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Anatomisch-histologische Variationen des Labrum glenoidale bei erwachsenen Hunden verschiedener Rassen im Vergleich zum jungen Beagle unter besonderer Berücksichtigung des Kollagenfaserverlaufs

Dreiner, Laura


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler
pdf-Format: Dokument 1.pdf (11.663 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Kleintiere, Chirurgie; Orthopädische Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5557-8
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.11.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 21.12.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Einleitung: Während das Labrum glenoidale und sein struktureller Aufbau in zahlreichen humanmedizinischen Studien umfassend beschrieben worden ist, findet das canine Labrum in der veterinärmedizinischen Literatur nur unzureichend Aufmerksamkeit.
Untersuchungen der Zusammenhänge zwischen Schulterlahmheiten traumatischer Genese und Schulterinstabilitäten im Hinblick auf Labrumläsionen finden sich im Gegensatz zur humanmedizinischen Literatur in der veterinärmedizinischen Literatur nur selten. Altersvergleichende Darstellungen der Gelenklippe fehlen gänzlich.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, die Zusammensetzung und den strukturellen Aufbau der Schultergelenklippe bei erwachsenen Hunden sowohl makroskopisch als auch mikroskopisch zu beschreiben, um mögliche Variationen zu den anatomischen Verhältnissen beim jungen Beagle (Ruchay, 2008) aufzuzeigen und somit die Interpretation der klinisch und mit Hilfe bildgebender
Verfahren gewonnenen Ergebnisse zu erleichtern.
Material und Methode: Untersucht wurden 20 Schultergelenke von Hunden in einem Alter von acht bis sechzehn Jahren (SD 2,68) mit einem Gewicht von sechs bis neunundfünzig Kilogramm (SD 15,63), die entweder verstorben waren oder aufgrund von unterschiedlichen Krankheitsursachen euthanasiert werden mussten.
Nach der Aufteilung des formalinfixierten und entkalkten Glenoids in 7 Segmente, welche sich in ihrer Ausrichtung an der kranial ausgerichteten Bizepssehne orientierten, wurden histologische sowie immunhistologische Färbungen der paraffin-eingebetteten Schnittpräparate angefertigt. Dabei wurden
die verschiedenen Labrumanteile auf das Vorhandensein von Kollagen I, II und III untersucht. Darüberhinaus wurde die Vaskularisation der Gelenklippe und der umgebenden Strukturen mittels tissue-Transglutaminase-Aktivität der Endothelzellen dargestellt.
Ergebnisse: Makroskopisch ist das Labrum glenoidale bei erwachsenen Hunden wenig markant. Als eigenständige Struktur ist es lediglich kaudolateral als schmaler derber Saum zu identifizieren. In den anderen Bereichen rund um das Glenoid besteht eine enge Anheftung an umgebende Strukturen, so
kranial an die Bizepssehne, kraniolateral an das laterale Glonohumeralband und medial an das mediale Glenohumeralband.
Histologisch konnte gezeigt werden, dass medial eine meniskoide Falte in den Gelenkspalt ragt. Ebenfalls auffällig ist medial ein bei allen Präparaten nachweisbarer Recessus zwischen Labrum und Kapsel. Eine enge Anbindung an die Gelenkkapsel besteht in den kaudalen Segmenten IV bis VI.
Entgegen der bisherigen Literaturangaben konnte auch bei erwachsenen Hunden festgestellt werden, dass das Labrum glenoidale neben einer faserknorpeligen Verankerungszone noch eine zirkuläre Zone besitzt, wenngleich die Ausprägung zum Teil vom Erscheinungsbild der jungen Hunde (Ruchay, 2008) abweicht.
Im kranialen Segment wird das Labrum wie beim jungen Beagle (Ruchay, 2008) von der Verankerungszone dominiert, lediglich in 5 von 18 ausgewerteten Präparaten kommt daneben noch ein zirkulärer Faserzug vor. Zusätzlich lässt sich noch eine dritte Struktur, die sich ähnlich einer meniskoiden Falte darstellt, nachweisen. Diese Verschiebeschicht überragt jedoch hier in den meisten
Fällen nicht die Knorpeldeckschicht.
Während im kraniomedialen Segment II wie beim jungen Beagle (Ruchay, 2008) überwiegend beide Labrumanteile zu finden sind, kommt im medialen Segment III in 7 der 20 ausgewerteten Präparate neben einem zirkulären Faserzug noch eine Verankerungszone vor. Zusätzlich wird zwischen Labrum und Gelenkkapsel ein Recessus nachgewiesen, der mit einer synovialen Deckschicht ausgekleidet ist.
In Segment IV dominiert wie bei den jungen Beaglen (Ruchay, 2008) die Zirkulärzone, lediglich in 5 von 19 ausgewerteten Präparaten kommt zusätzlich eine Verankerungszone vor.
Segment V präsentiert sich mit einem zirkulären Faserzug, lediglich in 3 von 19 Präparaten lässt sich zusätzlich eine Verankerungszone nachweisen. Dabei handelt es sich um Hunde mit einem Körpergewicht zwischen 44 und 59 kg. Segment VI besitzt im Gegensatz zu der Studie an jungen Beaglen (Ruchay, 2008), in der die Verankerungszone und der zirkuläre Faserzug dargestellt werden,
nur in etwa der Hälfte der Präparate beide Zonen, ansonsten sind nur zirkuläre Fasern nachzuweisen. Eine Alters-oder Gewichtskorrelation ist dabei nicht festzustellen. Segment VII präsentiert sich ähnlich zur Beaglegruppe (Ruchay, 2008) mit einer solitären Verankerungszone.
Folgerung: Die Ergebnisse machen deutlich, dass der strukturelle Aufbau des Labrums in der vorliegenden Arbeit bei den älteren Hunden eine große Ähnlichkeit zu den jungen Beaglen aufweist, dass aber im Ausmaß der einzelnen Labrumanteile Unterschiede bestehen.
Die von Ruchay (2008) angegebene Inkongruenz des Schultergelenks (1:2,5) kann in der vorliegenden Arbeit bestätigt werden (1:2,6).
Insgesamt kann festgehalten werden, dass dem Labrum glenoidale des Hundes weniger eine gelenkflächenvergrößernde bzw.- vertiefende Funktion als vielmehr eine herausragende Bedeutung in der Anheftung des umgebenden Kapsel-Bandapparates zukommt.
Kurzfassung auf Englisch: Introduction: Whereas the labrum glenoidale with its structure has been comprehensively described in human medical studies, the canine labrum only gets insufficient attention. In contrast to human medical literature, veterinarian studies are rarely found in which coherences between shoulderlamness caused by trauma and shoulder instability with regard to lesions of the labrum are
investigated and studies comparing the joint lip considering age and weight are missing completely.Therefore the purpose of this study was to describe the composition and structure of the canine labrum macro- and microscopically in adult dogs of different ages and body weight, providing an overview on the anatomic situation in comparison to young dogs (Ruchay, 2008) and thus
facilitating an interpretation of clinical and imaging results.
Material and Methods: 20 shoulder joints of dogs between 8 and 16 years (SD 2.68) and 6 to 59 kg (SD 15.63) which had died naturally or had been euthanized were examined. In all cases the cause of illness was unknown. The formalin-fixed and decalcified glenoids were separated into 7 segments,
oriented in their direction towards the cranial biceps tendon. The paraffin-embedded segments were cut into several slices and stained histologically. The different parts of the labrum were also examined immunohistologically for collagen I, II, and III. In addition the vascularisation of the articulation lip and its surrounding region was demonstrated by staining for the endothelial cell marker transglutaminase.
Results: Macroscopically the labrum glenoidale is not prominent in adult dogs. It can only be identified caudolateral as a thin and solid seam. In the other segments around the glenoid it is closely connected to neighbouring structures, esp. cranially to the biceps tendon, craniolaterally to the ligamentum
glenohumerale laterale and medially to the ligamentum glenohumerale mediale. On the medial side the meniscoide fold protrudes into the articular space while in all preparations a recess between labrum and joint capsule can be noticed histologically. In the caudal segments IV to VI the labrum is closely connected to the joint capsule. Contrary to the existing veterinarian literature this study proved that the canine labrum has a circular zone in addition to a fibrocartilagineous transition zone. In the different segments these two zones vary in their dimensions.
In segment I the labrum is dominated by a fibrocartilagineous transition zone as described for young Beagles (Ruchay, 2008) and additionally in 5 of 18 preparations also with a circular zone. Besides, a relocatable meniscoide fold is also shown but in contrast to Ruchay (2008) it is not overlapping the
cartilage layer. In the second segment both zones are found in half of the preparations of this study similar to the situation in young dogs (Ruchay, 2008) in contrast to their results segment III also shows circular fibre portions in 7 of 20 preparations. A recess is also found between labrum and joint capsule.
Segment IV is dominated by the cirular zone while only 5 of 19 preparations display both zones.
Segment V is presented by the circular fibres whereas 3 preparations of bigger dogs with body weights between 44 to 59 kg show both zones. Apart from existing circular fibres, segment IV shows only in nearly 50% of preparations both zones in contrast to Ruchay (2008) and without any age- or weight correlations Segment VII is presented by a transition zone.like in the Beagle group (Ruchay,
2008)
Conclusion: The results show clearly that the canine labrum of older dogs is similar to that of younger dogs but that there are some differences in the dimension of the labrum parts. The incongruence of 84 the shoulder joint (of approximately 1:2,5) as stated by Ruchay (2008) could be confirmed by this
study (1:2,6). In conclusion it can be stated that the labrum glenoidale has little ligament-enlarging respective deepening function than an outstanding importance for the attachment of the surrounding capsule-ligament-structure.