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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7703/


Förderung selbstregulierten Schreibens in der Grundschule : Entwicklung und Überprüfung eines unterrichtsintegrierten Interventionsprogramms zur Förderung der Schreibkompetenz von Viertklässlern

Improving self-regulated writing in elementary classes : Developing and evaluating an intervention program for whole classroom arrangements to improve fourth graders’ composition skills

Budde, Sandra


pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.074 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): selbstreguliertes Lernen , Schreiben , Strategieinstruktion , Implementation
Freie Schlagwörter (Englisch): self-regulated learning , writing , strategy instruction , implementation
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Abt. Pädagogische Psychologie
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.07.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 13.07.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Schreiben ist eine hoch komplexe Aufgabe, die eine Vielzahl von interaktiven Prozessen umfasst, die überwacht und kontrolliert werden müssen, um hohe Leistungen hervorzubringen. Unerfahrenen Schreibern fehlen die hierfür notwendigen metakognitiven Fertigkeiten. Sie zeigen große Schwierigkeiten beim Verfassen von Texten. Harris und Graham (1996) entwickelten ein Interventionsprogramm für Schreibanfänger, „Self-Regulated Strategy Development“ (SRSD), welches die Instruktion von effektiven Schreibstrategien mit selbstregulatorischen Prozeduren kombiniert. In mehreren Metaanalysen konnte nachgewiesen werden, dass SRSD effektiv die Schreibfertigkeiten von Schülern fördert (Graham, 2006; Graham and Harris, 2003; Graham & Perin, 2007). In Deutschland erarbeiteten Glaser und Brunstein (2007) ein Interventionsprogramm zur Förderung der selbstregulatorischen Schreibfertigkeiten von Viertklässlern. In den bisherigen Studien wurden jedoch Kleingruppen fokussiert und der reguläre Klassenkontext vernachlässigt. Deshalb resultierten für die vorliegende Arbeit folgende Fragen, die in vier Untersuchungen beantwortet wurden:
(1) Sind Aufsatztrainings, die von Experten entwickelt wurden und sich in Studien mit Kleingruppen bewährten, erfolgreich in den Regelunterricht integrierbar?
(2) Sind selbstregulatorische Komponenten für die Effektivität eines Schreibtrainings zwingend erforderlich?
Die erste Studie war eine Lehrerbefragung mit zwölf Grundschullehrern. Anhand der Aussagen konnte geschlussfolgert werden, dass die befragten Lehrer wenig über selbstregulatorische Prinzipien und über effektive Schreibstrategietrainings wussten.
Als nächstes wurde ein „Unterrichtsintegriertes Selbstregulatorisches Aufsatztraining“ (USAT) zum Verfassen von narrativen Texten konzipiert und im Rahmen einer Pilotstudie in einer vierten Klasse (n=21) überprüft. Am Ende des Trainings schrieben die Schüler vollständigere, längere und qualitativ bessere Geschichten und planten effektiver.
In den anschließenden zwei Hauptuntersuchungen, die acht (n=156) bzw. elf (n=242) Klassen umfassten, wurden Klassen, in denen das USAT-Programm vermittelt wurde, mit Klassen, in denen ein Schreibtraining ohne selbstregulatorische Methoden unterricht wurde, verglichen. Die erste Studie wurde von geschulten Lerntrainern und die zweite von regulären Klassenlehrern durchgeführt. Jede Woche wurde eine Unterrichtseinheit (à 90 Minuten) über einen Zeitraum von sechs Wochen vermittelt. Zur Sicherung der Implementationsgenauigkeit wurden verschiedene Maßnahmen, beispielsweise Unterrichtsbeobachtungen, in allen Studien integriert.
Insgesamt überragten die USAT-Klassen die jeweiligen Klassen der Kontrollbedingung. Sowohl beim Posttest als auch beim Follow-Up schrieben sie vollständigere Geschichten und planten ihre Texte besser. Bezüglich der Geschichtenqualität und dem schreibbezogenen Wissen unterschieden sich die beiden Studien. Nur in der ersten Studie, die von Trainern durchgeführt wurde, zeigten die USAT-Klassen signifikant größere Leistungszuwächse bezüglich der Geschichtenqualität und des Wissens im Vergleich zu Klassen, die ein Training ohne Selbstregulation erhielten hatten.
Abschließend wurden Vorschläge für die Integration des USAT-Programms in die Lehrerausbildung erörtert.

Kurzfassung auf Englisch: Writing is a highly complex task which involves a multiplicity of interactive processes which need to be monitored and controlled to achieve high performance levels. Inexperienced writers, however, lack metacognitive abilities and show great difficulties when composing. Harris and Graham (1996) developed an intervention program, “Self-Regulated Strategy Development” (SRSD), for struggling writers which combines the instruction of effective composition strategies with self-regulation procedures. Several meta-analytic reviews have found that the SRSD program is quite effective in promoting school-age students’ writing skills (Graham, 2006; Graham and Harris, 2003; Graham & Perin, 2007). In Germany Glaser and Brunstein (2007) designed an intervention program to promote fourth graders’ skills in self-regulated writing. In the previous studies small group samples have been addressed and regular classroom contexts have been neglected. Thus, two research questions have been raised and followed up in four consecutive studies:
(1) Are self-regulation procedures still effective when implemented into naturally constituted classrooms?
(2) Is self-regulation the operative agent in successful writing instruction?
The first study was an opinion survey among twelve elementary school teachers which highlighted teachers deficits in knowledge of self-regulation procedures and effective writing strategies programs.
Next, a self-regulated writing strategies program for writing narrative texts was conceptualized and tested in one pilot study including one fourth grade class (n=21). Students were taught composition strategies in conjunction with self-regulation procedures. In the pilot study students wrote more complete, longer and qualitative better stories and planned more at the end of the self-regulated writing strategies program.
In the following two main studies eight (n=156) and eleven fourth grade classes (n=242) respectively were included. Classes who received the self-regulated writing strategies program were compared to classes who were taught the same writing strategies but received no instruction in self-regulation. The first one was carried out by trained instructors and the second by regular classroom teachers. Over a period of six weeks one writing session lasting 90 minutes were provided per week. To ensure fidelity of treatment integration several safeguards like observations in class were implemented in all studies.
All in all, strategy plus self-regulation classes outperformed classes in the comparison condition. Both at posttest and at maintenance they wrote more complete stories and planned their stories better. According to story quality and writing knowledge the two studies differed. Only in the first study which was conducted by trained instructors classes in the self-regulated writing strategies condition showed greater gains in story quality and writing knowledge than classes who received no training in self-regulation procedures.
Recommendations for integrating the self-regulated writing strategies program in teacher-training courses were given.