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Einfluss von Honig auf den Lipid- und Cholesterinstoffwechsel

Hoffmann, Sven


Originalveröffentlichung: (2010) Giessen : DVG Service 2010
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.751 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierärztliche Nahrungsmittelkunde
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 978-3-941703-78-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.06.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 01.07.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Störungen des Fettstoffwechsels mit erhöhten Blutfettwerten gehören zu den
häufigsten Erkrankungen unserer Zeit und stehen in ursächlichem Zusammenhang
mit Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Ein erhöhter Cholesterinspiegel stellt den
größten Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen dar.
Nachdem sich in tierexperimentellen und ersten klinischen Untersuchungen Hinweise
für einen günstigen Einfluss von Honig auf den Fettstoffwechsel zeigten, wurde der
mögliche Nutzen von Honig im Rahmen einer prospektiven, randomisierten, doppelblinden
Studie an 60 Hypercholesterinämiepatienten untersucht. Jeder
Studienteilnehmer verzehrte 14 Tage lang 75 g Honig oder 75 g eine honigähnlichen
Zuckerlösung aus Glukose und Fruktose als Plazebo. Ausführliche
Blutuntersuchungen wurden zu Beginn und am Ende der Studie durchgeführt. Die
Ernährungsgewohnheiten wurden protokolliert.
Der zusätzliche Verzehr von Honig führte nicht zu einer Reduktion des
Gesamtcholesterinspiegels. Weder der zusätzliche Konsum von täglich 70 g Honig
noch von 70 g Zucker hatten einen Einfluss auf den Gesamtcholesterinspiegel.
Honig führte genauso signifikant zu einem Abfall des HDL - Spiegels, wie der
Verzehr von Zucker. Weiterhin führte Honig zu einem ebenso signifikanten Anstieg
des LDL - Spiegels, wie der Verzehr von Zucker. Folgerichtig kommt es auch in
beiden Gruppen zu einem signifikanten Anstieg des Quotienten LDL / HDL. Der
Triglyzeridspiegel steigt durch Honig ebenso signifikant an wie durch Zucker.
Lag der Wert für das Gesamtcholesterin zu Beginn der Untersuchung in der
Honiggruppe bei durchschnittlich 265,7 mg / dl wurden zwei Wochen später
durchschnittlich 265,4 mg / dl gemessen. Diese Veränderung war nicht signifikant.
Das HDL - Cholesterin fiel im Verlauf der Studie von 66,8 mg / dl auf 64,0 mg / dl.
LDL stieg von 153, 6 auf 157,4 mg / dl und die Triglyzeride stiegen von
durchschnittlich 124,6 mg / dl auf 138,6 mg / dl. Diese Veränderungen waren mit
einem p-Wert von £ 0,05 signifikant.
Der Ausgangswert für das Gesamtcholesterin in der Plazebogruppe veränderte sich
im Verlauf der Untersuchung von 234,5 auf 239,2 mg / dl nicht signifikant. HDL fiel
von 60,7 auf 58,4 mg / dl. Ebenso signifikant stiegen LDL von 136,6 auf 144,4 mg / dl
und die Triglyzeride von 132,9 auf 153,3 mg / dl an.
Im Hinblick auf die ursprüngliche Fragestellung, ob sich der Verzehr von Honig
günstiger auf die Blutfettwerte auswirkt, als der Konsum einer Honig analogen
Zuckermischung konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden.
Lediglich in der Untergruppe der weiblichen Hypercholesterinämiepatienten war der
Anstieg des LDL - Spiegels durch Honigverzehr deutlich geringer als der Anstieg
durch den Verzehr der gleichen Menge Zucker. Während bei den weiblichen
Patienten in der Plazebogruppe der LDL - Spiegel von durchschnittlich 140,4 auf
157,1 mg / dl ansteigt, verändert er sich in der Honiggruppe nur von 155,9 auf 159,4
mg / dl. Dieser Unterschied war mit einer Varianz von p = 0,05 signifikant.
Eine mögliche Ursache für den unterschiedlichen Einfluss von Honigkonsum bei
Männern und Frauen mag im Gehalt an Phytoöstrogenen liegen. Phytoöstrogene
kommen unter dem Oberbegriff Flavonoide als sekundäre Pflanzenstoffe in
verschiedenen Pflanzen vor. Über Nektar und Pollen gelangen sie auch in den
Honig.
Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um herauszufinden, ob die geringen
Mengen an Flavonoiden im Honig ausreichen, den Fettstoffwechsel zu beinflussen
und bei weiblichen Patienten den Unterschied zu herkömmlichem Zuckerkonsum zu
erklären.
Kurzfassung auf Englisch: Disorders in lipid metabolism with increased cholesterol belong to the most common
diseases of our time and are the main causes of heart attacks and strokes. An
increased blood cholesterol level is the main risk factor for coronary heart disorders.
First results in animal models and clinical research suggested that the daily dietary
intake of honey could have a benefit on lipid metabolism. The purpose of our
research was to prove this theory in a prospective randomised double blinded clinical
study on 60 patients suffering from hypercholesterolemia. Each study participant
consumed daily either 75 g honey or 75 g honey similar sugar solution consisting of
glucose and fructose as placebo for a duration of 14 days. A detailed analysis of
blood samples taken at the beginning and at the end of the study term was made. A
detailed protocol of food intake was made for each study participant.
The results of this study show that the additional intake of honey did not reduce the
total cholesterol level. Neither the daily intake of 75 g honey nor 75 g sugar had any
influence on the total cholesterol level. Both honey and sugar led to a significant
decrease in HDL levels and an increase in LDL levels. As a result, the ratio of LDL /
HDL increased significantly. The triglyceride levels also increased significantly in both
groups.
Where the total cholesterol at the beginning of the investigation in the honey group
was on average 265,7 mg / dl, an average of 265,4 mg / dl was measured 2 weeks
later. The difference was not significant. During the course of the study, the HDL -
cholesterol decreased from 66,8 mg / dl to 64,0 mg / dl. The LDL increased from
153,6 mg / dl to 157,4 mg / dl and the triglycerides increased from an average of
124,6 mg / dl to 138,6 mg / dl. These changes were significant with a p - value £
0,05.
The initial value for the total cholesterol in the placebo group increased during the
course of the study insignificantly from 234,5 to 239,2 mg / dl. HDL levels decreased
from 60,7 to 58,4 mg / dl. LDL levels increased from 136,6 to 144,4 mg / dl and
triglyceride levels also increased from 132,9 to 153,3 mg / dl.
With respect to the original aim of the study, whether a regular intake of honey,
compared to a sugar solution with similar composition of glucose and fructose, could
positively influence blood lipid levels, there were no significant differences.
In addition to the above data we were able to prove that in female subjects the
increase of LDL levels due to the consumption of honey was clearly smaller than the
increase resulting from sugar intake. While in female patients in the placebo group
the LDL level increased from an average of 140,4 to 157,1 mg / dl, the increase of
LDL levels in female patients in the honey group was only 155,9 to 159,4 mg / dl.
This difference was statistically significant with a variant of p = 0,05.
A possible explanation for the different influences of honey consumption in men and
women could be the content of phyto-oestrogens. Phyto-oestrogens appear under
the generic term of flavonoids as a secondary plant component in a number of plants.
These flavonoids find their way into honey through the nectar and pollen collected by
bees.
Further investigations would be necessary to find out whether small amounts of
flavonoids in honey are sufficient to influence the lipid metabolism and to explain the
different effects of honey consumption in female patients as compared to sugar.