Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-77621
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7762/


Auswirkungen klinischer und subklinischer Krankheit auf ethologische und klinisch-chemische Merkmale beim Schwein

Hübner-Weitz, Katrin


Originalveröffentlichung: (2010) Giessen : VVB Laufersweiler
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.985 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Wiederkäuer und Schweine
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5614-8
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.07.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 31.08.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Ein wichtiger Aspekt für ungestörtes Wohlbefinden und gute Lebensqualität bei Nutztieren
ist die Abwesenheit von Krankheit. Während einer Infektion kommt es zu koordinierten
Änderungen sowohl des Verhaltens als auch physiologischer Indikatoren, die auf die
Präsenz von Krankheit und Leiden hinweisen. Derartige Veränderungen werden im
Angelsächsischen mit dem Begriff „sickness behaviour“ beschrieben. Die Folgen sind u.a.
eine erhöhte Körpertemperatur und die Entstehung krankheitsspezifischen Verhaltens.
Obwohl Änderungen des Verhaltens und physiologischer Vorgänge im Organismus im Falle
einer Erkrankung einem zentral motivierten und nützlichen Geschehen entsprechen, dessen
Ziel es ist, eine Rekonvaleszenz herbeizuführen, kommt es zu Einschränkungen
körperlicher Funktionen und der Integrität des Verhaltens. Dies führt zu einem
eingeschränkten Wohlbefinden, aus dem ein Leidenszustand abgeleitet werden kann.
Infektionskrankheiten sind im Bereich der Tierproduktion weit verbreitet. Sie stellen ein
großes Problem dar. Bisher wurden allerdings nur wenige Studien veröffentlicht, die
Auswirkungen spezifischer Krankheiten auf Verhaltensindikatoren beim Schwein detailliert
beschreiben: Untersuchungen zu Verhaltensänderungen bei Morbus Aujeszky, Colidiarrhoe
nach dem Absetzen und PRRS (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom).
In der vorliegenden Studie sollte geprüft werden, inwieweit anhand veränderter
Verhaltensindikatoren und deren Bezug zu klinischen, hämatologischen und klinischchemischen
Parametern in definierten Krankheitsmodellen die Einschätzung des tierischen
Leidens im Zuge von Infektionskrankheiten verbessert werden kann.
Basierend auf einem definierten Parasitose-Modell (Sarcocystis miescheriana) wurden die
tierartspezifischen Verhaltensparameter Liegen, Aktivität im Liegen, Laufen, Futter- und
Wasseraufnahme, Wühlen/Erkunden und Sozialkontakte bei Schweinen der F2-Generation
einer Kreuzung aus Meishan und Pietrain während der klassischen Phasen der Infektion
beurteilt. Vorteil des ausgewählten Krankheits-Modells ist, dass sich bereits bei einer milden
Infektion die unterschiedlichen Krankheitsstadien (akut, subklinisch, chronisch) differenziert
darstellen lassen. Anhand von Videoaufzeichnungen wurden die genannten
Verhaltensweisen quantifiziert und ausgewertet und mit parallel erhobenen klinischen und
labordiagnostischen Parametern in Zusammenhang gebracht.
Verglichen mit dem physiologischen Stadium, in dem eine Gesamtaktivität der untersuchten
Schweine von 44 % des Beobachtungszeitraumes nachgewiesen wurde, konnte im
Akutstadium (Tag 14 p. i.), welches durch den Ablauf der zweiten Schizogonie der
Sarcocystose verursacht wird, eine signifikante Änderung des gesamten
Verhaltensrepertoires beobachtet werden. Die aktiven Verhaltensindikatoren waren in ihrer
zeitlichen Ausprägung auf 10 % der Beobachtungszeit reduziert. Die Phasen des inaktiven
Liegens waren dementsprechend verlängert. Im chronischen Stadium der Infektion (Tag 42p.i.) kommt es zur Bildung von Zysten in Skelett- und Herzmuskulatur. In diesem Zeitraum
kam es im Vergleich zu den gesunden Schweinen ebenfalls zu einer herabgesetzten
Gesamtaktivität von 20 %. Das dazwischen liegende subklinische Krankheitsstadium (Tag
28 p.i.) wies trotz Erholung der Tiere von der akuten Krankheit immernoch signifikante
Änderungen des Verhaltensmusters auf (Gesamtaktivität von 33 %).
Die Ergebnisse der Verhaltensbeobachtungen deckten sich mit Änderungen der klinischen,
hämatologischen und klinisch-chemischen Parameter im akuten, subklinischen und
chronischen Stadium der Sarcocystose. Unabhängig vom Infektionsstadium hatten
Schweine mit pathologischen klinischen und labordiagnostischen Werten ein 2 bis 5-fach
erhöhtes Risiko, ein Verhalten zu entwickeln, das außerhalb des zuvor definierten
„Standardbereiches“ der gesunden Population lag. Bemerkenswert waren Verknüpfungen
des Verhaltens mit der Körperinnentemperatur sowie u.a. mit Laborparametern wie der
Kreatinkinase, der Aspartataminotransferase und den Leukozyten. Vermutet werden könnte
auch ein Zusammenhang mit der Aktivität der Alkalischen Phosphatase. Dies wäre aber in
weiteren Untersuchungen zu beweisen.
Aufgrund der Abweichungen des Verhaltens von den zuvor definierten
Standardbedingungen war davon auszugehen, dass die erkrankten Schweine nicht mehr
ihrer artspezifischen Bedürfnisbefriedigung nachgehen konnten. Dadurch wurde das
Wohlbefinden der Tiere gestört und im Sinne verschiedener Autoren (u.a. Brummer 1978;
Sambraus 1981, 1991; Martin 1996; Würbel 2009) ein Leidenszustand induziert. Über die
enge Korrelation zu klinischen und labordiagnostischen Parametern könnte in Zukunft eine
verbesserte Basis geschaffen werden, um Wohlbefinden und Leiden bei Tieren frühzeitig
und objektiver zu erfassen und zu quantifizieren.
Kurzfassung auf Englisch: The absence of disease is important for the welfare and quality of life of farm animals. During
an infection in such animals there are both behavioural and physiological indicators of
sickness and suffering. These coordinated changes are referred to as “sickness behaviour”.
The results include an increased body temperature and the existence of sickness related
behaviour.
Changes in the behaviour and physiological process of the animal in the event of sickness
correspond to a centrally motivated and useful state, the goal of which is to allow the
organism to reconvalesce. However, the restrictions of bodily function and the integrity of its
behaviour can lead to a state of suffering.
Infectious diseases are widespread in the area of animal production, and present a large
problem. At this stage, very few studies have been published which describe the effects of
specific diseases on the behavioural indices of pigs: examinations of changing conditions in
Morbus Aujeszky, postweaning colibacillosis and PRRS (Porcine Reproductive and
Respiratory Syndrome).
This study proposes to examine how changes in the animal´s behaviour and its relationship
to clinical and clinical-chemical parameters in defined disease models can improve the
assessment of the animal´s suffering from infectious disease.
Based on a well-defined model disease (Sarcocystis miescheriana) we have studied the
behavioural patterns of F2 Meishan x Pietrain crossbred pigs in various stages of health,
acute disease, recovery and chronic disease. Prime advantage of the model is the ability to
induce a definite, but relatively mild clinical infection with expression of the three distinct
stages of Sarcocystosis. Data showing the pigs lying inactive, activity during lying, feeding
and drinking, walking, rooting and social interactions were captured from video records and
associated with clinical/clinical-chemical parameters.
In comparison to the physiological stage, where the observed pigs were active 44% of the
studied period, in the acute stage (day 14; during second-generation schizogony) a
significant change in the overall behaviour was observed: total activity of the pigs was
reduced to 10% of the observed time. The phases of inactive lying were accordingly
extended. In the chronic stage of infection (day 42) encystations develop in the skeletal
muscles and the heart. During this stage, compared to healthy pigs, the total activity was
reduced to 20%. Between these two stages, the pigs start to recover from acute disease and
become subclinical (day 35). Despite this recovery, the pigs still show significant changes in
behaviour (total activity of 33%).
The results of the observed behaviour were in agreement with most patterns of clinical and
clinical-chemical parameters in the acute, subclinical and chronical stages of Sarcocystosis.
Independent of the stages of infection, pigs with pathological clinical and clinical-chemical