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Erkrankungshäufigkeit und prognostische Bedeutung von ausgewählten Laborparametern beim neugeborenen Fohlen

Prevalence and prognostic relevance of certain laboratory parameters of newborn foals

Ulrich, Tina


pdf-Format: Dokument 1.pdf (6.327 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Erkrankungshäufigkeit , Prävalenz , Laborparameter , Fohlen , prognostische Bedeutung
Freie Schlagwörter (Englisch): prevalence , laboratory parameter , foal
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Adrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.11.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 05.02.2010
Kurzfassung auf Deutsch: Im Rahmen dieser Studie wurden Patientendaten von 464 Fohlen ausgewertet. Dabei handelte es sich um 393 erkrankte und 71 gesunde Tiere in einem Alter von einem bis zehn Lebenstagen. Untersucht wurden u. a. die Prävalenz wichtiger Fohlenerkrankungen wie beispielsweise Septikämie, Hypogammaglobulinämie, Prämaturität, die Mortalitätsraten der Krankheitsbilder sowie die Unterschiede bestimmter labordiagnostischer Parameter im Hinblick darauf, ob die Fohlen an der jeweiligen Erkrankung verstarben oder überlebten.
An einer Septikämie litten 134 der 464 untersuchten Fohlen (28,9 %), von denen 74 gesund entlassen wurden. Tod bzw. Euthanasie erfolgten durchschnittlich nach 4,2 ± 2,9 Tagen. Dabei lag die Mortalitätsrate bei 41,8 %. Zwischen den Tieren, die infolge der Septikämie verstarben, und denen, die gesund entlassen werden konnten, unterschieden sich der Leukozytenwert (p < 0,001), die Glukosekonzentration (p < 0,01), der Harnstoffwert (p < 0,001) und die GLDH-Aktivität (p < 0,01) signifikant.
Eine Hypogammaglobulinämie wurde bei 93 der 464 Fohlen diagnostiziert (20 %). Von diesen Fohlen konnten 50 gesund entlassen werden. Die kritische Phase für das Überleben der Tiere lag bei 4,9 ± 3,2 Tagen post natum. Die Mortalitätsrate lag bei 41,99 %. Zwischen den Tieren, die an einer Hypogammaglobulinämie verstarben und denen, die gesund entlassen werden konnten, unterschied sich die Harnstoffkonzentration signifikant (p < 0,05).
Insgesamt 56 Fohlen (12,1 %) wurden aufgrund einer bestehenden Prämaturität in der Klinik eingeliefert oder prämatur geboren, wovon 16 Tiere gesund entlassen werden konnten. Der Todeszeitpunkt lag durchschnittlich bei 4,1 ± 2,8 Tagen post natum. Zwischen den Tieren, die infolge der Prämaturität verstarben und denen, die entlassen werden konnten, unterschieden sich der im venösen Blut ermittelte pH-Wert (p < 0,01), die aktuelle Basenabweichung (p < 0,01) sowie die Laktatkonzentration signifikant. Die Mortalitätsrate lag mit 67,9 % in dieser Gruppe am höchsten. Die geringste Mortalitätsrate (13 %) wiesen die an Diarrhoe erkrankten Fohlen auf (Todesalter 7,3 ± 2,2 Tage post natum).
Weitere Krankheiten, die mit einer Prävalenz von mehr als 10 % auftraten, waren Mekoniumobstipation (101 Fohlen, 21,8 %), Bronchopneumonie (95 Fohlen, 20,5 %) und Lebensschwächesyndrom (74 Fohlen, 15,9 %). Auch die Verlustraten für Mekoniumobstipation (29,7 %), Lebensschwächesyndrom (58,1 %) und Bronchopneumonie (37,9 %) lagen relativ hoch.
Die Ergebnisse sollen es erleichtern, prognostische Aussagen beim Vorliegen von Fohlenerkrankungen zu treffen und die im Krankheitsfall zu untersuchenden labordiagnostischen Parameter gezielt auszuwählen.
Werden entsprechend ausgewählte labordiagnostische Parameter vor dem Hintergrund einer vollständigen klinischen Untersuchung interpretiert, können sie nicht nur bei der Diagnosestellung, sondern auch im Hinblick auf die Prognose für das Einzeltier bedeutend sein. Des Weiteren bieten die dargestellten Mortalitätsraten einen Anhaltspunkt für Aussagen zur Prognose sowohl für den Tierarzt als auch für den Besitzer.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass durch die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zum ersten Mal Angaben zur Häufigkeit und Überlebensrate von Erkrankungen neonataler Fohlen vorliegen. Diese Informationen können für die quantitative und qualitative Bewertung dieser Krankheitsbilder herangezogen werden. Zudem können bestimmte Veränderungen von Laborparametern helfen, prognostische Aussagen auf einer objektivierbaren Grundlage zu treffen.