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Geographische Unterrichtsfilme auf DVD im Spiegel des moderaten Konstruktivismus : untersucht an drei Fallbeispielen zum Thema Megacities

Educational films on DVD reflected in moderate constructivism

Höweling, Alexander


Originalveröffentlichung: (2010) Aachen: Shaker 2010
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (9.939 KB)


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-76156
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7615/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Medien , Konstruktivismus , Megacities , Geographiedidaktik , Film
Freie Schlagwörter (Englisch): media , film , constructivism , megacities , geography education
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geographie
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geografie, Reisen
Dokumentart: Buch (Monographie)
Zeitschrift, Serie: Giessener Geographische Manuskripte (GGM) ; 01 / 2010
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 01.06.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Nach den ersten Filmaufnahmen im ausgehenden 19. Jahrhundert, dauerte es nicht lange, und die neue Technik hielt auch in Forschung und Bildung Einzug. Hier polarisierte der Film Didaktiker seit seiner Existenz und erregte immer wieder neue Diskussionen über seinen Nutzen und die ideale Gestaltung für den Unterrichtseinsatz – bis zu Beginn der 1980er Jahre. Dann wurde es stiller um ihn und das Augenmerk der didaktischen Diskussion verlagerte sich hin zu den entstehenden Möglichkeiten des Computers, den neuen Medien. (Ashauer 1980, S. 122; Ketzer 1980b, S. 10; Kraatz 1997, S. 186; Kuchenbuch 2005, S. 87 ff.).
Dies hielt die Produzenten von Unterrichtsfilmen nicht von Weiterentwicklungen ab: Neue Formen des Unterrichtsfilms wurden erst für VHS-Kassette, dann für CD-ROM und seit 1999 für DVD entwickelt. Seit wenigen Jahren wird bereits der Online-Vertrieb erprobt, dessen Produkte jedoch bislang denen des Medienträgers DVD entsprechen (Kap. 2.1.2). Die didaktische DVD, also die DVD für den Unterrichtsfilm, nimmt heute den bedeutendsten Stellenwert bei der Produktion von Unterrichtsfilmen ein und das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht preist sie als Medium an, „das – bei einfachster Bedienung – mit seinen vielseitigen Möglichkeiten hervorragende Perspektiven für den Einsatz im Unterricht eröffnet“ (FWU o. J., o. S.). Von dieser Ankündigung ausgehend, aber auch vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung, formuliert diese Arbeit als erste Hypothese: (Kap. 2.1.2)
H1: Die DVD als technische Neuerung bietet neue Nutzungsmöglichkeiten für das Medium Unterrichtsfilm.
Der Didaktik war der Vorstoß des Unterrichtsfilms in die digitale Welt und damit auch die Annäherung an die neuen Medien keine Diskussion wert, und auch die Produzenten bemühten sich nicht um das wissenschaftliche Fundament der Neuentwicklungen. Zu belegen ist dies anhand der verschwindend geringen Anzahl der Veröffentlichungen zum Thema Unterrichtsfilm der vergangenen Jahrzehnte. Ein 2005 in der geographie heute erschienener Beitrag beschäftigte sich in knapper Form mit den didaktischen Möglichkeiten. Unkritisch wurde der Neuentwicklung bescheinigt: „Kein anderer Medienträger bietet für den Unterrichtseinsatz größere pädagogische Freiheiten“ (Obermaier 2005, S. 46). Dieses Urteil gründet auf der Vielfalt möglicher Zusatzmaterialien, welche eine DVD neben dem Hauptfilm enthalten kann: Als digitaler Datenträger ist sie in der Lage beliebige, je nach Art mit dem Computer oder dem DVD-Spieler nutzbare Medien i. e. S. (Kap. 2.1.1) zu speichern.
Es stellt sich die Frage, ob die neu entwickelten Medien auf DVD vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Didaktik tatsächlich aktuelle Medien sind: Die Arbeit legt ein besonderes Augenmerk auf den Konstruktivismus in seiner Ausprägung als Moderater Konstruktivismus sowie auf seine erkenntnistheoretischen Voraussetzungen und die damit verbundenen neurobiologischen Grundlagen. Ausgehend von dieser Betrachtung werden Implikationen für den Unterrichtsfilm untersucht und als zweite Hypothese formuliert: (Kap. 2.2.3)
H2: Aus einer moderat konstruktivistischen Betrachtungsweise folgen neue Anforderungen an den Unterrichtsfilm, die den klassischen didaktischen Anforderungen auf Basis einer instruktivistischen Betrachtungsweise widersprechen.
Während die Hypothesen einer theoretischen Betrachtung bedürfen, kristallisiert sich als direkte Konsequenz aus H1 und H2 folgende praktisch ausgerichtete Frage heraus:
Entsprechen aktuelle Unterrichtsfilme auf DVD den veränderten Anforderungen einer moderat konstruktivistischen Betrachtungsweise unter Einbezug wahrnehmungspsychologischer Erkenntnisse?
Dies an konkreten Beispielen zu untersuchen ist Ziel der Analyse. Neben dem Hauptfilm gilt es, eventuell vorhandene Zusatzmaterialien sowie die Gestaltung der DVD selbst in der Einzelanalyse der Fallbeispiele zu berücksichtigen.
Um einen unabhängigen Blick auf fachliche und didaktische Inhalte zu ermöglichen, wird vor der genauen Einzelanalyse eine planungsorientierte Materialsichtung durchgeführt. Diese simuliert die Vorbereitungen eines Unterrichtseinsatzes, soweit dies im gebotenen allgemeinen Rahmen sinnvoll ist.
Die in der Einzelanalyse entstandenen Filmprotokolle ergeben eine Strukturübersicht des Films, die nach einer ersten Auswertung hinsichtlich der Gestaltungsebenen inhaltlich erschlossen werden muss. Dies geschieht als Gegenüberstellung der Fallbeispiele nach wahrnehmungspsychologischen und didaktischen Anforderungen an Unterrichtsfilme (Kap. 4.5). Hier werden auch die Zusatzmaterialien und die DVD-Gestaltung betrachtet.
Die prägnanten Ergebnisse der Analyse werden abschließend hinsichtlich der Eignung für einen moderat konstruktivistischen Unterricht diskutiert. In Hinblick auf den praxisorientierten Ausgangspunkt der Untersuchung werden im Anschluss Vorschläge unterbreitet, wie die untersuchten Medien trotz eventuell inkompatibler Eigenschaften zumindest eingeschränkt im Unterricht eingesetzt werden können.
Kurzfassung auf Englisch: Educational films stirred debates among academics in education since their existence. The discussions lasted until the beginning 1980s and their main topic was the use and ideal arrangement of movies for educational purposes. However, the didactical focus shifted towards the emerging possibilities of computers, the so-called new media (Kraatz 1997, p. 186). This did not prevent producers of educational films to use new techniques for film. Since the DVD replaced the 16 mm-films in 1999 and is the most important carrier of films today the first hypothesis is phrased as follows:
H1: The DVD as a technical advance holds new possibilities for educational film as media.
The theoretical work in this paper confirms the hypothesis and states a position in-between classical and new media for the DVD. Along with this technical background the question about the ongoing didactical discussion arises. The social turn of the humanities also influenced geographical education. But although the constructivist notion of an individually constructed reality is consistent with recent findings in neurobiological science, dissenting opinions in didactics point out that a radical constructivism cannot justify teaching as being important to learning. As a more pragmatic approach the moderate constructivism accepts both procedures, the instruction of the teaching and the construction of the learning, as being fundamental to gaining knowledge. A modern education, that is willing to comply with this needs media for the classroom that supports such a view on learning. This constitutes the second hypothesis:
H2: A moderate constructivist view will manifest new requirements for educational films that oppose to classical instructivist requirements.
In correspondence with findings of psychology of perception the theoretical part of this work confirms the hypothesis, which is especially apparent for the conventional requirement of objectiveness as well as for media adequacy. Other classical requirements need to be modified according to constructivist thoughts, too. Bearing in mind the gap in the didactic discussion about the educational film of the last decades and regarding the theoretical discussion of H1 and H2 an evident question for the analysis arises:
Do current educational films on DVD satisfy altered requirements of a moderate constructivist view in comprehension with findings of psychology of perception?
To answer this question the analysis examined three DVDs of the FWU, the WBF and the fechnerMedia Verlag as case studies, with the basic topic of mega cities. To ensure an independent view on the professional side as well as on the didactical side the first step of the analysis was the simulation of prearrangement for the educational use in class for each DVD. Following this the main features of the DVDs were transcripted, along with a first evaluation of the different levels of film-design in the single-analyses. Here the extra materials of the DVDs and the design of the DVD itself needed to be reviewed, too. Finally the findings of the single-analyses were assessed in a table with moderate constructivist requirements and requirements of psychology of perception.
As a guideline the concluding discussion used seven characteristics of moderate constructivist media, elaborated in the theoretical work. Altogether none of the case studies met all characteristics satisfactorily.
In terms of psychology of perception only one of the films complies with requirements of arrangement. The origin of the other films as TV-documentaries is obvious and they were not reworked at all or not sufficiently to meet the requirements for teaching.
At last the use of the DVD-technique has to be criticised: A creative use of the technology is not featured by any of the analyzed DVDs.
Finally the suggestions in this paper on how to use the case studies in school illustrate that also these non-ideal media can support a moderate constructivist education. And yet it would be better, if the media supported modern didactics in the first place. The findings of this study clearly show that the development of educational films lost ties with the intellectual debate in didactics. Indeed it is questionable, what benefit an educational film can offer, that is in fact a TV-documentary. It is not the task of producers to simply sell TV-productions to schools, but to actually rework the materials and make them meet the requirements for school education. Along with this the dialogue between producers and science of didactics needs to be re-established, for educational media must focus on the needs of education. This appeal also addresses to science of didactics, which must not only look at new media. Instead they should revise long known educational media regularly with regards to arrangment, their position and function in the classroom and especially analyze whether existing media fulfils these requirements.