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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-78671
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7867/


Die körperdysmorphe Störung : Das Bild der körperdysmorphen Störung in verschiedenen klinischen Settings

Wiedersich, Annette Katharina


Originalveröffentlichung: (2010) Giessen : VVB Laufersweiler
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.963 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für psychosomatische Medizin, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5634-6
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.10.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 29.11.2010
Kurzfassung auf Deutsch: In dieser Studie ging es um die Darstellung der körperdysmorphen Störung (KDS) im ländlichen Raum in verschiedenen Settings (psychosomatische Poliklinis, dermatologische Poliklinik, kosmetische Dermatologie, plastische Chirurgie) bezogen auf die Variablen der Angst und Depression, der Einschränkung der sozialen Aktivität, des Schams und Ekels und der Therapiemotivation, sowie epidemiologische Daten wie Geschlechterverteilung, Alter der Patienten, Bildung, Beruf, Partnerschaft und Sichtbarkeit des Makels.
Auffallend war vor allem die Altersverteilung. Patienten mit KDS in der kosmetischen Dermatologie und der plastischen Chirurgie waren nicht signifikant jünger als Patienten ohne KDS. In der plastischen Chirurgie waren die Patienten sogar älter. Auch wenn in der Literatur vielfach ein jüngeres Durchschnittsalter beschrieben wird, so gilt es, auch bei älteren Patienten bei entsprechender Symptomatik an KDS zu denken.
Allerdings war in dieser Gruppe das Durchschnittsalter im Vergleich zu den anderen Settings insgesamt erhöht. Das hängt am ehesten damit zusammen, dass Operationen kostspielig sind und daher erst ein höherer sozioökonomischer Status erreicht werden muss. Die Patientengruppe war außerdem sehr klein.

Die Geschlechter waren nicht wie in der Literatur vorbeschrieben gleichmäßig verteilt, der Frauenanteil überwog mit einem Verhältnis 2:1.
KDS- Patienten waren außerdem nicht häufiger partnerlos.
In der Literatur war bei den KDS- Patienten ein eher niedriger Bildungsstand und vermehrte Erwerbslosigkeit beschrieben worden. In dieser Studie zeigte sich in Bezug auf den Bildungsstand keinen Unterschied, KDS- Patienten waren auch nicht signifikant häufiger erwerbslos.
Die Sichtbarkeit hatte keinen Einfluss auf die subjektive Entstellung. Das zeigte einmal mehr, dass Patienten, die den Makel halluzinieren ebenfalls einen hohen Leidensdruck entwickeln können und man sich als behandelnder Arzt/Therapeut auf Äußerlichkeiten nicht allein konzentrieren darf.

Wie erwartet hatten die KDS- Patienten aller Settings signifikant mehr Angst als Patienten ohne KDS, die höchsten Werte wurden in der psychosomatischen Poliklinik erreicht. Hier zeigten sich auch die höchsten Werte der Depression, wohingegen die Patienten der dermatologischen Poliklinik am wenigsten betroffen waren. Der Grund dafür könnte sein, dass sich diese Komorbidität nur langsam entwickelt, und KDS- Patienten hier erst am Anfang zur Erstdiagnose ihrer Erkrankung stehen.
Sozial eingeschränkt waren auch vor allem die Patienten der psychosomatischen Poliklinik, wobei sich in dieser Gruppe die KDS- Patienten noch mal deutlich abhoben.

Aus der Veränderungsstadienskala (Therapiemotivation) lässt sich ableiten, dass Patienten die psychische Komponente ihrer Erkrankung durchaus erkennen. Die Motivation zur Veränderung erscheint gegeben. Zu beachten ist allerdings, dass die VSS aufgrund fehlender Aussagen seitens der Patienten zur jeweiligen Störung nur unter Vorbehalt zu interpretieren ist.
Diese Beobachtung widerspricht den bisherigen Studien, in denen bisher postuliert wird, dass die KDS- Patienten erst vorsichtig an eine Psychotherapiemöglichkeit herangeführt werden müssen, um die Arzt- Patientenbeziehung nicht zu gefährden. Es erfordert allerdings noch weitere Untersuchungen, um dieses Ergebnis weiter zu beobachten und zu vertiefen.

In Bezug auf die Emotion „Ekel“ gaben die KDS- Patienten der plastischen Chirurgie signifikant höhere Werte an als Patienten ohne KDS. In diesem Setting war auch die Werte für das Schamgefühl insgesamt deutlich höher als in den anderen Settings, es gab hier aber keinen Unterschied zwischen KDS- und Nicht- KDS- Patienten.

Die KDS zeigt sich in dieser Studie deutlich als multimodales Geschehen und zeigte in ihrem Auftreten in verschiedenen Settings zum Teil deutliche Unterschiede. Entsprechend müssen in den unterschiedlichen Settings besondere Merkmale Beachtung finden, um Menschen mit einer KDS in ihrem Leidensdruck nicht zu übersehen.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this study is to describe body dysmorphic disorder (BDD) in a rural environment in different clinical settings (psychosomatic clinic, dermatology, cosmetic dermatology, plastic surgery) relating to the variables anxiety, depression, limitation of social activity, shame, disgust and motivation for treatment as well as epidemiologic facts like distribution between the sexes, age of patients, education, profession, relationship and visibility of the imperfection.
Especially the distribution of age among the patients was remarkable. Patients with BDD in the cosmetic setting and the aesthetic surgery were not significantly younger than patients without BDD. Actually, patients of the plasic surgery patients were even older.
Although the relevant literature usually refers to a rather young average age, it is essential to also consider BDD in elderly patients. We have to point out, that people in this setting were generally older than in the other settings, which might be due to the fact that an operation is rather expensive, so a more stable financial situation is required. Also, the considered sample was quite small.

In many clinical trials the distribution between the sexes is balanced. In this study the number of women with BDD dominated the number of men by ratio of 2:1.
Patients suffering from BDD were not more often single than living in a relationship.
In literature BDD patients are described to have a lower educational background and a higher ratio of unemployment. The perception regarding unemployment has not proven to be true in this study, also not the lower educational background.
The visibility of the imperfection does not impair the severity of BDD. This demonstrate that patients who hallucinate their imperfections can also develop a high level of psychological strain, and that a physician or therapist must not concentrate on the outer appearance alone.

In every setting BDD patients were more anxious and depressive than patients without BDD, he highest levels were reached with psychosomatic patients whereas dermatological patients were less affected by depression.
One reason is that comorbidities like anxiety and depression need a long time to develop and that the dermatological setting is only the beginning of the initial diagnosis for the patients.
Social limitations were mainly found in psychosomatic patients with BDD, patients in this setting being even more affected.

From the VSS (Veränderungsstadienskala), based on University of Rhode Island Change Assessment Scale, we can derive that patients are aware of the psychiatric component of BDD. Motivation to change seems to be possible. As many patients refuse to reveal their problem, it must be mentioned that the VSS con only be construed with reservations. This observation is contrary to other studies, which state that BDD patients should be lead to psychotherapeutic treatment very carefully to avoid disturbance in the physician-patient-relationship.
Further research is however necessary to observe and recess this result.

Regarding to the emotion “disgust”, BDD patients in the setting of plastic surgery reach higher values than patients without BDD. All patients in this setting reached the highest values concerning the emotion “shame”, with no difference being observed between patients with or without BDD.

In this study BDD clearly appears as a multimodal effect and displays noticeable difference when appearing in different settings. Special characteristics in the different settings should be observed in order not to underdiagnose BDD patients in their suffering.