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Epidemiologie, Lokalisation und Rezidivierungsverhalten ausgewählter maligner Tumoren bei Hund, Katze und Pferd : Eine retrospektive Studie an 5.287 präsumptiv malignen Tumoreinsendungen an das Institut für Veterinär-Pathologie der Justus-Liebig-Universität, Gießen

Sturm, Tamara


Originalveröffentlichung: (2010) Giessen : VVB Laufersweiler
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.443 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Veterinär-Pathologie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5608-7
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.08.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 31.08.2010
Kurzfassung auf Deutsch: 1. Bei der vorliegenden Arbeit wurden Untersuchungen zur Epidemiologie, zu eventuell
bestehenden Assoziationen zwischen Verdachtsdiagnose des einsendenden Tierarztes und der
tatsächlichen histopathologischen Diagnose im Sinne von klinischen Differentialdiagnosen
sowie zum Rezidivierungsverhalten ausgewählter maligner Tumoren bei Hund, Katze und
Pferd durchgeführt.
2. In der Literaturübersicht wurden die epidemiologischen Daten der untersuchten
Tumorarten, getrennt nach Hund, Katze und Pferd, zusammengestellt. Weiterhin wurden
Angaben zu bevorzugten Lokalisationen, klinischen Differentialdiagnosen und dem
Rezidivierungsverhalten aufgeführt. Jeder untersuchten Tumorart wurde eine kurze generelle
Abhandlung bezüglich der Besonderheiten und dem aktuellen Stand der Wissenschaft
vorangestellt.
3. Die eigenen Untersuchungen wurden anhand von 5.287 präsumptiv malignen
Tumoreinsendungen an das Institut für Veterinär-Pathologie der Justus-Liebig-Universität
Gießen durchgeführt. Der Ergebnisteil für jede Tumorart, aufgeteilt nach Tierarten, umfaßt
3 Teilbereiche: "Epidemiologie", "Lokalisationen und Differentialdiagnosen" sowie
"Rezidivierungsverhalten". Die Ergebnisse des Teilbereichs "Rezidivierungsverhalten"
wurden, falls bekannt, nach den Schnittgrenzen der Erstentfernung weiter unterteilt. Den
Ergebnissen wurde ein Vergleich der Rasseverteilung der Einsendungen mit der
Basispopulation nach Bomhard (2001) vorangestellt, deren Abweichungen mittels χ²-Test auf
ihre Signifikanz hin überprüft wurden.
4. In der Diskussion wurden die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen mit dem
Schrifttum verglichen. Abgesehen von den teils auswahlbedingten Abweichungen der
Fallanteile stimmen die epidemiologischen Daten, die Lokalisationen der Tumoren und die
Differentialdiagnosen weitestgehend mit den Angaben in der Literatur überein. Die
Ergebnisse zum Rezidivierungsverhalten ergänzen bzw. erweitern die im Schrifttum
aufgeführten Fälle.

5. Abweichungen der Ergebnisse der eigenen Untersuchungen zu den Angaben im
Schrifttum:
a) Die beschriebene Rasseprädisposition von Siamkatzen für Lymphosarkome konnte
nicht bestätigt werden, da keine Einsendung eines Lymphosarkoms von einer
Siamkatze stammte.
b) Die beschriebene Rasseprädisposition des Cocker Spaniels für orale Melanome
konnte nicht bestätigt werden, da keine Einsendung eines oralen Melanoms von einem
Cocker Spaniel stammte.
c) Die Assoziation zwischen einer Hyperpigmentierung infolge einer chronischen
Entzündung der Haut und einem malignen Melanom bei der Katze wird als
Differentialdiagnose in der Literatur nicht erwähnt. Diese Diagnose kam jedoch bei
den Verdachtsfällen auf ein Melanom genauso oft vor wie ein tatsächliches Melanom.
d) Der in der Literatur genannte Anteil tonsillärer Plattenepithelkarzinome beim Hund
von 33 % bis 59 % an den Plattenepithelkarzinomen der Maulhöhle konnte nicht
bestätigt werden, da keiner der 12 Fälle die Tonsillen betraf.
e) Bei den eingesandten caninen Hautproben mit dem Verdacht auf ein Fibrosarkom
wurde bei 11 % der Proben ein Mastzellentumor befundet. Über diese Verwechslungsgefahr
wird in der Literatur nicht berichtet.
Weiterhin war bei den felinen Hautproben häufig eine Verwechslung zwischen einem
vermuteten Fibrosarkom und einem Lipom zu beobachten. Auch dieses wird im
Schrifttum nicht als Differentialdiagnose erwähnt.
f) Osteosarkome des Hundes waren auffallend häufig an der Ulna lokalisiert
(11 % der Fälle), einer sonst eher als selten angesehenen Stelle. Des weiteren wurde
kein Fall eines Osteosarkoms der Rippen verzeichnet, obwohl in der Literatur dafür
Anteile von 4 % bis 11 % angegeben werden.
g) Boxer waren unter den Hämangiosarkomfällen mit nur 4 % der Fälle vertreten,
obwohl fast alle Autoren eine Rasseprädisposition annehmen.
6. Die Verdachtsdiagnose eines Mastzellentumors bei Katzen, eines Lymphosarkoms bei
Hunden, eines malignen Melanoms bei Pferden, eines Plattenepithelkarzinoms bei Pferden
oder eines Fibrosarkoms bei Katzen ließ sich in 59 % bis 71 % der Einsendungen
histopathologisch bestätigen.
Eine niedrige Übereinstimmung zwischen Verdachtsdiagnose des einsendenden Tierarztes
und histopathologischer Diagnose von nur 19 % bis 39 % war bei einem Verdacht auf ein

Lymphosarkom bei Katzen, ein malignes Melanom bei Hunden oder Katzen, ein Fibrosarkom
bei Hunden oder ein Osteosarkom bei Katzen zu finden.
Kurzfassung auf Englisch: 1. In the present study, investigations were performed on epidemiology, existing
associations between the presumed diagnosis of the submitting veterinarian and the confirmed
histopathological diagnosis with regard to a clinical differential diagnosis, and on recurrences
of selected malignant neoplasms in dogs, cats, and horses.
2. In the literature review, epidemiological data of the different kinds of tumors
investigated are presented, each for dogs, cats, and horses. Further, information concerning
preferred locations of these tumors, common clinical differential diagnoses, and recurrences
were collected. Data on each kind of tumor investigated is preceded by a short summary
concerning special items and the actual state of research.
3. Investigations were performed on 5.287 presumptive malignant tumor samples,
submitted to the Institute of Veterinary Pathology of the Justus-Liebig-University Giessen.
The results for each kind of tumor, each for dogs, cats, and horses, were further separated into
3 parts, i.e. "epidemiology", "localizations and differential diagnoses", and "recurrences". The
results of the topic "recurrences" were further subdivided according to the surgical margins of
the first removal, if the information was available. The results are preceded by a comparison
between the reference population given by Bomhard (2001) and the breed distribution of the
investigated submissions. Deviations were statistically evaluated for significance, using the
χ²-test.
4. In the discussion, the results of this study are compared with the data from literature.
Except for some differences based on selection criteria, epidemiological data, preferred
locations, and differential diagnoses of the tumors investigated were in accordance with the
statements in literature. The results concerning recurrences contribute to and expand the
cases given in literature.

5. Main results of the presented investigations that differ from statements given in the
literature are:
a) The stated breed predisposition for Siamese cats for lymphosarcomas could not be
confirmed, as no lymphosarcoma sample was from a Siamese cat.
b) The stated breed predisposition for Cocker Spaniels for oral melanomas could not
be confirmed, as no oral melanom sample was from a Cocker Spaniel.
c) In literature, an association between hyperpigmentation following chronical dermal
inflammation and malignant melanoma in cats is not mentioned. However, this
diagnosis was in the submitted cases of suspected malignant melanomas as frequent as
malignant melanomas themselves.
d) The high prevalence of squamous cell carcinomas of the tonsils in dogs
(33 % to 59 % of all canine oral squamous cell carcinoma cases in literature) could not
be confirmed, as none of the 12 samples of an oral squamous cell carcinoma originated
from the tonsils.
e) In the submitted canine skin samples of a presumed fibrosarcoma, a mast cell tumor
was diagnosed in 11 % of the samples. This differential diagnosis is not mentioned in
literature.
Furthermore, in the feline skin samples, a presumed fibrosarcoma was frequently
confused with a lipoma. Again, this is not stated as differential diagnosis in literature.
f) Eleven per cent of the observed osteosarcoma cases originated in the ulna, a rather
rare location according to literature. Furthermore, there was a lack of osteosarcomas
involving the ribs, although it is stated in literature that 4 % to 11 % of all
osteosarcomas originate in the ribs.
g) Boxer dogs made up only 4 % of all investigated canine hemangiosarcoma cases,
although almost all authors state a breed predisposition.
6. The presumed diagnosis of a mast cell tumor in cats, a lymphosarcoma in dogs, a
malignant melanoma in horses, a squamous cell carcinoma in horses, or a fibrosarcoma in cats
was confirmed histopathologically in 59 % to 71 % of the cases.
A poor rate of accordance between the presumed diagnosis and the confirmed
histopathological diagnosis of only 19 % to 39 % was found if a lymphosarcoma in cats, a
malignant melanoma in dogs or cats, a fibrosarcoma in dogs, or an osteosarcoma in cats was
suspected by the submitting veterinarian.