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Vitamin D-Rezeptor-Gen-Polymorphismen und Knochenstoffwechsel bei türkischen Migranten in Deutschland im Vergleich zu einer gesunden deutschen Kontrollgruppe

Üsküdar, Yasemin


Originalveröffentlichung: (2009) Giessen : VVB Laufersweiler
pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.810 KB)

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Abt. Rheumatologie, Klinische Immunologie, Physikalische Medizin u. Osteologie, Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5556-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.11.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 14.12.2009
Kurzfassung auf Deutsch: An Osteoporose leidende Menschen weisen eine reduzierte Knochendichte
(BMD) mit einhergehender Risikoerhöhung für knöcherne Frakturen auf.
Weiterhin liegen eine gesteigerte Morbidität und Mortalität vor. Eine erbliche
Komponente der Knochendichte konnte mit verschiedenen Zwillings- und
Familienstudien belegt werden, woraufhin im Laufe der Jahre ein großes
Interesse an einem molekulargenetischen Hintergrund der Knochendichte
entstand. Obwohl die für die Regulation der Knochendichte verantwortlichen
Gene noch nicht vollständig bekannt sind, findet man zahlreiche Publikationen
über verschiedene Kandidatengene, die einen möglichen Einfluss haben
könnten. So liegen diverse Untersuchungen vor, die sich mit Assoziationen der
Knochendichte und dem Vitamin D-Rezeptor-(VDR-)Gen-Polymorphismus
auseinandersetzen. Hierbei findet man unterschiedliche und teilweise sogar
widersprüchliche Ergebnisse.
Das Ziel dieser Arbeit war die Beschreibung eines möglichen
Zusammenhanges zwischen einer verminderten Knochendichte in Form von
osteoporotischen Verhältnissen und Vitamin-D-Rezeptor-Gen-Polymorphismen
bei in Deutschland lebenden türkischen Migranten im Vergleich zu einer
gesunden deutschen Kontrollgruppe.
Hierfür wurden von insgesamt 183 türkischen Migranten (98 Männer, 46
Frauen) und 46 altersvergleichbaren Deutschen (13 Männer, 33 Frauen) die
Knochendichte im Lendenwirbelsäulenbereich und am rechten Schenkelhals
gesamt mit der DEXA-Methode gemessen. Weiterhin sind folgende
Laborparameter bestimmt worden: Parathormon, Kalizum, Osteocalcin,
Phosphat, alkalische Phosphatase, b-CrossLaps und 25-Vitamin D3. Zusätzlich
erfolgte eine molekulargenetische Analyse durch Extraktion der DNA aus
peripheren Leukozyten zur Genotypisierung der beiden VDR-Gen-
Polymorphismen Bsml und Fokl. Das Fehlen bzw. Vorhandensein der
Schnittstellen für die Restriktionsendonukleasen wurde definiert als „B“, „F“
bzw. „b“, f“.
Insgesamt wiesen 83,1% der türkischen Migranten eine 25(OH)D3-
Hypovitaminose auf, dieser Zustand war bei den Deutschen nur zu 45,7%
vorhanden. Weiterhin konnte bei 82% der Migranten ein erhöhter PTH-Spiegel
und bei 6,6% die klassische laborchemische Konstellation eines sek.
Hyperparathyreoidismus objektiviert werden.
Weder bei den Migranten noch bei den deutschen Probanden war es möglich,
bedeutende Abweichungen hinsichtlich der Verteilung für einen Bsml-
Polymorphismus auszumachen. Bezüglich der Fokl-Allele hingegen waren sehr
wohl signifikante Unterschiede vorhanden. So lagen in der Gruppe der
türkischen Migranten häufiger die Genotypen „FF“ vor (p=0,009). Außerdem
wiesen Frauen aus der Gruppe der Migranten, bei denen ein Ff-Genotyp
nachgewiesen werden konnte, verminderte BMD- und T-Score-Werte sowohl im
LWS-Bereich als auch am rechten Schenkelhals gesamt auf (p<0,046).
Bezeichnende Assoziationen zu den untersuchten Laborparametern waren
nicht erkennbar.
Die Männer aus der Gruppe der Türken wiesen keine Assoziation zwischen den
Knochendichte-Werten und den Fokl-Genotypen auf.
Aus den vorliegenden Daten lässt sich also ein Einfluss der Fokl-
Polymorphismen auf die Knochendichte bei türkischen Migrantinnen annehmen.
Durch eine Analyse der Vitamin D-Rezeptor-Gen-Polymorphismen könnte man
bei diesen Personen ein mögliches Osteopenie- bzw. Osteoporoserisiko
frühzeitig erfassen und eine individuelle Risikoeinschätzung bezüglich einer
hohen Knochenbruchgefahr bestimmen. Bei einer ermittelten Risikoerhöhung
für Frakturen wäre es dann angebracht, eine osteoprotektive Medikation
einzuleiten und somit den Prozess der Knochendichtereduktion zu
verlangsamen.
Weitere, zukünftige Studien sind notwendig, um das genaue Ausmaß des
Einflusses des VDR-Polymorphismus analysieren zu können. Hierbei muss
aber auch darauf geachtet werden, dass alle Faktoren eliminiert werden, die
einen Einfluss des VDR-Gen-Polymorphismus auf die Knochendichte
maskieren könnten.
Kurzfassung auf Englisch: People with the systemic skeletal disease „osteoporosis“ have got a low bone
mass density (BMD) and this accompanies an increased risk for bone fractures.
It is also known that osteoporosis is linked up with increased morbidity and
mortality. As a result of several studies with twins and families, genetitic factors
seem to be involved in the pathogenesis of low BMD. Due to this fact, many
clinical trials are engaged in hereditarily facts influencing the bone mass.
Although the gene which regulates the BMD is not entirely defined, a couple of
publications suggest that several genes are involved. The vitamin D-receptorgene
(VDR-gene) has been implicated as a factor affecting the bone mass.
However, associations of VDR-genotypes to bone mineral density in different
populations have brought contradictionary results.
The aim of the current study was to research a possible coherence between the
phenotypical expression of osteoporosis in Turkish migrants living in Germany
and the genetic background of polymorphisms of the VDR-gene, compared to
healthy Germans as a control. Exactly 183 Turkish migrants (98 males, 85
females) and 46 age-matched Germans (13 males, 33 females) were
investigated for their femoral and lumbar BMD by DEXA. Furthermore, the
following laboratory parameters were measured in parallel: parathormon,
calcium, osteocalcin, phosphatase, alkaline phosphate, b-crossLaps and 25-
vitamin D3. By using genomic DNA from peripheral leukocytes the Bsml- and
Fokl-polymorphisms of the VDR-gene were also genotyped. Absent or present
restriction sites were defined as “B”, “F” or “b”, “f”.
Of note Turkish immigrants had a significant higher prevalence of 25(OH)2D3
hypovitaminosis (in 83.1%), they also showed in 82% an elevated PTH and in
6,6% a secondary hyperparathyreoidism.
There was no difference in the disposition of the Bsml-VDR-gene-polymorphism
– neither at Turkish migrants nor at Germans. But the Turkish migrants showed
a significant disposition in Fokl-polymorphism (genotype FF in 54,1%, p=0,009).
Besides, Ff-genotyped Turkish women exhibit significantly decreased BMD and
T-Scores of their right femur and lumbar spine (p<0,046). Significant
associations with any laboratory parameters could not be demonstrated. Male
Turkish migrants did not show any compound between BMD and Foklgenotypes.
The current study observed that Fokl-polymorphisms at the VDR gene are of
clinical value in identifying female Turkish migrants who are at risk for
decreased bone mineral density (osteopenia / osteoporosis). Further studies
should define diagnostic and possible therapeutic implications.