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Nationale Identifikationen und ethnische Grenzziehungsprozesse: Funktionen, Konsequenzen und Veränderungen über Raum und Zeit : Theoretische und methodologische Herausforderungen aus vergleichender Perspektive

Latcheva, Rossalina


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Freie Schlagwörter (Deutsch): nationale Identifikation , ethnische Grenzziehung , Triangulation , Strukturgleichungsmodelle , kognitive Interviews
Freie Schlagwörter (Englisch): national identification , ethnic exclusion , triangulation , structural equation modelling , cognitive interviewing
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Politikwissenschaft
Fachgebiet: Soziologie
DDC-Sachgruppe: Sozialwissenschaften, Soziologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.02.2010
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 10.03.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden Dissertationsschrift ist es, Zusammenhänge zwischen nationalen Identifikationen und Prozessen ethnischer Exklusion aus einer vergleichenden Perspektive zu analysieren. Die Zusammenstellung der Beiträge entspricht einerseits ihrer chronologischen Entstehung und anderseits etlichen inhaltlichen Vorüberlegungen über den Schwerpunkt jeder einzelner Abhandlung.
Der erste Beitrag „Neutrality and Austrian Identity. Discourse on NATO and Neutrality as Reflected in Public Opinion“ analysiert den Zusammenhang zwischen Österreichs immerwährender Neutralität und dem nationalen Selbstverständnis im Sinne einer Reflexion der diesbezüglichen öffentlichen Meinungen. Anhand von Ergebnissen zahlreicher Meinungsumfragen wird im ersten Teil die Einstellungskontinuität bzw. -wandel im Hinblick auf die Neutralität und einer möglichen NATO-Mitgliedschaft untersucht. Der zweite Teil konzentriert sich auf die Analyse der konstitutiven Wirkung und der Tragfähigkeit des Neutralitätsgedankens für das nationale Zugehörigkeitsgefühl. Unter Anwendung von Strukturgleichungsmodellen wurden explizit formulierten und theoretisch abgeleiteten Hypothesen zu der Dimensionalität und den Zusammenhängen zwischen den latenten Konstrukten „nationale Identität“, „Neutralität“ und „Einstellung zur EU“ überprüft.
Der zweite Beitrag „Nationalism versus Patriotism, or the Floating Border? National Identification and Ethnic Exclusion in Post-Communist Bulgaria“ analysiert den Zusammenhang zwischen nationalen Identifikationsmustern und ethnischer Exklusion in Bulgarien zu zwei verschiedenen Zeitpunkten (1995 und 2003) und leistet somit einen Beitrag zu den fortlaufenden Debatten über die Auswirkungen des Nationalen auf ethnische Grenzziehungsprozesse. Mithin geht es um folgende Forschungsfragen: Inwieweit sind die aus der Theorie der Sozialen Identität und den Theorien des Ethnozentrismus und Nationalismus abgeleiteten Hypothesen auch für eine Gesellschaft in der Phase postkommunistischer Transition haltbar? Zumal der Begriff Transition Veränderungen über die Zeit impliziert, ist die Longitudinalanalyse der Effekte von nationalen Identifikationsmustern auf ethnische Grenzziehungsprozesse von besonderem Interesse. Können dementsprechend Veränderungen in der Einstellungsstruktur über die Zeit festgestellt werden? Dieser Fragestellung wurde mithilfe von multiplen Gruppenvergleichen im Rahmen des Strukturgleichungsansatzes nachgegangen. Den dritten Forschungsgegenstand und Analyseschwerpunkt dieses Artikels stellt das kritische Hinterfragen der in der Literatur zu Nation und Nationalismus verbreiteten konzeptuellen Trennung zwischen „civic“ und „ethnic“ sowie zwischen Nationalismus und Patriotismus dar.
Konkrete Ergebnisse dieses Beitrages spannen einen roten Faden zur Auseinandersetzung im dritten Artikel dieser Dissertationsschrift. Zumal sich die im zweiten Artikel verwendete konzeptuelle Trennung als schwierig erwies (die postulierten Zusammenhänge zwischen Chauvinismus, Nationalismus und Patriotismus waren so nicht haltbar); zumal die Erklärungskraft der unterschiedlichen nationalen Identifikationsmuster auf ethnische Exklusion nicht befriedigend war, erweist sich folgende methodologische Frage als aktuell: Inwieweit sind die im (früheren) „Westen“ unter Berücksichtigung eines spezifischen historischen Kontextes entwickelten Theorieansätze zu nationaler Identifikation und ethnischen Grenzziehungen überhaupt auf postkommunistische Gesellschaften mit ihrem speziellen Kontext anwendbar? Oder „hinkt“ die Operationalisierung bzw. die Validität der Indikatoren und geht es vielmehr um die Messqualität der für die Messung von latenten Konzepten verwendeten Surveyfragen?
Der dritte Artikel „Cognitive Interviewing and Factor-Analytic Techniques: A Mixed Method Approach to Validity of Survey Items Measuring National Identity“ greift die eben beschriebene Problematik insofern auf, als er die Messqualität der im ISSP Modul zu Nationaler Identität 1995 und 2003 verwendeten Items durch eine Integration von qualitativen und quantitativen Forschungs- und Analyseverfahren zentriert. Mit dem Fokus auf Österreich und unter Anwendung explorativer und konfirmatorischer Faktorenanalysen sowie andererseits kognitiver Interviewtechniken steht die kumulative Validierung (sequential quantitative-qualitative analysis) von einigen ISSP-Skalen zu nationaler Identifikation im Mittelpunkt.
Der vierte Artikel dieser Dissertationsschrift „integration revisited – Zur Dynamik und Kontextabhängigkeit individueller Integrationsverläufe am Beispiel von MigrantInnen der ersten Generation in Wien“ ergänzt das Verständnis über die Rolle von sozialer Identität um zwei Perspektiven: 1) um die Bedeutung nationaler bzw. ethnischer Identifikationen in Migrations- und Integrationsprozessen; 2) um die subjektive Bewertung (nationaler) Identifikationen im individuellen Migrationsprojekt und die Veränderung dieser Bewertung über die Zeit.