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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7483/


Baukultur als Symbol nationaler Identität : Das Beispiel Kabul, Afghanistan

"Baukultur" [building culture] as a symbol of national identity : The example of Kabul, Afghanistan.

Issa, Christine


pdf-Format: Dokument 1.pdf (12.230 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Baukultur , Kabul , Identität , Architektur , Kulturgeographie
Freie Schlagwörter (Englisch): architecture , Kabul , identity , cultural geography , building culture
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geographie
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geowissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 08.12.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 18.03.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit Gebäude, Denkmäler und öffentlichen Plätze nationale Identifikationsprozesse einer Gesellschaft widerspiegeln. Am Beispiel der afghanischen Hauptstadt Kabul wird die heutige bauliche Gestalt unter religiösen, ethnischen, kommerziellen, säkularen, nationalen und visionären Aspekten analysiert. Im Fokus dieser Arbeit stehen dabei die Akteure der Stadtgesellschaft, ihre Identitätsbezüge und ihre gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Motive. Untersucht wurden die Prozesse der nationalen Identitätsfindung bis zum Einmarsch der Sowjetunion 1979, die Auswirkungen des folgenden 23jährigen Krieges auf die Identitätsbezüge der Afghanen und die Prozesse der Identitätsfindung nach dem Fall der Taliban 2001 und dem Beginn des Wiederaufbaus. Denkmäler, neue und traditionelle Architekturtypologien wie die traditionelle Hofbauweise oder neue Wohnformen, neue Handels- und Repräsentationsarchitekturen, die Bedeutung der Sakralarchitektur und die Nutzung von öffentlichen und privaten Räumen wurden als Spiegel sozialer Transformationsprozesse vor 1979 und nach 2001 analysiert. Für die Untersuchung wurden verschiedene Methoden herangezogen: die fotografische Dokumentation und Entwicklung ausgewählter Bauten 2005, 2006 und 2008, die Kartierung der neuesten städtebaulichen Entwicklungen insbesonderer neuer Haustypologien im Stadtbild von Kabul, die Kartierung der Fluchtbewegungen während des Krieges und der Einfluss lokaler, regionaler und nationaler Vorstellungen der Rückkehrer in die Hauptstadt Kabul. Aufschluss über die emische Perspektive „afghanischer Identität“ geben die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung, in der 247 afghanische Hochschulangehörige (Studenten und Hochschullehrer) Auskunft über ihre Vorstellungen afghanischer nationaler Identität geben.

Die Ergebnisse zeigen, das Denkmäler, Gebäude und Kulturlandschaften als Orte der Identifikation und Orientierung dienen. Sie schaffen neue Realitäten und erinnern an vergangene Erlebnisse, sie kommunizierungen Meinungen und Ideologien und sind Austragungsorte politischer, religiöser oder gesellschaftlicher Konflikte. In Kabul sind Heiligengräber und Moscheen, aber auch kulturhistorische Stätten wie das Nationalmuseum wichtige identitätsstiftende Orte, die soziale Funktionen in der afghanischen Gesellschaft übernehmen und als Stabilisatoren der kulturellen und nationalen Identität dienen. Denkmäler, die als Erinnerungskultur für eine nationale Identität bewusst konstruiert wurden sind vor allem politisch motiviert. Sie betonen weniger das nationale Erbe, sondern mobilisieren vor allem die ethnische Identität. Die neuen Bautrends, die sich vor allem durch die in Kabul seit 2001 neuen Spiegelglassfassaden auszeichnen, repräsentieren neue Formen der Materialisierung der sich wandelnden sozialen Strukturen und Hierarchien innerhalb der afghanischen Gesellschaft nach dem Krieg.



Kurzfassung auf Englisch: This work deals with the question on how far buildings, monuments und places reflect national processes of identification of a society. Regarding the example of the Afghan capital Kabul, the aim of this research is to analyse today’s construction culture under religious, ethnic, commercial, secular, national and visionary aspects. The focus lies on the actors of the urban society, their identity relationships and their social, economic and political motivation. The processes of finding national identity are analysed up to the invasion of Soviet Union in 1979, and the influence of 23 years of war until the reconstruction process started since the fall of the Taliban 2001. Monuments, new and traditional types of architecture are analysed as mirrors of social transformation processes before 1979 and after 2001.

For analysis different methods were used: a photo documentation of special buildings in 2005, 2006 and 2008; mapping of the newest urban developments of Kabul, the refugee’s movement during the war and the influence of local, regional and national imaginations of the returnees in the capital Kabul. Afghan perspectives were delivered by 247 Afghan students and teachers who answered a questionnaire about “Afghan Identity”.

The results show, that monuments, buildings and cultural landscapes are places of identification and orientation. They create new realities and remember on past experiences. They communicate opinions and ideologies as well as they are places of political, religious or societal conflicts. In Kabul mosques, Shrines of martyrs and the national museum are important identity-giving places that overtake social functions in the Afghan society and are stabilisations of the cultural and national identity. Monuments that are constructed for a national identity are politically intended. They mobilize an ethnic identity and do not focus on the national heritage. The new trends of construction culture in Kabul, especially the new mirror-glass-facades architectural style, represent new forms of a materialisation process of the changing social structures and hierarchies between the Afghan society after the war.