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Die Europapolitik der rot-grünen Bundesregierung und die institutionellen Reformen der Europäischen Union 1998-2000 : die Verhandlungen der Regierungskonferenz 2000 zwischen europapolitischem Selbstbewusstsein und integrationspolitischer Berufung

Fich, Mathias


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Europapolitik , rot-grüne Bundesregierung
Freie Schlagwörter (Englisch): European policy , red-green government
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Politikwissenschaft
Fachgebiet: Politikwissenschaft
DDC-Sachgruppe: Politik
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.07.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 30.12.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Die Beteiligung an der europäischen Integration gehört seit 1949 zur parteiübergreifenden Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Nach der moralischen Katastrophe des Zweiten Weltkriegs sicherte sie der Bundesrepublik aus normativer Sicht nicht nur Frieden, Freiheit, Demokratie und wirtschaftliche Wohlfahrt. Vielmehr war die Beteiligung auch immer funkti-onal begründet, da mit ihr zugleich der außenpolitische Aktionsradius kontinuierlich erweitert werden konnte. Diese normative und funktionale Grundausrichtung, eine stilistisch zurückhal-tende und immer im Verbund mit den EU-Partnern erfolgende Interessensartikulation blieben auch nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 erhalten und bildeten zugleich stets die Hauptmotive deutscher Europapolitik.

Mit der Bundestagswahl vom 27. September 1998 kam es zu einer doppelten Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Erstens wurde die bisherige schwarz-gelbe Bun-desregierung mit der sie tragenden parlamentarischen Mehrheit abgewählt und eine neue rot-grüne Bundesregierung gebildet. Zweitens kamen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joseph Fischer erstmalig Vertreter einer Politikergeneration an die Macht, die keine persönlichen Erfahrungen an den Zweiten Weltkrieg mehr besaßen und die in der Bun-desrepublik politisch sozialisiert wurden. Dies sowie Gerhard Schröders anglophile politische Ausrichtung und europakritische Äußerungen warfen mit dem Amtsantritt der rot-grünen Bundesregierung die Frage auf, ob die neuen maßgeblichen gouvernementalen Akteure Deutschlands die bisherige Grundausrichtung deutscher Europapolitik beibehalten würden. Diese Frage wurde europapolitisch umso relevanter, als zeitgleich mit dem Amtsantritt der rot-grünen Bundesregierung die integrationspolitisch bedeutsamen Verhandlungen der Regie-rungskonferenz 2000 bevorstanden. Ihr Ziel war die Neujustierung der institutionellen und verfahrenstechnischen Grundlagen einer erweiterten Europäischen Union mit 27 Mitgliedstaa-ten, die Ende 2000 mit dem Vertragswerk von Nizza abgeschlossen werden konnte.

Vor diesem Hintergrund ist das Ziel dieser Untersuchung die Analyse zweier Fragen: Hielt die rot-grüne Bundesregierung hinsichtlich der Verhandlungen der Regierungskonferenz 2000 an den bisher bewährten Grundausrichtungen deutscher Europapolitik fest? Oder versuchte sie, über stilistische Akzentverschiebungen hinaus grundsätzliche Änderungen in der deut-schen Europapolitik vorzunehmen? Der Schwerpunkt dieser empirisch angelegten außenpoli-tischen Entscheidungsprozessanalyse liegt daher auf der Identifikation der Handlungsstruktu-ren, der leitenden Motive und der Interaktionsmuster der Europapolitik der rot-grünen Bun-desregierung.
Kurzfassung auf Englisch: Since 1949, the participation on the European integration belongs to the reason of state of the Federal Republic of Germany. After the moral catastrophe of World War II it guaranteed the Federal Republic peace, freedom and welfare. Beside this normative direction the Federal Republics participation on the European integrations always had functional direction, too. Especially, it increased the Federal Republic’s foreign policy cruising radius. After Ger-many’s reunification in 1990 the normative and functional direction, the defensive and coop-erative style of interest articulation remained which, on the same time, always were the main motives of the German European policy.

The general election of 27th September 1998 implied a double caesura in the Federal Repub-lic’s history. Firstly, the conservative-liberal government and its parliamentary majority had been voted off and a new social-democratic-ecological government came into power. Sec-ondly, with chancellor Gerhard Schröder and foreign minister Joseph Fischer representatives of a new political generation came into power who personally didn’t have any experiences concerning World War II and who have been political socialised in the Federal Republic. This and especially Schröder’s anglophile political orientation as well as his euroscepticism raised the question if the new German governmental actors would continue the hitherto basic direc-tion of the German European policy. This question became quite important while at the same time the negotiations of the Intergovernmental Conference 2000 were imminent. Its goal was to re-adjust the institutional and procedural framework of an enlarged European Union with 27 member states which could be accomplished with the Treaty of Nice in December 2000.

Therefore, goal of this dissertation is to analyse two questions: Did the red-green government continued the hitherto basic direction of the German European policy during the negotiations of the IGC 2000? Or did it try to make fundamental changes in the German European policy beyond stylistic accents? The focus of this empirical foreign policy process analysis lies on the identification the forms and structures of interaction and main motives of the European policy of the red-green government.