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Hochschulpolitik und Hochschulgesetzgebung in Hessen in den 1960er und 1970er Jahren : Das Beispiel Giessen

Sargk, Corina


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Historisches Institut
Fachgebiet: Geschichte
DDC-Sachgruppe: Geschichte
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.01.2011
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 07.02.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Die Dissertation „Hochschulpolitik und Hochschulgesetzgebung in Hessen in den 1960er und 1970er Jahren. Das Beispiel Gießen“ fokussiert ein Jahrzehnt, das aus universitätsgeschichtlicher Perspektive einen Wendepunkt darstellt: In diesem Zeitraum legte die Institution den Weg von der Ordinarien- zur Gruppenuniversität zurück. Die Hochschulen hatten sich nunmehr ihren strukturellen Problemen zu stellen und sich den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg anzupassen. Infolgedessen erhoben sie sich erstmals selbst zum Forschungsgegenstand. Parallel dazu erkannte die Gesellschaft Bildung als Schlüsselmoment für die eigene Zukunft, so dass eine Veränderung des kollektiven Bewusstseins erfolgte. Ein Bildungs- und Hochschulreform-Diskurs von bis dahin ungekannter Breite entstand, dessen Wurzeln bis in die Zeit des Sputnik-Schocks reichten. Wie sich dieser bundesrepublikanische Diskurs konkret auf die Entwicklungen im Bundesland Hessen bzw. in Gießen an der Justus-Liebig-Universität auswirkte, wird untersucht. Dabei stehen sowohl die Anstrengungen Kultusministers Schüttes mit dem „Gesetz über die wissenschaftlichen Hochschulen des Landes Hessen“ von 1966 als auch die seines Amtsnachfolgers Ludwig von Friedeburg mit dem „Hessischen Hochschul- und Universitätsgesetz“ von 1970 im Fokus des Interesses. Die Auseinandersetzungen um die verschiedenen Streitpunkte, wie die Amtszeit des Rektors oder die der Partizipation, die ihren Niederschlag in den Sitzungen der verschiedenen politischen Gremien fanden, werden in diesem Kontext nachgezeichnet.
Am Fallbeispiel Gießens wird deutlich, dass der Analysezeitraum aus der Perspektive der hessischen Hochschulen als kontinuierlicher Akt der Selbstbehauptung charakterisiert werden kann: Die eine Universität meisterte diese Herausforderung erfolgreicher als die andere. Der Justus-Liebig-Universität gelang es in den 1960er und 1970er Jahren ihre anfängliche Schwäche in eine individuelle Stärke zu transformieren: Nachdem die Akteure der Justus-Liebig-Universität den Konnex zwischen Reformfähigkeit und Fortbestand der eigenen Institution internalisiert hatten, setzten sie dieses Wissen in die Praxis, wie beispielsweise mit einer Satzungsnovelle, um. Aktiv gestalteten u. a. auch Gießener Mediziner den Hochschulreform-Diskurs mit, indem sie eine Studienreform, die ihrer Zeit um Längen voraus war, initiierten und erfolgreich praktizierten. Dabei orientierten sich sowohl die Mediziner als auch die Juristen und Wirtschaftswissenschaftler an den gesellschaftlichen Forderungen, wie der eines stärkeren Praxisbezugs des Studiums.
Obgleich für die Reformen insgesamt nicht das Argument der Nachhaltigkeit geltend gemacht werden kann, wurden im untersuchten Dezennium Ideen und Reformansätze entwickelt, die zuvor nicht „sagbar“ waren und an denen sich die nachfolgenden Generationen abzuarbeiten hatten bzw. noch immer abzuarbeiten haben.