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Untersuchung zur präoperativen Beeinflussung der bakteriellen Mundhöhlenflora durch systemische Antibiotikatherapie über fünf Tage bei Hunden mit Erkrankungen des Parodontiums und der Zahnhartsubstanz

Förnges, Thorsten


Originalveröffentlichung: (2010) Giessen : VVB Laufersweiler
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.425 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Kleintiere, Chirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5534-9
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 02.06.2010
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 05.07.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Die Verabreichung von Antibiotika vor Zahnbehandlungen stellt eine gängige Praxis dar, mit
der eine verringerte Keimbelastung für Behandler und Patient erreicht werden soll. Vor
diesem Hintergrund wird in der Arbeit die Auswirkung einer 5-tägigen systemischen
Antibiotikagabe auf die bakterielle Mundhöhlenflora untersucht.
Es wird an 52 Hunden eine Untersuchung der Zusammensetzung der Mundhöhlenflora
durchgeführt. 24 Tiere sind weiblich (kastriert und unkastriert) und 28 Tiere sind männlich
(kastriert und unkastriert), das Alter liegt zwischen einem halben und 16 Jahren (Ø 9,1 Jahre).
15 der 52 Hunde erhalten ein oral zu verabreichendes Antibiotikum über 5 Tage. Vor und
nach der Antibiotikatherapie wird die Zusammensetzung der Mundhöhlenflora bestimmt.
Hierzu wird eine Tupferprobe aus der Umschlagfalte des Oberkiefers und eine Tupferprobe
von der Zahnoberfläche eines Oberkiefer-Caninus entnommen und hinsichtlich Keimgehalt
und Keimdifferenzierung mikrobiologisch untersucht. Als antibiotische Wirkstoffe werden
Clindamycin-Metronidazol (Präparat: CLEOROBE®) und Spiramycin (Präparat:
SUANATEM®) eingesetzt. Die Entscheidung, welches Präparat zum Einsatz kommt, wird für
jeden Patienten zufällig bestimmt.
Bei 12 dieser 15 Hunde wird vor und nach der antibiotischen Therapie im Rahmen der
mikrobiologischen Diagnostik auch ein Resistenztest an ausgesuchten Mundhöhlenkeimen
wie Staphylokokken der Intermedius-Gruppe oder Pasteurella canis durchgeführt. Bei 12
weiteren Hunden wird eine einmalige Bestimmung der Resistenzlage ausgesuchter
Mundhöhlenkeime durchgeführt, ohne dass ein Antibiotikum verabreicht wird.
Insgesamt können 57 unterschiedliche Keimspezies, –gattungen oder –gruppen differenziert
werden. Als häufigste Keime im Bereich der Umschlagfaltenschleimhaut werden hierbei !-
hämolysierende Streptokokken (13,5%), Pasteurella canis (11,9%), Neisseria sp. (11,3%),
Staphylococcus intermedius-Gruppe (6,8%) und Corynebacterium sp. (5,8%) identifiziert.
Häufigste Keime im Bereich der Zahnoberfläche sind !-hämolysierende Streptokokken
(13,3%), Pasteurella canis (13,0%), Neisseria sp. (11,6%), Staphylococcus intermedius-
Gruppe (6,7%) und Corynebacterium sp. (6,3%). Die Zusammensetzung der
Bakterienpopulation in beiden untersuchten Nischen zeigt keine signifikanten Unterschiede.
Circa 20% der identifizierten Keime (auf Mundschleimhaut und Zahnoberfläche) sind Grampositive
Kokken. Der Anteil Gram-negativer Spezies an der Gesamtheit der gefundenen
Keime liegt im Durchschnitt bei 51%. Am häufigsten vertreten sind hierbei Neisseria sp. mit
10,8%, Actinomyces sp. mit 6,8% und nicht näher differenzierte Stäbchenbakterien mit 6,2%.
Porphyromonas gingivalis kann nur in einem Fall differenziert werden, Prevotella sp. in zwei
Fällen, Prevotella oralis wird bei einem Hund nach der Verabreichung eines Antibiotikums
identifiziert. Fusobacterium nucleatum findet sich in insgesamt drei Fällen, einer davon bei
einem Patienten nach Verabreichung eines Antibiotikums.
Bei Untersuchung der Altersabhängigkeit der Zusammensetzung der Mundhöhlenflora,
insbesondere des Anteils der Gram-negativen, anaeroben Keime, können keine signifikanten
Unterschiede ermittelt werden. Dieses Ergebnis ist vor dem Hintergrund des hohen
Durchschnittsalters der Patientenpopulation und des hohen Anteils an Patienten mit
pathologischen Veränderungen der Zähne und des Zahnhalteapparates zu sehen.
Beim Vergleich der mikrobiellen Besiedelung der Mundhöhle vor und nach antibiotischer
Therapie sind nach statistischer Aufarbeitung der Daten keine signifikanten Unterschiede
erkennbar. Ebenso ergeben sich im direkten Vergleich der Wirksamkeit beider eingesetzter
Antibiotika-Präparate keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Der Vergleich des Resistenzverhaltens der untersuchten Keime vor und nach antibiotischer
Therapie zeigt keinen Hiweis auf eine Einflussnahme durch die eingesetzten Wirkstoffe.
Im Rahmen dieser Arbeit kann eine klinische Auswirkung der 5-tägigen Antibiose im Sinne
einer Reduktion von Mundgeruch und reduzierter Blutungsneigung der Gingiva bei allen
Patienten festgestellt werden, ohne dass der Fokus der Beobachtungen auf diese klinische
Auswirkung gerichtet ist. Bei an Gingivitis und Parodontitis erkrankten Patienten entsteht
Foetor ex ore als eine Folge bakterieller Stoffwechselprozesse. Eine klinische Verbesserung
ist daher wahrscheinlich auf eine supprimierende Wirkung der antibiotischen Wirkstoffe auf
die orale Keimflora zurückzuführen, auch wenn diese Veränderungen in der mikrobiellen
Nischenpopulation der Maulschleimhaut und der Zahnoberfläche nicht statistisch signifikant
nachempfunden werden können. Fasst man jedoch Keime aufgrund bestimmter Eigenschaften
zu Gruppen zusammen und vergleicht die Summe der Fundhäufigkeiten vor und nach
antibiotischer Therapie, so lässt sich im Falle der Gruppe der obligaten Anaerobier eine
Abnahme von 80% erkennen. Bei Betrachtung aller Keime aus der Familie der
Enterobacteriaceae ist hingegen eine Zunahme von 300% zu beobachten.
Kurzfassung auf Englisch: Antibiotic therapy as a means of preparation of the dental treatment of dogs is common
practice to diminish the bacterial contamination of the person performing the treatment and of
the patient. This study investigates the effects of a five-day systemic antibiotic therapy on the
oral microflora.
The patients, 52 dogs, are examined with regard to the composition of their oral microflora.
The group consists of 24 female (neutered and intact) and 28 male (neutered and intact)
individuals. The age of the dogs ranges from half a year to 16 years (Ø 9,1 years).
15 of these 52 dogs are treated with an oral antibiotic for 5 days. The composition of the oral
flora is determined before and after the antibiotic therapy by acquiring swab-samples from the
vestibular mucosa and the surface of a canine tooth of the upper jaw. The samples are
examined with regard to their bacterial quantity and differentiation. The antibiotic agents used
in this study are Clindamycine-Metronidazole (compound: CLEOROBE®) and Spiramycine
(compound: SUANATEM®). The compound used is determined randomly for each dog.
With 12 out of these 15 dogs a resistance test on selected germs like Staph. intermedius-group
or Pasteurella canis is performed before and after antibiotic treatment in addition to the
bacteriological examination. On 12 more dogs that do not receive antibiotic treatment, a
singular resistance test is performed on selected germs.
In this study it is possible to distinguish 57 different bacterial species, genera or groups. Most
commonly found on the buccal mucosa are !-hemolysing Streptococci (13,5%), Pasteurella
canis (11,9%), Neisseria sp. (11,3%), Staphylococcus intermedius-group (6,8%) and
Corynebacterium sp. (5,8%). The most common germs on the root surface are !-hemolysing
Streptococci (13,3%), Pasteurella canis (13,0%), Neisseria sp. (11,6%), Staphylococcus
intermedius-group (6,7%) and Corynebacterium sp. (6,3%). The composition of the bacterial
population does not differ significantly in both niches.
Approximately 20% of all the identified germs from the mucosal and dental surfaces are
Gram-positive cocci. 51% of all the identified germs account for Gram-negative species, the
most common ones being Neisseria sp. (10,8%), Actinomyces sp. (6,8%) and rods that do not
allow any further differentiation (6,2%). Porphyromonas gingivalis can be found in only one
case, Prevotella sp. is found in two dogs, Prevotella oralis is found in one dog after antibiotic
treatment. Findings of Fusobacterium nucleatum account for three cases, one of which is a
dog after antibiotic treatment.
No significant differences are found in this study in a comparison of the composition of the
oral flora (in particular of Gram-negative anaerobic germs) of old and young dogs. This has to
be interpreted in consideration of the high mean age of the population and the large quota of
dogs with pathological findings in their oral cavity.
A statistical comparison of the microbial colonisation before and after antibiotic treatment
shows that there are no significant differences recognizable. This result also applies to the
statistical comparison of the effectiveness of both antibiotics.
Furthermore, there is no evidence of any recognizable influence on the bacterial resistance
caused by the antibiotic agents used in this study.
Within the scope of this study a clinical effect of a five-day antibiotic therapy is observed in
all patients, concerning the reduction of halitosis and a bleeding tendency of the gums.
However, there is no intention to take these symptoms into further consideration. Since
halitosis results from the metabolic products of the oral bacteria of patients suffering from
gingivitis and parodontitis, a clinical improvement is likely to be caused by a suppressive
effect of antibiotics on the oral flora.
This effect cannot be comprehended in a statistically significant way. Only when germs are
grouped according to certain characteristics and the frequency of occurrence is summed up, a
decrease of 80% can be found in obligate anaerobes caused by antibiotic therapy. However,
when grouped, germs of the family of enterobacteriaceae show an increase of 300%.