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Ernteversicherungen als Risikomanagementinstrument : Eine Analyse von Versicherungstypen und Tarifierungsmodellen

Crop insurance as a risk management tool : An analysis of insurance types and pricing models

Keller, Jan


pdf-Format: Dokument 1.pdf (28.828 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Erntemehrgefahrenversicherung , Hagelversicherung , Tarifierung , Wetterderivate , Wetterrisiken
Freie Schlagwörter (Englisch): multi-peril crop insurance , hail insurance , pricing , weather derivatives , weather risks
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Agrarpolitik und Marktforschung
Fachgebiet: Agrarwissenschaften und Umweltmanagement
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 21.07.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 15.10.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Der Einfluss des Wetters auf die landwirtschaftliche Produktion, speziell des Ackerbaus, ist seit jeher so ausgeprägt wie in kaum einem anderen Bereich der Volkswirtschaft. Da dieser wichtige Produktionsfaktor jedoch nicht oder nur gering beeinflusst werden kann, stellt er eine der größten Risikoquellen für landwirtschaftliche Unternehmen dar. Verstärkend hierzu kommen zudem Veränderungen der agrarpolitischen Rahmenbedingungen und die steigende Fremdkapitalisierung der Agrarbetriebe. Aus diesem Grund kommt den Instrumenten des betrieblichen Risikomanagements eine wachsende Bedeutung zu. So ist die Diskussion um die landwirtschaftliche Erntemehrgefahrenversicherung Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten der letzten Jahre und Jahrzehnte. Ein Motiv hierfür ist eine mit ihr oft im Zusammenhang stehende staatliche Prämiensubvention in vielen Ländern außerhalb Deutschlands.
Die vorliegende Arbeit sucht zum einen nach Antworten auf die Fragen, warum (in Deutschland) keine privatwirtschaftliche Erntemehrgefahrenversicherung existiert und wie eine solche aussehen könnte. Dazu werden bereits bestehende Versicherungslösungen anderer Länder klassifiziert, bewertet und daraus abgeleitet ein Empfehlung für eine deutsche Versicherungslösung abgegeben.
Zum anderen werden versicherungsmathematische Verfahren hergeleitet um Aussagen zu Prämienhöhen, Rückversicherungskosten, Ruinwahrscheinlichkeiten und damit verbundene Eigenkapitalanforderungen von Versicherungsunternehmen quantifizieren zu können.
Es zeigt sich, dass sowohl eine Versicherungslösung nach US-amerikanischen Vorbild, als auch Wetterderivate als Vorschlag für eine deutsche Erntemehrgefahrenversicherung abgelehnt werden. Dagegen erscheint es sinnvoll, die bereits existierende Hagelversicherung auf die Gefahren Sturm, Starkregen, Auswinterung, Frost und Trockenheit auszuweiten. Allerdings stellt sich dabei die Absicherung gegen Trockenheit auf Grund des hohen Kumulrisikos als problematisch heraus, so dass diese nicht ohne eine staatliche Co-Finanzierung etabliert werden kann.
Im empirischen Teil der Arbeit ergibt sich abschließend für eine derartige Erntemehrgefahrenversicherung in Deutschland ein Gesamtprämienvolumen in Höhe von 575 Mio. Euro. Dies entspricht bei einer staatlichen Prämiensubvention von 50% einem Finanzierungsaufwand in Höhe von 287,5 Mio. Euro. Als mögliche Alternative einer Prämienunterstützung einer solchen Gesamtdeckungsvariante wird eine partiell geförderte Trockenheitsversicherung mit einer staatlichen Kostenbeteiligung an den Prämien in Höhe von 216 Mio. Euro vorgeschlagen. Dies führt bspw. bei einer Prämiensubvention von 50% zu Kosten in der Höhe von 108 Mio. Euro. Daneben würde der Finanzierungsbedarf bei einer staatlichen Rückversicherung der Einzelgefahr Trockenheit mit Kosten in Höhe von 50 – 119 Mio. Euro. zu Buche schlagen.
Kurzfassung auf Englisch: The influence of the weather on agricultural production, particularly the cultivation of land, has always been affected like in no other area of the economy. Since this important factor of production cannot or just slightly be manipulated, it represents one of the largest sources of risk for agricultural enterprises. Also there are changes of agricultural general regulations and the rising foreign capitalization of the agrarian enterprises. For this reason there is an increasing concern for the instruments of the operational risk management. The agricultural multi-peril crop insurance is object of discussion of numerous dissertations for the last years and decades. A reason for this is related to national premium subsidies in many countries outside Germany.
On the one hand the present study is looking for answers to the questions, why (in Germany) no private multi-peril crop insurance does exist, and if so, would what it look like. These existing insurance solutions from other countries are classified, evaluated and, derived from that, a recommendation for a German insurance solution is given.
On the other hand, actuarial methods are derived to be able to quantify statements on premium levels, reinsurance costs, probability of ruin and associated capital requirements of insurance companies.
It appears that both insurance solution according to the U.S.-model and weather derivatives as a proposal for German multi-peril crop insurance is rejected. However, it seems reasonable to extend the already existing hail insurance on the dangers of storm, heavy rain, losses of winter grain arising from perishing by cold, rottenness or suffocation, frost and drought. Indeed, the coverage against drought is problematic on grounds of high accumulation risk, so that it cannot be established without a state co-financing.
In the experiential part of the work finally a total premium volume of € 575 million arises for such multi-peril crop insurance in Germany. This corresponds to a financing expenditure at a value of € 287, 5 millions with a national premium subsidy of 50 %. As a possible alternative of a premium support of such version of total cover, partially promoted drought insurance with a national cost participation in the premiums at a value of € 216 millions is suggested. This produces for example with a premium subsidy of 50 %, expenses amounting to € 108 million. In addition, the borrowing requirements with a national reinsurance for the individual risk of drought would generate costs in the amount of € 50 to 119 million.