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Relevanz der computertomographischen Untersuchung des Schädels von Katzen mit einem geringgradigen Schädel-Hirn-Trauma : Vergleich der bildgebenden Verfahren - Röntgen versus Computertomographie - im Hinblick auf knöcherne Veränderungen des Schädels bei Katzen mit einem geringgradigen Schädel-Hirn-Trauma

Wunderlin, Nadja


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler 2010
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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere, Chirurgie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5528-8
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.12.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 22.06.2010
Kurzfassung auf Deutsch: In der Humanmedizin ist die radiologische Bildgebung ein zentraler Bestandteil der
Neurotraumatologie, mit deren Hilfe eine vollständige Erfassung des Verletzungsausmaßes
bei Patienten mit einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) möglich wird. In
diesem Zusammenhang gilt die Computertomographie (CT) als das wichtigste
bildgebende Verfahren in der Akutdiagnostik und löst in diesem Kontext das Röntgen
vollständig ab.
In Anlehnung an die radiologische Aufarbeitung von SHT Patienten in der
Humanmedizin war die Zielsetzung des ersten Teils der vorliegenden Studie, die
Notwendigkeit einer computertomographischen Untersuchung des Kopfes von
Katzen mit einem geringgradigen SHT zu evaluieren. Die Untersuchung sollte
detaillierte Erkenntnisse über das Vorkommen intrakranieller und extrakraniellknöcherner
Veränderungen ergeben.
Im Unterschied zur Humanmedizin ist in der Veterinärmedizin die konventionelle
röntgenologische Aufarbeitung traumatisierter Tiere nach wie vor etabliert. Im
Hinblick darauf wurde im zweiten Teil dieser Arbeit ein Vergleich der diagnostischen
Möglichkeiten des konventionellen Röntgens mit der CT bei Katzen mit einem
geringgradigen SHT vorgenommen. Die Befunderhebung beider bildgebender
Verfahren beschränkte sich ausschließlich auf die knöchernen Strukturen des
Schädels. Das Ziel dieser Untersuchung war es, einen Goldstandard für ein
optimales diagnostisches Management bei Katzen mit einem geringgradigen SHT
und/oder kraniofazialen Verletzungen zu definieren.
Bei der computertomographischen Untersuchung kommt ein 16-zeiliger Spiral-CT der
Firma Phillips zum Einsatz. Die Röntgenbilder werden mit dem Televix 1600 mit
Obertischröhre und Durchleuchtungsfunktion der Firma CGR mit dem Generator
Selctor MD Typ 125-80 der Firma Hofmann angefertigt.
Es wurden 34 Katzen mit einem geringgradigen SHT computertomographisch
untersucht und zusätzlich zum Vergleich beider bildgebenden Verfahren bei 28
Tieren Röntgenbilder des Kopfes in 2 Ebenen angefertigt. Insgesamt wurden 47
anatomische Strukturen am Schädel der Tiere beurteilt.

Von den 34 computertomographisch untersuchten Katzen wiesen 28 Tiere (82%)
mindestens eine kraniofaziale Fraktur auf. Der hohe prozentuale Anteil (77%)
multipler Frakturen (> 2) spiegelte das Ausmaß der knöchernen Verletzungsfolgen
innerhalb unseres Patientenkollektivs wider. Frakturen der Orbita (71%), des Vomer
(59%), sowie der Ober- (59%) und Unterkiefersymphyse (56%) gehörten zu den am
häufigsten diagnostizierten Veränderungen bei Patienten mit einer kraniofazialen
Fraktur.
In der Humanmedizin wurden erstmals 1901 klassische Bruchlinienverläufe bei
Mittelgesichtsfrakturen (Le Fort I-III Frakturen) beschrieben. Der Nachweis gehäuft
kombiniert auftretender Frakturen gelang auch in der vorliegenden Arbeit bei Katzen
mit einem kraniofazialen Trauma. Eine statistische Signifikanz bestand bei folgenden
Frakturkombinationen:
- Viszero- und Neurokranium (p = 0,0001)
- Oberkiefersymphyse und Orbita (p < 0,0001)
- Oberkiefersymphyse und Vomer (p < 0,0001)
- Oberschädel und Unterkiefer (p = 0,0003)
- Unter- und Oberkiefersymphyse (p = 0,0013).
Trotz der zum Teil erheblichen Schädelverletzungen gelang bei keinem Tier der
Nachweis einer traumaassoziierten intrakraniellen Pathologie. Nach dem jetzigen
Kenntnisstand ist das alleinige Kriterium eines leichten SHTs im Hinblick auf
intrakranielle Verletzungsfolgen nicht ausreichend, um eine generelle Empfehlung
der CT bei dieser Patientengruppe auszusprechen.
Im Rahmen der vergleichenden Untersuchung (Röntgen versus CT) konnten im
zweiten Teil dieser Arbeit signifikante Unterschiede bei der Erkennung von
Schädelfrakturen aufgezeigt werden.
Eine gute Übereinstimmung der Befunde zeigten das Röntgen und die CT bei den
Diagnosen der Unter- und Oberkiefersymphysiolyse sowie der Kiefergelenksfrakturen.
Im Vergleich zum Röntgen war die CT signifikant empfindlicher in der Darstellung
von Frakturen des Vomer (p < 0,0001), des Os palatinum (p = 0,0005) sowie der
dazugehörigen Sutura palatina mediana (p = 0,001) und des Os temporale
(p = 0,016).

An 23 unterschiedlichen Schädelstrukturen konnten Frakturen anhand der
Röntgenbilder nicht diagnostiziert werden, wohingegen diese computertomographisch
eindeutig darstellbar waren. Eine statistische Signifikanz bestand
diesbezüglich bei der Beurteilung des Os ethmoidale (p < 0,0001), des Os frontale
(p<0,0001), des Os sphenoidale (p < 0,0001), des Septum nasi (p < 0,0001), der
Ossa conchae (p = 0,0001), des Os präsphenoidale (p = 0,0001), der Lamina
perpendicularis des Os palatinum (p = 0,001), der Sutura nasomaxillaris und des Os
lacrimale (p = 0,016), des Os pterygoideum (p = 0,031) und kleinerer Fortsätze
(Processus sphenoidalis (p = 0,0002), Hamulus pterygoideus (p = 0,031)). Anhand
der Röntgenbilder wurden zudem an 11 verschiedenen Schädelregionen
Frakturdiagnosen gestellt, die sich in der CT nicht bestätigen ließen. Aufgrund der
geringen Größe und Komplexität der knöchernen Schädelstrukturen gestaltete sich
die röntgenologische Interpretation überwiegend in Bereichen mehrfacher
Überlagerungen schwierig bis unmöglich.
In der vorliegenden Arbeit war die CT dem konventionellen Röntgen in der
Frakturerkennung am Schädel deutlich überlegen und kann aufgrund dessen als
Diagnostikum der Wahl bei Katzen mit einem geringgradigen SHT gewertet werden.
Um mit der Humanmedizin vergleichbare Angaben und Klassifikationen der
Bruchlinienverläufe am Schädel von Katzen vornehmen zu können, sind weitere
gezielte Untersuchungen notwendig. In diesem Zusammenhang wäre es interessant,
in Anlehnung an Le Fort zunächst an Köpfen von Katzenkadavern eine
Untersuchung der Frakturverläufe durch zu führen, um anschließend die
Übertragbarkeit der Ergebnisse an Patienten mit einem kraniofazialen Trauma
überprüfen zu können.
Kurzfassung auf Englisch: In humans, diagnostic imaging particularly computed tomography (CT) plays a
central role for the complete evaluation of head injuries. CT is the imaging modality of
first choice for the initial assessment of acute craniocerebral traumas and has
completely replaced conventional radiography in human neuro-traumatology years
ago. Therefore, CT imaging has great impact on the diagnosis and therapy planning
of cerebrocranial traumas in human patients.
The first aim of the study was to describe in detail intracranial and extracranial
lesions detected by CT imaging in cats with mild cerebrocranial trauma and evaluate
the diagnostic value of the use of head CT studies for cats with mild head traumas.
In contrast to human medicine, conventional radiography of the skull is still used as
first line approach in small animal patients with head injuries. Therefore, the second
aim of the study was the comparison of the diagnostic impact of CT findings with that
of radiographic findings. Furthermore, we aimed to establish a gold standard for the
optimal diagnostic management of cats with mild head injuries with or without
craniofacial lesions.
34 cats with mild head trauma obtained CT scans of the head by using a 16 slice
spiral CT. For 28 of these 34 cats with mild cerebrocranial trauma skull radiographs
in ventrodorsal and laterolateral projections were obtained by using a computed
radiography system with integrated fluoroscopy (Televix 1600 from CGR with
Generator Selctor MD Typ 125-80 from Hofmann). In total 47 anatomic structures of
the feline skull were assessed for fractures and results were compared for both
imaging modalities. Findings reported in this study were exclusively limited to lesions
of bony structures of the feline head.
Using CT scans we detected in 28 of 34 cats (82%) at least one single craniofacial
fracture per examined cat. In more than 2/3 (77%) of our patients with mild head
trauma we found multiple (> 2) fractures of the skull by CT scanning. This
represented very well the extent and severity of bone injuries we had observed in our
patient population of cats with mild head injury.

The most common pathologic findings detected by CT were orbital fractures with
71%, followed by fractures of the vomeral bone with 59%, maxillary midline
separations with 59% and symphyseal separations of the maxilla and mandibula with
59% and 56%, respectively.
In humans, the classic distribution of fracture lines of the mid face is described as Le
Fort fractures (types I-III). Similar to this classification we found in our patient
population of cats with mild craniofacial trauma some combinations of fractures,
which frequently occurred together. Following combinations of fractures were
significantly more often found than that of others:
- viscero and neurocranium (p = 0.0001)
- separation of the maxillar symphysis and orbita (p < 0.0001)
- separation of the maxillar symphysis and vomeral bone (p < 0.0001)
- head and mandibula (p = 0.0003)
- separation of the maxillar and mandibular symphysis (p = 0.0013)
CT could not detect any trauma associated intracranial lesions in our feline patients
despite their often considerable bone injuries. Thus, the presence of a mild
cerebrocranial trauma by itself does not justify in cats the use of CT in order to detect
or exclude trauma associated intracranial lesions.
In the second part of this study we found substantial agreement of both imaging
modalities in the diagnosis of fractures separating the symphysis of maxilla and
mandibula as well as of the temporomandibular joint.
CT was significantly superior to conventional radiography in the visualization of
fractures of the vomeral bone (p < 0.0001), palatine bone (p = 0.0005) and the
attendant median palatine suture (p = 0.001) and the temporal bone (p = 0.016).
We observed that 23 skull fractures of different anatomic regions were missed by
conventional radiography, that clearly were detected by CT scans. This was
statistically significant for fractures in 11 different anatomic locations: fractures of the
ethmoid bone (p < 0.0001), fractures of the frontal bone (p < 0.0001), fractures of the
sphenoid bone (p < 0.0001), fractures of the nasal septum (p < 0.0001), destruction
of nasal conchae (p = 0.0001), fracture of the paesphenoid bone (p = 0.0001),
fracture of the lamina perpendicularis of the palatine bone (p = 0.001), separation of
the nasomaxillary suture (p = 0.016), fractures of the lacrimal bone (0.0016),

fractures of the pterygoid bone (p = 0.03) and fractures of small processes such as
hamulus pterygoideus (p = 0.031), sphemoidal process (p = 0.0002) were missed.
In addition, interpretation of the radiographic findings repeatedly caused false
positive findings of fractures on 11 different anatomic localizations, which were not
verified as fractures by CT diagnosis.
In this study we showed that CT was significantly better suited than conventional
radiography in providing complete in detail information on the fine and complex feline
head structures.
In conclusion the results of this study recommend the use of CT to achieve complete
assessment of fractures and optimal treatment planning of head injuries in this
species. To obtain comparable information for the classification of skull fracture
distribution, like in human medicine established, further studies in cats are needed. It
would be interesting to make a cadaveric study in cats for the classification of skull
fracture distribution and to compare the results with fracture distribution in cats with
craniofacial trauma.