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Similarities of theoretical and practical reasoning processes : behavioral and brain imaging evidences

Ähnlichkeiten von theoretischen und praktischen Denkprozessen : verhaltensexperimentelle und bildgebende Evidenzen

Wiedenmann, Patrick


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Freie Schlagwörter (Deutsch): theoretisches Denken , praktisches Denken , fMRT , Logik , Moral
Freie Schlagwörter (Englisch): theoretical reasoning , practical reasoning , fMRI , logic , morals
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Englisch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.03.2010
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 24.03.2010
Kurzfassung auf Englisch: For hundreds of years, philosophers explored how humans reason and what reasoning abilities humans possess. They were also interested at how these reasoning abilities could and should be applied to reach a peaceful and flourishing coexistence. The two sub-disciplines investigating these issues are theoretical and practical philosophy. Epistemology is the main research domain of the former, whereas morals and ethics represent the main research field of the latter. Philosophers like Kant often derived their theories on practical reasoning from their assumptions on theoretical reasoning, trying to propose an ‘all-encompassing’ theory. Since the last century, even the field of natural sciences investigated on practical and theoretical human reasoning processes. In contrast to philosophy, disciplines like neuroscience or psychology used behavioral experiments instead of ‘thought experiments’, and the models proposed often refer either to practical or to theoretical reasoning. Actual proposals derived from experimental findings to explain human reasoning often suggest ‘dual-process’ accounts. ‘Dual-process’ models contain ‘rational’ and ‘emotional/intuitive’ cognitive processes that are assumed to be involved in human reasoning. Such assumptions have been made in the areas of theoretical and practical reasoning research. However, these reasoning domains have mainly been investigated in isolation and the respective ‘dual-process’ accounts thus refer to either theoretical or practical reasoning. Therefore, the idea of the current thesis being presented here, is to investigate theoretical and practical reasoning combined, applying behavioral and brain imaging experiments to provide evidence that both reasoning domains are similarly based on ‘rational’ and ‘emotional/intuitive’ processes. If such evidence could be found, ‘dual-process’ models should account for both of these reasoning domains. To reach this aim, three pre-studies and five experiments were conducted ranging from behavioral experiments with “normal” participants over extreme groups (i.e., persons with superior intelligence as compared to persons with average intelligence) to brain imaging techniques. The results reveal first hand evidences supporting the above assumptions. Theoretical and practical reasoning seem to require ‘rational’ and ‘emotional/intuitive’ cognitive processes based on activations in a fronto-temporo-parietal network in the brain. These results and further findings will be interpreted and discussed within the context of the current research on theoretical and practical reasoning.
Kurzfassung auf Deutsch: Seit Jahrhunderten erforschen Philosophen, wie Menschen denken und welche Denkfähigkeiten sie besitzen. Außerdem versuchen sie herauszufinden, wie Menschen ihr Denken einsetzen können und sollten, um ein friedliches und fruchtbares Zusammenleben zu erreichen. Dabei entstanden die Disziplinen ‚theoretische‘ und ‚praktische‘ Philosophie, wobei sich die erste hauptsächlich mit Epistemologie, und die zweite mit Ethik und Moral beschäftigt. Philosophen wie Kant entwickelten ihre Theorien über praktisches Denken oft aufbauend auf ihren Theorien zu theoretischem Denken, und präsentierten so relativ ‚all-umfassende‘ Theorien. Im letzten Jahrhundert begannen auch die Naturwissenschaften praktische und theoretische Denkprozesse des Menschen zu erforschen. Im Unterschied zur philosophischen Forschung, in der oft ‚Gedankenexperimente‘ eingesetzt wurden, nutzten psychologische oder neurowissenschaftliche Forschung Verhaltensexperimente, und die Modellannahmen die postuliert wurden, beziehen sich entweder auf theoretisches oder praktisches Denken. Gegenwärtige Theorien menschlichen Denkens, die auf experimentellen Ergebnissen basieren, sind unter anderem ‚Zwei-Prozess‘ Modelle. Sie werden ‚Zwei-Prozess‘ Modelle genannt, da in ihnen ‚rationale‘ und ‚emotional/intuitive‘ kognitive Prozesse als Grundlage des Denkens angenommen werden. Solche Erklärungsansätze gibt es sowohl im Bereich der theoretischen als auch der praktischen Denkforschung. Allerdings wird zu beiden Denkbereichen meist getrennt geforscht und dementsprechend gelten die jeweiligen Modelle auch nur für theoretisches oder praktisches Denken. Daher war die Idee für die vorliegende Arbeit, diese beiden Forschungsbereiche gemeinsam mittels Verhaltensexperimenten und bildgebenden Verfahren zu untersuchen, um Evidenzen dafür zu bekommen, dass beide Denkbereiche auf ‚rationalen‘ und ‚emotional/intuitiven‘ Prozessen basieren. Sollte es Evidenzen dafür geben, wären wohl ‚Zwei-Prozess‘ Modelle der beste Erklärungsansatz für beide Denkdomänen. Um dieses Ziel zu erreichen wurden drei Vorstudien und fünf Experimente durchgeführt, die von Verhaltensexperimenten mit „normalen“ Personen, über Extremgruppenvergleiche (z.B., hoch-intelligente vs. durchschnittlich-intelligente Personen) bis hin zu bildgebenden Verfahren reichten. Die Ergebnisse dieser Experimente liefern erste Evidenzen für die eben getroffenen Annahmen. Theoretisches und praktisches Denken scheinen auf ‚rationalen‘ und ‚emotional/intuitiven‘ kognitiven Prozessen zu beruhen, die wiederum mit Aktivierungen in fronto-temporo-parietalen Gehirnstrukturen assoziiert sind. Die Ergebnisse werden im Rahmen der aktuellen Forschung zu theoretischem und praktischem Denken interpretiert und diskutiert.