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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-75119
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7511/


Untersuchungen zur Häufigkeit und klinischem Erscheinungsbild des histiozytären Sarkoms beim Berner Sennenhund unter besonderer Berücksichtigung zytologischer Knochenmarkanalysen

Coenen, Christina


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler 2010
pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.971 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5569-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.11.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 14.04.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten des histiozytären Sarkoms beim Berner Sennenhund.
Im ersten Teil der Arbeit wurden die Diagnosen von 708 in 13 Jahren (01.06.1994-31.05.2007) an der Klinik für Kleintiere, Innere Medizin der Justus-Liebig Universität Gießen vorgestellten Berner Sennenhunde retrospektiv mit dem Ziel ausgewertet, die Vorkommenshäufigkeit des histiozytären Sarkoms herauszuarbeiten. Bei 8,2 % dieser Berner Sennenhunde konnte zweifelsfrei ein histiozytäres Sarkom diagnostiziert werden, bei weiteren 7,5% war anhand der vorliegenden Daten ein histiozytäres Sarkom möglich. Aufgrund unserer Daten konnte somit das erste Mal eine genaue Angabe zur Vorkommenshäufigkeit des histiozytären Sarkoms an einer Klinikspopulation von Berner Sennenhunden gemacht werden. Der hohe Anteil dieser bisher nicht therapierbaren und vererbbaren Erkrankung in der Berner Sennenhundepopulation in Deutschland sollte ein Anstoß für die Züchter sein, durch gezielte züchterische Maßnahmen gegen genetisch disponierte Erkrankungen zu selektieren, um damit die Langlebigkeit der Rasse zu verbessern.

Der zweite Teil der Arbeit beinhaltet die klinische Aufarbeitung von 26 Berner Sennenhunden mit histiozytärem Sarkom, die in einem Zeitraum von 3,5 Jahren (01.12.2004-31.05.2007) in der Klinik für Kleintiere, Innere Medizin, vorgestellt worden waren. Neben der Beurteilung der Ergebnisse der klinischen Untersuchungen der Hunde erfolgte die Auswertung von Blutuntersuchungen (Hämatologie und klinische Chemie), von bildgebenden Verfahren (Sonographie und Röntgen) sowie von zytologischen Feinnadelaspiraten aus veränderten Organen. In Ergänzung zu bereits in der Literatur beschriebenen Befunden (Symptome, klinisches Erscheinungsbild, Blutbefunde, anatomische Lokalisation des Tumors etc.) ergaben sich unter anderem folgende neue Erkenntnisse: Es konnte erstmalig ein Wert für die mittlere Überlebenszeit nach Diagnosestellung von erkrankten Hunde konkretisiert werden: 33,3 ± 44,4 Tage. Außerdem konnte gezeigt werden, dass mittels zytologischer Untersuchungen aus veränderten Organen bei 84% der Patienten eine sichere Diagnosestellung möglich war und nicht wie bisher proklamiert die Diagnose histiozytäres Sarkom nur mittels Biopsie und Immunhistochemie gestellt werden kann. Ein weiterer interessanter Aspekt war die Tatsache, dass im Untersuchungszeitraum kein Hund mit systemischer Histiozytose vorgestellt wurde, so dass die bisher aus der angloamerikanischen Literatur abgeleitete Annahme eines häufigen Vorkommens dieser Erkrankung beim Berner Sennenhund in Deutschland keine Gültigkeit zu haben scheint.

Im letzten Teil der Arbeit wurden bei 23 Berner Sennenhunden mit histiozytärem Sarkom zytologische Knochenmarkuntersuchungen durchgeführt, um festzustellen inwieweit diese Methode zur Verbesserung der Diagnostik des Tumors helfen kann. Anhand unserer Daten konnte gezeigt werden, dass eine zytologisch nachweisbare Tumorinfiltration im Knochenmark bei Hunden mit histiozytärem Sarkom (39%; 7/23 BSH) seltener ist als nach der bisherigen Literatur angenommen werden konnte. Eine zytologische Diagnosebestätigung anhand von Knochenmarkpunktionen allein gelang nur bei 9% aller Berner Sennenhunde mit histiozytärem Sarkom und verbesserte somit nicht, wie zu Beginn der Arbeit erhofft, die diagnostischen Möglichkeiten bei der Erkennung dieser Erkrankung. Die zytologische Knochenmarkuntersuchung kann in Zukunft aber als ergänzende Untersuchung vor allem im Hinblick auf eine bereits stattgefundene Metastasierung hilfreich sein.
Weiterhin konnte durch unsere Arbeit gezeigt werden, dass der prozentuale Anteil der histiozytären Zellen im Knochenmark mit 0,09% bis 19,9% zum Teil deutlich niedriger liegt, als der in der Literatur angegebene Wert von 30%. Diese Tatsache erschwert die Unterscheidbarkeit zwischen dem gutartigen hämophagozytären Syndrom und dem histiozytären Sarkom, die sich bisher angeblich über den prozentualen Anteil der histiozytären Zellen im Knochenmark unterscheiden ließen.
Kurzfassung auf Englisch: The present study investigates different aspects of histiocytic sarcoma in Bernese Mountain Dogs (BMD).
First, in order to determine the frequency of occurance of histiocytic sarcoma within the Bernese Mountain Dog population, medical records of 708 Bernese Mountain Dogs presented to the Small Animal Clinic of the Justus-Liebig University (Internal Medicine department) over a period of 13 years (01.06.1994-31.05.2007) were retrospectively analysed with regards to the final diagnosis. In 8.2 % of these dogs, histiocytic sarcoma was diagnosed; and in another 7.5 % data were indicative of histiocytic sarcoma. This is the first report detailing the prevalence of histiocytic sarcoma in this defined dog population. The frequent finding of this non-curable, hereditary disease which carries a grave prognosis should prompt the breeders to improve their selection and breeding programs to support the longevity of the breed.

In the second part of the study, data of additional 26 Bernese Mountain Dogs with histiocytic sarcoma were studied retrospectively. They had been presented to the Small Animal Clinic (Internal Medicine department) over a period of 3.5 years (01.12.2004-31.05.2007). Besides assessing clinical data of these dogs, results of haematology and biochemistry panels, additional blood work performed, diagnostic imaging procedures (radiographs, ultrasound) and cytological findings from fine needle aspirates of different organs were also analysed. In addition to findings described in other studies (for example symptoms, clinical data, blood values, anatomical localisation of the tumour), new insights about the disease could be gained: For the first time the mean survival time of dogs with histiocytic sarcoma, was determined with 33.3 ± 44.4 days from the time of diagnosis. It was demonstrated that cytological examination of abnormal organs could identify histiocytic sarcoma correctly in 84% of the cases, contradicting the belief that diagnosis of histiocytic sarcoma can only be made based on biopsy and immunohistochemistry. Interestingly, during the study period no dog with systemic histiocytosis was admitted to the hospital. As this is not consistent with previously published data, the present study may indicate that the prevalence of systemic histiocytosis in Bernese Mountain Dogs in Germany is not comparable to the USA.
In the last part of the study, cytologic examination of bone marrow aspirates from 23 Bernese Mountain Dogs with histiocytic sarcoma was performed, to investigate whether this method improves the diagnostic accuracy to detect the disease. Our data revealed a lower number of dogs with neoplastic infiltration of the bone marrow than previously reported (39%; 7/23 BMD). Making the definitive diagnosis of histiocytic sarcoma exclusively based on bone marrow cytology was possible in only 9% of all dogs. Thus, bone marrow cytology does not – as expected at the beginning of the study – improve diagnostic accuracy in detecting histiocytic sarcomas. However, bone marrow evaluation may provide useful additional information in the detection of metastatic disease.
Furthermore, we demonstrated a much lower percentage of histiocytic cells within the diseased bone marrow (0.09% to 19.9%) than reported in other studies (30%), a fact that may make differentiation of histiocytic sarcoma from benign haemophagocytic syndrome extremely difficult, as this was traditionally based on the percentage of histiocytic cells within the bone marrow.