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URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-75074
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7507/


Einsatz der Sonographie zur Untersuchung von Rückenmark und Rückenmarkserkrankungen beim Hund, unter besonderer Berücksichtigung des Bandscheibenvorfalls : eine intra– und postoperative Studie

Golla, Tanja


Originalveröffentlichung: (2010) Giessen : VVB Laufersweiler
pdf-Format: Dokument 1.pdf (34.680 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5517-2
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.11.2009
Erstellungsjahr: 2010
Publikationsdatum: 13.04.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mittels Sonographie die einzelnen Bestandteile des Rückenmarkes (Dura mater, Subarachnoidalraum, Pia mater, Zentralkanal, Rückenmarksparenchym) dargestellt werden können. Dies ist in den Voruntersuchungen
(n= 4) zu sehen. In den folgenden eigentlichen Untersuchungen (n= 100) sind nicht in jedem Fall alle Bestandteile sichtbar, was auf die vorhandenen pathologischen Veränderungen, den Untersuchungszeitpunkt und weitere beeinflussende äußere Faktoren (wie z.B. Hydratationsstatus) zurückzuführen ist.
Der intraoperative Ultraschall bietet unter Verwendung eines Linearschallkopfes mit einer Frequenz zwischen 5 – 10 MHz eine gute Möglichkeit zur Darstellung der einzelnen Rückenmarksstrukturen. Bei pathologischen Veränderungen des Rückenmarkes und bereits bestehender Diagnose stellt die intraoperative Sonographie eine gute Möglichkeit zur Navigation, zur Einschätzung des Ausmaßes der Veränderungen und auch zur Kontrolle nach erfolgter Entfernung der Veränderung dar.
Die Hauptgruppe der untersuchten pathologischen Veränderungen stellt die Tiere mit Bandscheibenvorfällen dar (n= 86). Das sonographische Aussehen: inhomogene, reflexreiche Areale mittlerer Echogenität finden sich bei allen untersuchten Patienten (n= 86). Des Weiteren zeigt sich eine Tendenz zum Vorhandensein des Merkmals Distaler Schallschatten und einer zentralen Lokalisation der Bandscheibenvorfälle. Diese beiden Merkmale stellen jedoch kein sicheres Kriterium zur sonographischen Identifikation dar, denn es ist eine Variation des Auftretens vorhanden (50 % - 79 % bzw. 87,1 % - 100 %). Die intraoperative sonographische Identifikation der Bandscheibenvorfälle gelingt in 79 % der Fälle und die in einer Kontrollgruppe (n= 20) im Vergleich mit einer postoperativ durchgeführten Computertomographie überprüfte Dekompression zeigt eine 70 %ige Übereinstimmung mit den sonographischen Befunden. Die Überprüfung eines möglichen Zusammenhangs zwischen Größe der Bandscheibenvorfälle und Neurostatus der Tiere ergibt intraoperativ einen signifikanten Zusammenhang mit p= 0,012 und rs= +0,43, d.h. je kleiner die Bandscheibenvorfälle, desto schlechter der Neurostatus.
Beachtet werden muss, dass Blutungen, die intraoperativ auftreten, einen signifikant schlechten Einfluss auf die Beurteilbarkeit des Rückenmarkes und evtl. pathologischer Veränderungen haben (p< 0,0001 und rs= +0,69).


Im Vergleich mit den anderen untersuchten Pathologien (n= 14) (Zysten, Rückenmarkstumoren, Blutungen, Myelomalazie) ähneln sich die Echomuster teilweise stark.
Zystische Veränderungen und Rückenmarkstumoren von reflexarmer Echogenität lassen sich am deutlichsten von Bandscheibenvorfällen differenzieren. Reflexreiche Rückenmarkstumoren und traumatische Veränderungen (Blutungen, Myelomalazie) lassen sich sonographisch z.T. schwieriger bis gar nicht unterscheiden.
Die zystischen, tumorösen und traumatischen Veränderungen sind in allen Fällen (n= 14) sonographisch gut darstellbar.
Postoperativ bieten sich die besten Untersuchungsmöglichkeiten mit einem Linearschallkopf und einer Frequenz von 9 MHz. Es zeigt sich jedoch, dass die postoperative Sonographie bei Bandscheibenpatienten nach den vorliegenden Ergebnissen keine wesentlichen Vorteile oder ergänzenden Informationen im Vergleich mit den bereits etablierten bildgebenden Verfahren bietet. Es sind signifikante Unterschiede, bzw. Zusammenhänge in der sonographischen Beurteilbarkeit des Operationsgebietes abhängig vom jeweiligen Untersuchungszeitpunkt (asymptotic p= 0,0126) und der Rasse, bzw. Größe der Tiere (p= 0,0037 und rs= -0,33) zu finden. Die Überprüfung eines möglichen Zusammenhangs zwischen postoperativem Neurostatus und Beurteilung/Aussehen des Rückenmarkes bzw. Vorhandensein von Restbandscheibenmaterial zu den verschiedenen Untersuchungszeitpunkten ergibt keine Signifikanz (Zeitpunkt 3: p= 0,59 und rs= +0,06, Zeitpunkt 4: p= 0,38 und rs= -0,13, Zeitpunkt 5: p= 0,88 und rs= +0,03/ Zeitpunkt 3: exact p= 0,24, Zeitpunkt 4: exact p= 0,41, Zeitpunkt 5: exact p= 0,74). Somit ist ein tatsächlicher klinischer Bezug nur schwer herzustellen und mögliche Ergebnisse können verfälscht werden.
Weitere mögliche Ursachen für eine erschwerte postoperative Sicht auf das Operationsgebiet können z.B. Entzündungserscheinungen durch die Operation, Vernarbungen, Knochenneubildungen im Lauf der Zeit und auch eine individuell unterschiedliche Zusammensetzung/bzw. Aufbau von Haut, Fett, Bindegewebe und Muskulatur der einzelnen Tiere sein.

So lässt sich sagen, dass nach dem momentanen Stand der Untersuchungen nur die intraoperative Sonographie im Bereich des Rückenmarkes Erfolg versprechend und durch zukünftige Studien ausbaufähig erscheint.