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Exkursionen im Erdkundeunterricht: didaktisch gewünscht und in der Realität verschmäht? : Ergebnisse einer empirischen Untersuchung an mittelhessischen Gymnasien

Lößner, Marten


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Exkursion , Befragung , originale Begegnung , Gymnasium , Erdkundeunterricht
Freie Schlagwörter (Englisch): excursion , field work , survey , geography
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geographie - Didaktik der Geograpie
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geografie, Reisen
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.06.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 29.06.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Sehr früh erkannten die ersten Didaktiker den besonderen Wert der originalen Begegnung des Lernenden mit dem Lerngegenstand, wie z.B. Comenius, Francke, Rousseau und Pestalozzi (vgl. KRÜGER 1965, PRAMSTALLER 1984, REBLE 1995). So werden heute Exkursionen mit diversen positiven Eigenschaften in Verbindung gebracht, wie z.B. die auf Exkursionen mögliche Primärerfahrung, die Anwendung geographischer Arbeitsweisen vor Ort, die Verbesserung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses sowie eine stärkere Motivation als durch normalen Unterricht im Klassenzimmer (RINSCHEDE 1997a:19ff.).
Ausgehend davon leitet sich die Forderung ab, dass im Rahmen der geographischen Bildung in der Schule Exkursionen durchgeführt werden sollten, welche sich als Konsens im Lehrplan des Faches Erdkunde in Hessen sowie in den Bildungsstandards im Fach Geographie wiederfindet.
Folglich ist die Erkenntnis, dass Exkursionen im Erdkundeunterricht gemacht werden sollten, sowie die normative Setzung im Lehrplan und den Bildungsstandards von administrativer Seite her gegeben. Hier stellt sich die Frage, ob die historisch gewachsene Erkenntnis, dass Exkursionen sinnvoll und notwendig für den Erdkundeunterricht sind, auch zu ihrer vermehrten Durchführung im Schulalltag, insbesondere an den Gymnasien, geführt hat. Ergebnisse früherer Lehrerbefragungen von Niemz und Rinschede lassen daran Zweifel aufkommen, speziell für die Durchführung an Gymnasien (vgl. NIEMZ 1989, RINSCHEDE 1997). Warum diese didaktisch sinnvolle und bei den Schülern beliebte Unterrichtsmethode an Gymnasien so vernachlässigt wird, ist eine wesentliche Fragestellung dieser Arbeit.
Neben der Lehrerbefragung, die wichtige Hinweise und Impulse zur Verbesserung der Durchführbarkeit von Exkursionen in der Schulpraxis liefern soll, liegt ein zweiter gleichbedeutender Schwerpunkt der Untersuchung auf der Erforschung und Auswertung der Erfahrungen und Einstellungen der Schüler bzgl. Exkursionen im Erdkundeunterricht, die in der bisherigen exkursionsdidaktischen Forschung wenig berücksichtigt wurden. Wenn Schüler befragt wurden, geschah dies vornehmlich zu dem Beliebtheitsaspekt der Unterrichtsform, wobei festzustellen ist, dass Exkursionen im Vergleich mit anderen Unterrichtsformen bei Schülern sehr beliebt sind (vgl. SCHRETTENBRUNNER 1969, LEUSMANN 1977, HEMMER, HEMMER 1995, 2002). Es bleibt jedoch unbeantwortet, aus welchen Gründen die Schüler Exkursionen präferieren, welche Art von Exkursionen sie bevorzugen und unter welchen Bedingungen sie an einer freiwilligen Exkursion teilnehmen würden. Diese für die didaktische Theoriebildung und Schulpraxis gleichermaßen bedeutende Fragestellungen wissenschaftlich zu klären, hat sich die vorliegende Untersuchung zur Aufgabe gemacht. Die Beantwortung dieser Fragen leistet einen Beitrag zur Entwicklung einer adressatengerechten Exkursionsdidaktik.

Zusammenfassend formuliert versucht die vorliegende Arbeit, die folgenden zwei Fragenkomplexe zu beantworten:
(1) Wie ist der Ist-Zustand bzgl. der Durchführung von erdkundlichen Exkursionen an mittelhessischen Gymnasien?
(2) Welche Erwartungen haben Schüler an die Unterrichtsform der Exkursion und unter welchen Bedingungen würden sie an einer freiwilligen erdkundlichen Exkursion teilnehmen?
Ersterer umfasst Fragen nach der Häufigkeit und der Art der Durchführung von Exkursionen, nach der generellen Einstellung zu dieser Unterrichtsform aus Lehrer- und Schülerperspektive sowie die Erhebung systembedingter Hindernisse und die Bewertung möglicher Verbesserungsmaßnahmen.
In Letzterem gilt es nicht nur herauszufinden welche Erfahrungen Schüler mit der Unterrichtsform Exkursion im Erdkundeunterricht gemacht haben, sondern auch, welche Anforderungen die Lernenden an diese Unterrichtsform stellen. Konkret stellt sich hier die Frage, welche affektiven und kognitiven Einstellungen die Intention, an einer Exkursion teilnehmen zu wollen, beeinflussen und was sich daraus für die Planung von Exkursionen im Erdkundeunterricht ableiten lässt.
Die vorliegende Arbeit leistet somit einen grundlegenden wissenschaftlichen Beitrag zur Theorieentwicklung einer Exkursionsdidaktik aus Schülerperspektive. Gleichzeitig soll sie im Schulalltag umsetzbare Ergebnisse liefern. Anwendungsorientiertes Ziel der Arbeit ist es, zu einer Verbesserung der Durchführbarkeit von Exkursionen im Geographieunterricht an Gymnasien beizutragen, konkrete praktische Umsetzungsmöglichkeiten an Schulen aufzuzeigen sowie eine verbesserte konzeptionelle Anpassung von Schülerexkursionen an die Anforderungen und Erwartungen der Lernenden herbei zu führen.