängigkeit zu entkommen. Jeder zweite Haushalt (52.3%) gilt als nahrungsunsicher, wobei dies auf mehr partnerschaftliche Haushalte (62.5%) als von Frauen geführte Haushalte (33.3%) zutrifft. Netzwerke von Farmbewohnern zur sozialen Unterstützung bestehen im Durchschnitt aus zehn Personen, die meistens miteinander verwandt sind (64.4%) und in einem Radius von weniger als 50 Kilometern leben (89.0%). Die Bildung solcher Netzwerke wird durch Faktoren wie Geschlecht, Wohnsitz, Alter, Entfernung zum Geburtsort und Nahrungssicherheit der Haushalte beeinflusst und weniger durch die Dauer des Aufenthalts, durch Einkommen oder die Haushaltskategorie. Farmbesitzer spielen eine zentrale Rolle, besonders in Bezug auf materielle und finanzielle Unterstützungen, was das Vorhandensein paternalistischer Strukturen bestätigt. Da die Mehrheit der Netzwerkakteure einen niedrigen ökonomischen Status besitzt, kann das gesamte Netzwerk auch nur begrenzte Ressourcen aufweisen. Während diese sozialen Netzwerke helfen, finanzielle Unsicherheiten und Nahrungsmittelknappheit zu überstehen, kann die Verpflichtung zur Gegenseitigkeit die Farmbewohner langfristig zu Nahrungs- und Existenzunsicherheit führen. Neben der Kirche als soziale und religiöse Institution gibt es nur wenige andere soziale Gruppen, was vor allem auf die eingeschränkte Infrastruktur und die mangelhafte Organisationsfähigkeit der Farmbewohner zurückzuführen ist. Die Farmbewohner haben nur geringe Beziehungen zu städtischen Gebieten und mit wohlhabenderen Haushalten, daher sind ihre Möglichkeiten sich zu informieren und ausreichende Ressourcen für einen besseren Lebensunterhalt zu mobilisieren eingeschränkt.
Diese umfassende Untersuchung deckt die Komplexität jener Faktoren auf, die sich auf die Nahrungs- und Existenzsicherheit von Farmbewohnern auswirken. Dabei wird besonders auf die paternalistischen Strukturen, die Geschlechterverhältnisse, das begrenzte Sozialkapital und die vorhandenen sozialen Netzwerke eingegangen. Es bedarf besonders partizipativer Strategien zur Kompetenzförderung und -stärkung, um sowohl Männern als auch Frauen die Möglichkeit zu geben, auf bereits bestehenden Ressourcen aufzubauen und sich ihren Herausforderungen aktiv zu stellen.