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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-78308
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7830/


Charakterisierung, Entwicklung und biologische Produktivität sesshafter und transhumanter Schafhaltungssysteme im Mittleren Atlas Marokkos

Djoudi, Houria


pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.977 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Marokko , Schafhaltung , Partizipative Methoden , Mittleren Atlas , Transhumanz
Freie Schlagwörter (Englisch): Morocco , Livestock , Participatory Methods , Middle Atlas , Transhumance
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Agrarwissenschaften und Umweltmanagement
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.11.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 09.11.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Diese Arbeit stellt eine diagnostische Untersuchung des traditionellen Schafhaltungssystems der Ireklaouen in der Provinz Ifrane im Mittleren Atlas Marokkos dar. Hauptziel dieser Studie war, mittels qualitativer (MARP Workshops) und quantitativer Kriterien (Produktivität der Herde) die verschiedenen agro-pastoralen Schafhaltungssysteme zu identifizieren und die Produktivität der Timahdit Schafe innerhalb jedes Subsystems zu bestimmen und zu vergleichen.
Die Schafhaltungsformen wurden mittels eines partizipativen Ansatzes (Méthode Accélérée de Recherche Participative (MARP) im Rahmen von elf Workshops mit insgesamt 104 Tierhaltern in vier Siedlungen und Dörfern und auf sechs wöchentlichen Märkten (Azrou) identifiziert und beschrieben. Traditionelle Rechte wurden diskutiert, Ressourcenkarten, Futterkalender und Kalender zur saisonalen Mobilität erstellt.
Die Ergebnisse der MARP-Untersuchungen und die Ermittlung der Herdenproduktivität zeigten, dass zum einen das auf kollektiven Weiden sesshafte System durch niedrige tierische Leistungen, Ressourcenzerstörung und schwierige Lebensbedingungen für die Hirten und ihre Familien gekennzeichnet ist. Seine Akzeptanz innerhalb der pastoralen Gemeinschaft ist gering, die Vulnerabilität der Haushalte, die es praktizieren, hoch. Zum anderen zeigten die Ergebnisse dieser Arbeit, dass sich die auf traditioneller Transhumanz beruhende Schafhaltung durch höhere Geburtsgewichte, höhere Gewichte mit einem Jahr, höhere Überlebensraten sowie niedrige Ablammintervalle auszeichnet und damit eine höhere Produktivität erzielt. Neue institutionelle Rahmenbedingungen sollten in enger partizipativer Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren erarbeitet werden. Eine gerechte, auf traditionellen Regelungen basierende Neuorganisierung der Nutzer, innerhalb derer die marginalisierten Tierhalter ihre Nutzungsrechte gesichert sehen, könnte einen Beitrag dazu leisten, dass die Schafhalter in größerem Maßstab wieder zur traditionell angepassten, saisonalen Transhumanz zurückkehren. Diese Neuorganisierung könnte die Aufgaben der traditionellen, nicht mehr aktiven Jmâa bezüglich der nachhaltigen Weidenutzung in einer den aktuellen sozioökonomischen und ökologischen Bedingungen angepassten Form wieder aufnehmen. Die höhere Produktivität bei der transhumanten Schafhaltung basiert hauptsächlich auf den kollektiven Weiden als Futtergrundlage. Daher ist die Nachhaltigkeit dieser Schafhaltung mit der angepassten Nutzung der Weiden eng verbunden. Hier könnte die oben genannte Neuorganisierung der Nutzer einen bedeutenden Beitrag leisten. Die Begrenzung der Tierzahl und der Nutzungszeit die Wiedereinführung des Agdal und die Beschränkung der Auftragsschafhaltung sind für die Nachhaltigkeit der transhumanten Schafhaltung unabdingbar.
Bei den in Ackerbaugebieten sesshaften und den transhumanten Herden könnte die Produktivität durch eine bessere Integration der Ackerbauprodukte in die Fütterung, eine Optimierung der Nährstoffergänzung sowie eine Konzentration der Ablammungen auf den Winter oder Herbst (Bekri) erreicht werden. Die unter-schiedliche, aber komplementäre Spezialisierung (Masttiererzeugung, Bockmast) des transhumanten und des ackerbaulichen Schafhaltungssytems würde die unterschiedlich verfügbaren Futterressourcen und Infrastrukturen dieser beiden Schafhaltungsformen besser berücksichtigen.
Kurzfassung auf Englisch: This work presents a diagnostic study of the Ireklaouen traditional husbandry system carried out in the Ifrane Province (Ireklaouen’s tribe) in Morocco’s Middle Atlas. The principal objective of this study is to identify the different husbandry subsystems inside the agro-sylvo-pastoral system and to determine the productivity of the Timahdit sheep in the different subsystems, using qualitative (MARP workshops) and quantitative criteria (herd productivity). Such diagnostics are highly relevant as they allow the identification of sustainable and adaptive strategies for the subsystems in their specific contexts under multiple drivers of change.
The results of the MARP workshops and the analysis of herd productivity showed that the highland sedentary system (HS3) is characterized by low animal performances, resource degradation and declining livelihood conditions for the herders. Its acceptance and reputation within the pastoral community is low, the vulnerability of the households which practice this form is high. In contrast to it, the results of the transhumant system which is based on traditional mobility of herds, is characterized by higher birth weights, higher weights at one year of age, higher survival rates as well as low lambing interval. Consequently, the productivity of the Timahdit sheep held in this system was higher. The reorganization of the herders in Ireklaouen in a new form of Jmâa could contribute to reestablish the traditional transhumance and to prevent the permanent stay on the collective areas in Hebri. The integration of marginalized herders and the guarantee of equitable access to collective pastures and water may give substantial arguments for sheep owners to return to the traditionally adapted seasonal transhumance. This reorganization could take over the tasks of the traditional, not any longer active Jmâa concerning. To ensure the success of this reorganization, current socioeconomic and ecological conditions in the Ireklaouen area must be integrated in this process. Based on long term considerations, transhumant herders can only maintain the reached productivity level by a sustainable use of collective pastures. The reorganization of the users specified above could make an important contribution by delimiting the stocking rate and by reintroducing seasonal protection measures, like a new form of Agdal, in Hebri, Ain Karma and El Koudiat pastures.
In lowland sedentary and in transhumant systems, the productivity could be in-creased by a better integration of the cereal by-products in the feeding strategies, an optimization of the supplementation as well as a concentration of the lambing on the autumn (Bekri) for the transhumant and on winter (Wasti) for the lowland sedentary systems. Different, however complementary specialization between the transhumant (lamb raring) and the low sedentary herders (lamb fattening) would lead to a more sustainable and efficient use of the differently available fodder re-sources and infrastructure.