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Teriparatid-Therapie bei Patienten mit schwerer Osteoporose und Zustand nach Kypho- oder Vertebroplastie aufgrund pathologischer Wirbelkörperfrakturen

Krannig, Janina Annika


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik und Poliklinik III
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.05.2010
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 31.05.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Im Rahmen dieser Studie sollte untersucht werden, ob bei schwer an Osteoporose
erkrankten Patienten weiblichen und männlichen Geschlechts, die auf Grund
pathologischer Wirbelkörperfrakturen kypho- oder vertebroplastiert wurden, durch die
Applikation eines Parathormon-Analogons eine signifikante Steigerung der
Knochendichte im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Schenkelhalses erreicht
werden konnte.
Das verwendete Medikament, Teriparatid (hPTH (1-34)), ist der biochemisch
wirksame Anteil des Parathormons und wurde von den Patienten täglich subcutan
injiziert.
Weiterhin sollte überprüft werden, ob diese Patienten im Vergleich zu Patienten, die
noch keine Frakturen erlitten hatten, von dieser Therapieform deutlicher profitieren
konnten.
Zur Verifizierung wurden vor Therapiebeginn und ein Jahr nach Therapie eine
Knochendichtemessung mittels DEXA-Verfahren an Wirbelsäule und Schenkelhals
sowie biochemische Laborparameter (alkalische Phosphatase, Kalzium, Vitamin D,
Parathormon im Serum) bestimmt.
Die Ergebnisse zeigten, dass im Bereich der Lendenwirbelsäule schon nach
einjähriger Therapie mit Teriparatid eine osteoanabole Wirkung erzielt werden
konnte.
Bei der Betrachtung der Mittelwerte des T- Scores der LWS im Bereich L1 – L4
konnte eine Steigerung der Knochendichte um 0.64 SD bei den Patienten mit
operativ-therapierten Frakturen und eine Steigerung von 0,59 SD bei Patienten ohne
Frakturen verifiziert werden.
Dies entspricht einer durchschnittlichen Verbesserung der Knochendichte (T- Score)
von 37,3% bei den Patienten mit schwerer Osteoporose und Zustand nach
Kyphoplastie/Vertebroplastie und einer Zunahme von 23,9% bei den Hochrisiko-
Patienten ohne Wirbekörperfrakturen dieser Studie.
Im Bereich des Schenkelhalses ist nach dem vorgegebenen Zeitintervall bei den
Patienten mit schwerer Osteoporose und Zustand nach Kypho-/Vertebroplastie noch
keine signifikante Veränderung nachgewiesen worden.
Eine Abnahme der Knochendichte (T- Score) in der zumeist aus kortikalem Knochen
aufgebauten proximalen Femur-Region von 5% musste verzeichnet werden.
Dieses Ergebnis kann durch die verschiedenen Knochenarten in den beiden
Messregionen erklärt werden. Während im Bereich des Oberschenkelhalses
vermehrt kortikaler Knochen zu finden ist, sind die Wirbelkörperstrukturen zumeist
aus spongiösem Knochenmaterial aufgebaut.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen eine signifikante Zunahme der Knochendichte
im Bereich des spongiösen Knochens und eine nur als zufällig zu wertende
Veränderung im Bereich des kortikalen Knochens.
Es bleibt ungeklärt, ob eine längere Therapiedauer mit Teriparatid auch an
kortikalem Knochen zu einer Knochendichtevermehrung führen wird.
Eine einjährige Therapie jedoch kann nur signifikant positive Veränderungen an
spongiösem Knochen, wie er an der Wirbelsäule zu finden ist, bewirken.
Die verwendeten biochemischen Laborparameter alkalische Phosphatase, Kalzium,
Vitamin D und Parathormon im Serum zeigten unter Teriparatid-Therapie über 9-12
Monate Veränderungen, die nur als zufällig bezeichnet werden dürfen.
In Bezug auf die alkalische Phosphatase könnte bei längerer Studiendauer eine
signifikante Erhöhung eintreten, da bereits nach einjähriger Therapie eine positive
Tendenz zu erkennen ist.
In Bezug auf das PTH im Serum ist ein unveränderter Wert das gewünschte
Ergebnis, da eine deutliche Erhöhung des Parathormons zu Veränderungen im
Sinne eines iatrogenen Hyperparathyreoidismus führen würde.
Man hat bereits in diversen Studien herausgearbeitet, dass nur die intermittierende
Applikationweise des Teriparatid zu Veränderungen im Sinne einer osteoanabolen
Wirkweise beiträgt, während die kontinuierliche Infusion zu einer
Knochendichteminderung mit vermehrter Kalziumfreisetzung führt.
Diese Studie zeigt eine signifikante Zunahme der Knochendichte an spongiösem
Knochen bei nahezu unverändertem PTH und Kalzium im Serum. Man kann daher
zusammenfassend sagen, dass das Therapieziel, eine Zunahme der Knochendichte
durch die Applikation von Teriparatid in den aus spongiösem Knochen bestehenden
Wirbelkörpern bei konstantem Kalzium und Parathormon im Serum erreicht wird und
durch die Ergebnisse dieser Arbeit bestätigt werden kann.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this clinical study was to determine if the application of parathyroid
hormone analogue leads to a significant increase in the bone density of the lumbar
spine and femoral neck regions in male and female patients diagnosed with severe
osteoporosis, who have already undergone vertebroplasty or kyphoplasty to treat
pathological vertebral fractures.
Teriparatid (hPTH (1-34)), the drug used, is the biochemically effective substance in
parathyroid hormone and was injected subcutaneously on a daily basis by the
patients themselves.
Furthermore, it had to be determined whether there were greater benefits from this
form of therapy to these patients compared to patients who had suffered no fractures.
For the purpose of verification, a DEXA scan was carried out to assess the bone
densities of the spine and femoral neck, and the biochemical serum parameters were
determined (alkaline phosphatase, calcium, vitamin D, parathyroid hormone) before
the start of therapy and after one year of therapy.
The results after one year of therapy with teriparatid showed that an osteoanabolic
effect in the lumbar spinal region had been achieved.
When the average lumbar spine (L1 - L4) T-scores were examined, an increase in
bone density of 0.64 SD in the case of patients with surgically-treated fractures and
an increase of 0.59 SD in the case of patients without fractures could be verified.
This is an average improvement in bone density (T-score) of 37.3% for patients with
severe osteoporosis and status post kyphoplasty/vertebroplasty and an increase of
23.9% for high-risk patients without spinal fractures who took part in this clinical
study.
In the femoral neck region, there was no evidence of significant change in the case of
patients with severe osteoporosis and status post kyphoplasty/vertebroplasty after
the given time interval.
A decrease in bone density (T-score) of 5% in the proximal femoral region, which is
predominantly cortical bone, was evident.
This is due to the different types of bone in the two regions used for measurement.
There is a large amount of cortical bone in the femoral neck region, whereas the
vertebral structure is made up mainly of spongious bone tissue.
The results of this study show a significant increase in bone density in spongious
bone regions, and a change in the cortical bone region that can only be evaluated as
random.
It remains to be seen whether a longer period of therapy with teriparatid would also
lead to an increase in cortical bone density.
It can be stated, however, that a one-year therapy only results in significant and
positive changes to spongious bone, as found in the spine.
Changes to the biochemical laboratory serum parameters alkaline phosphatase,
calcium, vitamin D and parathyroid hormone during treatment with teriparatid over a
period of 9-12 months should be evaluated as random.
In the case of alkaline phosphatase, a significant increase could occur if the study
was to continue over a longer period of time because a positive trend could already
be seen after one year of therapy.
In the case of serum PTH, an unchanged value is welcome because a noticeable
increase in parathyroid hormone would result in changes that could lead to iatrogenic
hyperparathyroidism.
It has already been shown in other studies that only the intermittent application of
teriparatid leads to an osteoanabolic effect, whereas continuous infusion leads to a
decrease in bone density and an increase in calcium release.
This clinical study shows a significant increase in the bone density of spongious bone
tissue with practically no change to serum PTH and calcium. To summarize, it can be
said that the aim of the therapy, an increase in bone density in the vertebrae´s
spongious bone by application of teriparatid with constant levels of serum calcium
and parathyroid hormone, was achieved and subsequently confirmed by the results
of this study.