Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-77599
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7759/


Mikronährstoffmangel bei Kindern in Jaffna, Sri Lanka

Micronutrient deficiency with children in Jaffna, Sri Lanka

Nagalingam, Balamurugan


pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.119 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaft
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.06.2010
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 23.08.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Als diese Studie durchgeführt wurde, funktionierte die Wirtschaft in Jaffna wieder einigermaßen. Die ausgewählten Probanden waren aus Jaffna und Umgebung. Sie wohnten inzwischen seit ca. 2 Jahren in den für die Studie ausgewählten Gebieten. Die anhand der Ernährungsfragebögen erhobenen Daten, die mit Hilfe des Nutri¬survey Pro¬gramms ausgewertet wurden, zeigen einen Überblick über die Nahrungs¬aufnahme der Bewohner in Jaffna und ihrer Umgebung im Jahre 2004. Der Nähr¬stoffgehalt / 100 g Nahrungsmittel wurde bestimmt. Die zeigt einen Der Nähr¬stoffgehalt der angegebenen Nahrungsmittel war bei den Probanden aus-gewogen.

Nach den laborchemischen Ergebnisse zeigen 50 % der Kinder einen erniedrigten Hb-Wert bei normwertigem Eisen-, Ferritin- und Transferrin-Werten im Serum. Die Hakenwurminfektion wurde bei allen Probanden durch die Stuhluntersuchung aus-geschlossen, sodass der Hakenwurm als Ursache für das erniedrigte Hämoglobin nicht in Betracht kommt.

Bei der Anamneseerhebung wurden von einigen Kindern folgende Symptome angegeben: z.B. Müdigkeit, Leistungsminderung, Kopfschmerzen, Dyspnoe bei Belas¬tung und Tachykardie. Diese Symptomatik passt zu einer Anämie. Bei den Kindern, die symptomatisch auffällig waren und bei denen der Hb-Wert erniedrigt war, wurde zunächst eine Entwurmung durchgeführt. Bestand jedoch weiterhin ein erniedrigter Hb-Wert, wurde Eisen substituiert. Als Ursache für die Anämie konnte B12- und / oder Folsäuremangel in Betracht gezogen werden. Diese beiden Para-meter wurden bei der Studie nicht berücksichtigt.

Jod wurde in der vorliegenden Studie nicht bestimmt. Bei 14 % der untersuchten Kinder waren jedoch die TSH-Werte erhöht. Die TSH-Erhöhung ist nicht einfach zu erklären, weil Fisch traditionell ein wichtiges Nahrungsmittel ist. Wegen des beste-henden Fischfang-Verbotes ist die Versorgung mit jodhaltiger Nahrung aber nicht gesichert. Der relativ hohe Anteil an Schulkindern mit erhöhten TSH-Werten ist allerdings über eine Fisch-Mangel-Ernährung nicht einfach zu erklären. Den Kindern mit kli¬nisch diagnostizierter Struma wurde jodiertes Salz sowie ein vermehrter Konsum von jodreichen Nahrungsmitteln von den Vertretern der Gesundheitsämter empfoh¬len. Falls die Symptome auch weiterhin bestanden, wurde den Kindern Jod sub¬stituiert. Über die Menge ließ sich leider keine genaue Angabe finden, so dass die Sub¬stitution unzureichend gewesen sein könnte. Differenzialdiagnostisch könnte eine Jod¬resorptionstörung vorliegen.

Das Ergebnis des Vitamin-A-Mangels ergibt ein schwer zu interpretierendes Bild. Aus der Nährstoffaufnahme (Abb. 23) ergibt sich, dass der empfohlene Wert deutlich überschritten wurde. Vitamin-A wurde bei allen 133 Kinder untersucht. Bei 20 Kin¬dern fanden sich Symptome - trockene Haut, konjunktivale Sklerose und Horn¬hauttrübung - die üblicher¬¬weise auf einen Vitamin-A-Mangel hinweisen. Dies ist aus zwei Gründen überraschend. Alle Kinder erhielten halbjährlich eine Vitamin-A- und Vitamin-D-Kap¬sel-Substitution. Die dennoch beobachteten Symptome lassen sich möglicherweise über verschiedene Ursachen erklären. Erstens könnten die 20 Kinder aus Flücht¬lingslagern stammen, in denen die Versorgungslage deutlich schlechter war. Dann wären die Symptome doch auf eine, in der jüngeren Vergangenheit liegende Vitamin-A-Unterversorgung zurückzuführen. Alternativ könnte bei den betroffenen Kindern eine Resorptionsstörung für Vitamin-A vorliegen. Daher wurde bei diesen Kindern Retinol im Serum bestimmt. Die gemessenen Werte befanden sich im Normbereich, sodass sich die Symptome nur noch über eine Stoff¬wechsel¬störung erklären lassen.

Aufgrund der oralen Eisen-, Vitamin-A- und Jod-Substitution war eine sichere Aus-sage nicht möglich. Wer es sich finanziell leisten konnte, konnte sich auch adäquat ernähren. Wenn kein Nährstoffmangel besteht, ist eine Substitution von Vitaminen und Mineralien sowie die Entwurmung ohne sicheren Hakenwurm-Nachweis nicht empfehlenswert. Die Gesundheitsämter arbeiten zwar in dieser Hinsicht schon flächen¬deckend, aber dies reicht bei weitem noch nicht aus. Es ist daher ver-ständlich, dass auch in der Zukunft noch viele Mittel für die Gesundheits¬versorgung benötigt werden, damit die Menschen ausreichend und effektiv medi¬zinisch behan-delt werden können. Zur Abklärung der genauen Ursachen müsste eine weiter-führende Labordiagnostik durchgeführt werden. Gegen die Realisierung sprachen - zumindest in der momentanen Situation - organisatorische und finanzielle Gründe.
Kurzfassung auf Englisch: While this study was being carried out, economy in Jaffna was running relatively smoothly again. The chosen test persons were from Jaffna and its surroundings. They had been living in the area picked out for this study for about two years. The data collected on the basis of nutrition questionnaires, which were evaluated with the help of Nutrisurvey Programmes, display an overview of the ingestion of food among the population of Jaffna and its surroundings in 2004. The nutrient value of food per 100 g was analysed. The diagram number 23 depicts a balanced nutrient value in the indicated food consumed by the test persons.

An investigation of laboratory chemical test results shows that 50 % of the children had a reduced Hb-level despite standardized iron-, ferritin-, and transferritin-values in the serum. Any hookworm infection among the test persons was excluded after a previous examination of their bowel movements, so that the hookworm could not be made responsible for the reduced level of haemoglobin.

During anamnesis, several children revealed various symptoms, such as tiredness, reduction in performance, headache, dyspnoea under strain, and tachycardia. Such symptoms point to anaemia. Children who displayed conspicuous symptoms and whose Hb value was significantly low, underwent a cure against worms in the first place. In case the reduced Hb level persisted, iron was administered. As a cause of anaemia, a lack of B 12 and/or folic acid could have been taken into consideration, but these two parameters were not subject of this study.

In the study at hand, iodine was not assessed. However, with 14 % of the children the TSH values were elevated. Such a TSH elevation is not easy to account for, since fish is traditionally an essential part of their food supply. Because of the current fishing prohibition, the supply with food containing sufficient iodine is not guaranteed. The relatively high number of school children with elevated TSH values cannot simply be accounted for because of a lack of supply with fish. Children in whom struma was clinically diagnosed were recommended to consume more iodized salt and food rich in iodine by representatives of the public health departments. When the symptoms continued to exist, iodine was administered to the children. As to the amount of medicine, there are no precise details available, so that the substitution may have been insufficient. From a differential diagnostic point of view the cause might be a dysfunction of iodine absorption.

The finding of the lack of vitamin A is hard to analyse. Judging from the ingestion of food (shown in figure 23), the recommended value was distinctly surpassed. All 133 children were examined, and with 20 of them, the following symptoms were discovered: dry skin, conjunctival sclerosis, and corneal opacity, all of which usually point to a lack of vitamin A. This is astounding, because all of the children received a substitution of vitamin A and vitamin D capsules every six months. The symptoms found despite this medication can possibly be attributed to various reasons. On the one hand, these 20 children may have come from refugee camps where the food supply conditions were considerably worse. Thus, the symptoms could be ascribed to a defective supply with vitamin A in recent times. On the other hand, there might be a dysfunction of vitamin A absorption among the children concerned. Therefore, retinol was determined in the serum for these children. The measured values were within the normal range, and hence the symptoms could only be accounted for on the grounds of a metabolic disorder.

Due to the previous oral substitution of iron, vitamin A and iodine, a definite conclusive statement was not possible. Those families with a satisfactory financial back¬ground, were able to feed themselves adequately. As long as there is no food shortage, a substitution with vitamins and minerals or de-wormification without a definite evidence of hookworm infection is not recommended. In this respect, the local public health departments can offer a wide coverage of medical support, but this is still not far-reaching enough. So, it is evident that, also in future, many more means in the medical health service will be needed to provide the citizens with sufficient and efficient medical care. In order to clear up the causes and needs, further laboratory diagnostics should be carried out. In the given situation, both organizational and financial problems ruled out realization of further projects.