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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-77285
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7728/


Evaluation der Hämatologiesysteme Sysmex pocH-100iV Diff und XT-2000iV für die Tierart Katze

Nakagawa, Julia


Originalveröffentlichung: (2010) Giessen : VVB Laufersweiler
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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere, Klinische Pathophysiologie und klinische Laboratoriumsdiagnostik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5600-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.06.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 02.08.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden Studie ist die Evaluation des Sysmex XT-2000iV, einem
Großlaborgerät und des Sysmex pocH-100iV Diff, einem Hämatologiesystem für die
Anwendung in der Praxis.
Material und Methoden
Zur Untersuchung werden EDTA-antikoagulierte Blutproben von 208 Katzen, die
innerhalb von vier bis sechs Stunden verarbeitet werden, herangezogen. Als
Vergleichsmethode dienen der ADVIA 2120, der Zentrifugenhämatokrit und eine
manuelle Differenzierung von 200 Leukozyten. Ein Blutausstrich zur
Retikulozytenzählung (Zählung von insgesamt 1000 Erythrozyten) dient als Vergleich
zur gemessenen Retikulozytenzahl. Zusätzlich erfolgen eine Bestimmung der
Linearität und Verschleppung, ein Antikoagulanzvergleich sowie ein
Blutlagerungsversuch über 72 Stunden mit gekühlten und ungekühlten Blutproben.
Für alle drei Geräte wird eine Präzisionsmessung innerhalb einer Serie zur
Berechnung der Standardabweichung und des Variationskoeffizienten durchgeführt.
Die lineare Regression, der Spearman Korrelationskoeffizient rs, die Passing-Bablok
Regression sowie die Bland-Altman Analyse (errechnet mittels Microsoft Excel
„Analyse-it“ (Version 2.04)) dienen zur statistischen Auswertung des
Methodenvergleichs.
Ergebnisse
Die Bestimmung der Präzision ergibt bezüglich des Variationskoeffizienten der
Blutzellzählung sehr gute bis gute Werte zwischen 0,31% und 7,62%. Der schlechte
Variationskoeffizient (118,62%) der Thrombozytenzählung des pocH-100iV Diff ist
daher auffällig, muss jedoch im Zusammenhang mit der bekannten Problematik einer
Limitation der Impedanztechnologie zur Bestimmung von Katzenthrombozyten
gewertet werden. Betrachtet man die Blutzelldifferenzierung, liegen die
Vaiationskoeffizienten zwischen 1,18% und 13,05%. Der Linearitätsversuch ergibt
zufrieden stellende Ergebnisse.
Im Methodenvergleich XT-2000iV mit ADVIA 2120 der Parameter WBC, RBC, HGB,
HCT, MCH, MCHC, MCV, PLT werden Spearman-Korrelationskoeffizienten zwischen

1 und 0,37 erreicht. Die Mittelwertunterschiede betragen 0,18x 109/l für WBC, 0,46x
1012/l für RBC, -1,72 mmol/l für HGB, 0,00 l/l für HCT, -0,26 fmol/l für MCH, -7,25
mmol/l für MCHC, 2,58fl für MCV, 3,8x 109/l für PLT. Bezüglich der Thrombozyten ist
trotz niedrigem Mittelwertunterschied eine weite Streuung der 95%igen
Übereinstimmungsgrenze auffällig. Betrachtet man die „slope“ Werte, fallen
proportionale Fehler im Vergleich von RBC, HGB, HCT, MCH, MCV und PLT auf.
Im Vergleich pocH-100iV Diff mit ADVIA 2120 der Parameter WBC, RBC, HGB, HCT,
MCH, MCHC, MCV, PLT liegen die Spearman-Korrelationskoeffizienten zwischen
0,96 und 0,32. Es werden folgende Mittelwertunterschiede erzielt: 0,71x 109/l für
WBC, 0,30 x 1012/l für RBC, -1,81 mmol/l für HGB, 0,00 l/l für HCT, -0,25 fmol/l für
MCH, -6,62 mmol/l für MCHC, 1,53 fl für MCV, 48,0 109/l für PLT. Hinzu kommt eine
weite Streuung der 95%igen Übereinstimmungsgrenze der PLT. Proportionale Fehler
sind hier bei RBC, HGB und dessen Indizes sowie PLT auffällig.
Betrachtet man die Ergebnisse der Differentialblutbilder sind im manuellen Vergleich
für die Geräte XT-2000iV, pocH-100iV Diff und ADVIA 2120 Spearman-
Korrelationskoeffizienten zwischen 0,92 und 0,44, sowie Mittelwertunterschiede von
-4,34 bis-3,88% für neutrophile Granulozyten, 1,67 bis 5,68% für Lymphozyten, 0,74
bis 2,74% für Monozyten, 0,05 bis 0,89% für eosinophile Granulozyten und -6,15 für
OTHR ermittelt worden.
Die Retikulozytenzählungen des XT-2000iV fallen im Vergleich zum ADVIA 2120 und
zur manuellen Methode höher aus.
Im Antikoagulanzienvergleich besteht ein signifikanter Unterschied in der MCHC-
(EDTA und Heparin) Lymphozyten- (EDTA, Heparin und Citrat) und
Monozytenzählung (EDTA und Heparin) beim XT-2000iV und des MCV (EDTA,
Heparin und Citrat) beim pocH-100iV Diff.
In Betrachtung der Lagerungszeit und -temperatur erweisen sich WBC, RBC, HGB,
MCH stabil. HCT, MCV und MCHC werden durch eine Anschwellung der
Erythrozyten beeinflusst. Die Thrombozytenzahl ist instabil und steigt bereits nach
einer dreistündigen Lagerungszeit an. Die bei 4°C gelagerten Blutproben stellen sich
im Allgemeinen stabiler dar.

Schlussfolgerung
Im Gesamtbild stellen sich die Hämatologiesysteme als geeignet für den
Routinebetrieb dar. Die Abweichungen der Hämoglobinwerte und dessen Indizes
sind auf Grund eines proportionalen Fehlers des ADVIA 2120 zu begründen.
Möglicher Weise sind die proportionalen Fehler der RBC, des HCT und des MCV
Folge der technologischen Unterschiede der Geräte. Eine tierartspezifische
Softwareadaptation ist somit notwendig und bereits erfolgt. Die
Thrombozytenzählung stellt auf Grund der Aggregationsneigung bei der Katze ein
präanalytisches Problem dar, so dass weiterhin bei klinisch entscheidenden Werten
stets eine Schätzung und Verifizierung mittels Blutausstrich bei Katzen durchgeführt
werden sollte.
Zur Auswertung des Differentialblutbildes sollte beim XT-2000iV das Scattergramm
hinzugezogen werden. Dies sollte als Hilfestellung zur Erkennung von
pathologischen Blutproben verwendet werden. Letztendlich ist eine Verifizierung
mittels Blutausstrich unumgänglich. Die Aussage des Differentialblutbildes bei einem
Impedanzgerät (pocH-100iV Diff) ist in Frage zu stellen und bedarf ebenfalls einer
manuellen Verifizierung.
Eine Retikulozytenanalyse ist hinsichtlich der Anämieklassifikation von Vorteil. Auf
Grund der unterschiedlichen Ergebnisse bezüglich der manuellen Methode und des
ADVIA 2120/120 sind weitere Studien zur Bestimmung von gerätespezifischen Cutoff-
Werten erforderlich.
Der XT-2000iV stellt sich als Einsendegerät geeignet dar. Insgesamt sollten die
Proben kühl gelagert und die Messung sollte 36 Stunden nach der Blutentnahme
abgeschlossen sein. Für die Hämatokrit- und Thrombozytenbestimmungen sind
frühere Analysen erforderlich.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this study is the evaluation of the laboratory instrument Sysmex XT-
2000iV and the instrument pocH-100iV Diff for in-clinic use.
Material and methods
208 EDTA-anticoagulated blood samples of cats are measured within four to six
hours after blood withdrawal. For comparative studies the ADVIA 2120, the spun-
PCV, and a 200-cell manual differential is used. Reticulocytes are compared with a
1000-cell manual count. Additionally linearity, carry over, anticoagulation effects, and
storage effect over 72 hours with samples stored at 4°C and 22°C are evaluated.
A precision study is used for calculation of standard deviation and coefficient of
variation.
Linear regression, Spearmans correlation coefficient, Passing-Bablok regression
and Bland-Altman analysis (calculated with Microsoft Excel “Analyse-it” (Version
2.04)) are used for statistical evaluation of method comparison.
Results
The coefficient of variation (CV) of the precision studies range between 0.31 % and
7.62%. The CV of the platelet count of the pocH-100iV Diff was 118.62 %. CV´s in
leukocyte differential count range between 1.18 % and 13.05 %.
The results of the linearity experiment are good.
In method comparison of the XT-2000iV with the ADVIA 2120 the Spearman
correlation coefficients range between 1 and 0.37 for WBC, RBC, HGB, HCT, MCH,
MCHC, MCV, and PLT. Biases are 0.18x 109/l for WBC, 0.46x 1012/l for RBC, -1.72
mmol/l for HGB, 0.00 l/l for HCT, -0.26 fmol/l for MCH, -7.25 mmol/l for MCHC, 2.58fl
for MCV, and 3.8x 109/l for PLT. In spite of the low bias the range of the 95% limits of
agreement for PLT is high. Proportional errors are noticeable for RBC, HGB, MCH,
MCV, and PLT.
In comparison of the pocH-100iV Diff with the ADVIA 2120 Spearman correlation
coefficients for WBC, RBC, HGB, HCT, MCH, MCHC, MCV, and PLT range between
0,96 and 0,32. Biases are 0.71x 109/l for WBC, 0.30 x 1012/l for RBC, -1.81 mmol/l for

HGB, 0.00 l/l for HCT, -0.25 fmol/l for MCH, -6.62 mmol/l for MCHC, 1.53 fl for MCV,
and 48.0 109/l for PLT. Additionally a high range of the 95% limits of agreements for
PLT and proportional errors for RBC, HGB, its indices, and PLT are noticed.
Regarding the results of differential count for XT-2000iV, pocH-100iV Diff and ADVIA
2120 in comparison with manual differential the Spearman correlations coefficients
range between 0.92 and 0.44 and the biases range between -4.34 and -3.88% for
neutrophil granulocytes, between 1.67 and 5.68% for lymphocytes, between 0.74 and
2.74% for monocytes, between 0.05 and 0.89% for eosinophil granulocytes, and
-6.15 for OTHR.
A positive proportional bias for reticulocyte counting for the XT-2000iV compared with
ADVIA 2120/120 and the manual method is observed.
Comparing anticoagulants, a significant difference is detected for MCHC (EDTA and
Heparin) lymphocytes (EDTA, Heparin and Citrate) and monocytes (EDTA and
Heparin) (XT-2000iV) and for MCV (EDTA, Heparin and Citrate) (pocH-100iV Diff).
Regarding time and temperature of storage WBC, RBC, HGB, and MCH are stable.
HCT, MCV and MCHC are influenced by erythrocyte swelling. Thrombocyte counts
are unstable and are already rising after 3 hours of storage. More stable results are
received by storage at 4°C.
Conclusion
In general the evaluated instruments are adequate for laboratory and in-clinic use.
The proportional biases for HGB, MCH, and MCHC are caused by the measurements
with the ADVIA 2120 as shown in other studies. Proportional biases of RBC, HCT,
and MCV are possibly the result of different technologies of the instruments which
make a software-adaptation for each different species essential. A new and species
specific software adaptation is necessary and was therefore already created. The
results for PLT-counts are not sufficiently accurate for both instruments, but this error
is classified as a preanalytic error as a result of frequent platelet aggregation in cats.
Verification using a blood smear is recommended in feline blood samples for clinically
important values.
Leukocyte differential values should be interpreted with caution. Additional
scattergramm and blood smear interpretation is essential.

Reticulocyte analysis is very useful in classification of anemic patients. Because of
the positive proportional bias further studies are recommended for evaluation of an
instrument specific cut-off value.
Regarding the variability of results during storage, measurements should be finished
within 36 hours after blood sampling. For HCT and PLT analysis faster termination is
required.