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Aspekte des agonistischen Verhaltens weiblicher Zuchtkaninchen in der Gruppenhaltung

Graf, Sylvia Bettina Antje Beate


Originalveröffentlichung: (2010) Giessen : VVB Laufersweiler
pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.100 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinikum Veterinärmedizin, Professur für Tierschutz und Ethologie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5535-6
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.06.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 07.07.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Die Gruppenhaltung von Zuchtkaninchen ist der Einzelhaltung im Hinblick auf die
Möglichkeit von positiven sozialen Interaktionen (wie allogrooming und Kontaktliegen)
und hinsichtlich des Vorkommens von Stereotypien und anderen Verhaltensstörungen
vorzuziehen. Allerdings kann es in der Gruppenhaltung auf Grund von
Hierarchiebildung, Konkurrenz um Futter, Sexualpartner und Nester sowie durch die
Verteidigung des Territoriums gegenüber Eindringlingen zu agonistischen
Auseinandersetzungen kommen, welche Verletzungen und Stress verursachen können,
was aus tierschützerischer wie auch aus ökonomischer Sicht relevant ist. Mit dieser
Arbeit soll ein Beitrag zu einem verbesserten Management in der Gruppenhaltung von
Kaninchen geleistet werden und die Auslöser für agonistische Auseinandersetzungen
mit Verletzungsfolge untersucht werden. Dafür wurden in einem ersten Versuch zwei
unterschiedliche Methoden des Zusammensetzens von sich unbekannten Zibben
untersucht. In einem zweiten Versuch wurde der Einfluss des Rammlers auf das
agonistische Verhalten der Zibben beobachtet.
Das Zusammensetzen von sich unbekannten Zibben in der Gruppenhaltung kann
zu agonistischen Auseinandersetzungen und damit zu Verletzungen führen. In dieser
Studie wurden zwei unterschiedliche Methoden der Eingliederung von fremden Zibben
in eine bestehende Zuchtgruppe untersucht: ein Zusammenführen in die der
Zuchtgruppe angestammten Bucht gegenüber dem Zusammenführen in einer frisch
gereinigten und desinfizierten Bucht. Dabei wurde das Verhalten, die Anzahl und Dauer
von agonistischen Interaktionen, das Verletzungsrisiko und die physiologische
Stressantwort (stressinduzierte Hyperthermie und ein Anstieg der Blutglukose) der Tiere
zwischen den beiden Versuchsbehandlungen verglichen. Das Verhalten wurde durch
die Methode des Zusammensetzens nicht beeinflusst. Unabhängig von der
Versuchsbehandlung verminderten sich die leichten agonistischen Interaktionen nach
dem Zusammensetzen. Dagegen stieg die Anzahl der schweren agonistischen
Interaktionen im gleichen Zeitraum an. Die Anzahl der Verletzungen, wie auch die
Körpertemperatur und die Blutglukose wurden durch das Zusammensetzen in einer für
alle Tiere unbekannten Bucht negativ beeinflusst.
In Anbetracht dieser Befunde sollten fremde Zibben zu einer bestehenden sozial
stabilen Gruppe in deren angestammter Bucht zugesetzt werden.
Der Einfluss des Rammlers auf in der Gruppe gehaltene Zibben wurde in einem
zweiten Versuch untersucht. Dem Rammler wird ein schlichtender Einfluss auf die
Zibben zugesprochen und ein Austausch des Rammlers innerhalb der
Reproduktionsphase soll sich sowohl vorteilhaft auf die Reproduktionsrate, wie auch auf
das Verhalten der Zibben auswirken. In zwei aufeinander folgenden
Reproduktionsphasen wurde der Einfluss zweier unterschiedlicher
Rammlermanagementmethoden auf den Reproduktionserfolg und das Verhalten der
Zibben untersucht. In der ersten Versuchsbehandlung wurde der Rammler für zehn
Tage in der Gruppe belassen, in der anderen wurde der Rammler nach dem fünften Tag
durch einen zweiten Rammler ausgetauscht. Der Reproduktionserfolg wurde durch die
Versuchsbehandlung nicht beeinflusst. In der Versuchsbehandlung, in welcher der
Rammler ausgetauscht wurde, verbrachten die Zibben insgesamt weniger Zeit mit
passivem Verhalten und verbrachten mehr Zeit in einem Unterschlupf. Dies könnte ein
Hinweis auf einen störenden Einfluss durch den Austausch des Rammlers auf die
Zibben sein. Das agonistische Verhalten der Zibben, möglicherweise ausgelöst durch
eine unterschiedliche soziale Stabilität in den Gruppen, unterschied sich zwischen den
beiden Reproduktionsperioden stark. Jedoch zeigte die Anwesenheit des Rammlers, in
Situationen, in denen es viele agonistische Interaktionen gab, einen beschwichtigenden
Einfluss auf die Zibben, indem sich die Anzahl der schadensträchtigen agonistischen
Interaktionen verminderte.
Anhand dieser Ergebnisse brachte der Austausch des Rammlers nach fünf Tagen
keinen Nutzen. Vielmehr scheinen die Zibben durch den Austausch des Rammlers
gestört zu werden. Daher sollte ein Rammlermanagement mit einem Rammler für die
Dauer von zehn Tagen gewählt werden.
Um die in der Gruppenhaltung von Kaninchen durch soziale Konflikte ausgelösten
Verletzungen zu vermindern, müssen in weiteren Forschungsarbeiten die Mechanismen
agonistischer Interaktionen weiter geklärt werden.
Kurzfassung auf Englisch: Wild rabbits are gregarious and highly social. Therefore, group housing of breeding
rabbits (Oryctolagus cuniculi L.) is recommended to facilitate socio-positive interactions
(e.g. allogrooming, resting in body contact) and to prevent abnormal behaviour, such as
stereotypes, which are common in individually housed rabbits. However, housing rabbits
in groups can lead to agonistic behaviour related to dominance status, access to food,
sexual partners or nest-boxes and defence of the territory against intruders. Aggression
in group-housed breeding rabbits may cause injuries and stress, thereby compromising
both animal welfare and production. This study was carried out in view of improving the
management of group housing for breeding rabbits and to examine causes of agonistic
behaviour leading to injuries. In particular, I investigated different methods of regrouping
unfamiliar does and the effects of the bucks on agonistic behaviour among does.
The regrouping of group-housed female rabbits can induce stress and agonistic
interactions leading to injuries. Two methods of regrouping female rabbits were
compared with respect to their effects on behaviour, frequency and duration of agonistic
interactions, risk of injury and physiological stress responses (stress-induced
hyperthermia and increased blood glucose). Two unfamiliar rabbits were introduced into
a group of rabbits either in their familiar pen or in a novel disinfected pen. The behaviour
was not affected by the method of regrouping. Independent of the method, light
agonistic behaviour decreased while severe agonistic interactions increased in both
treatments after regrouping. Moreover, the number of injured animals, body temperature
and levels of blood glucose were negatively affected by regrouping the rabbits in a novel
and disinfected pen.
Based on these findings, I recommend introducing unfamiliar does into stable
groups in their familiar pen.
The influence of the buck on group housed female rabbits was examined in a
second experiment. The buck is thought to have an appeasing effect on does, and an
exchange of the buck might have beneficial effects on reproduction as well as on the
does’ behaviour. Over two successive reproduction periods, I therefore compared the
effects of two different management procedures on reproduction and behaviour, one in
which one buck was present for the entire 10 days of the mating period, and one in
which the first buck was replaced by a second buck after 5 days. Reproductive
performance was not affected by the two treatments. In the treatment with exchange of
the buck, does showed less passive behaviour and spent more time in shelters. This
may be a sign of disturbance by the exchange of the buck. Agonistic behaviour of the
does differed greatly between the two reproduction periods, possibly caused by
differences in social stability within groups between replications. However, when
agonistic behaviour was high, the presence of the buck resulted in a decrease of
potentially harmful agonistic interactions, indicating that bucks may indeed have an
appeasing effect on does.
Based on these observations, there appears to be no advantage of exchanging the
buck after five days, while the exchange may be associated with a disturbance of the
does. I therefore recommend a breeding system based on one buck kept for 10 days in
a group of breeding does. In view of minimizing the risk of injuries from social conflict,
further research is needed on the mechanisms underlying agonistic behaviour in groups
of rabbits.