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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/7287/


Einstellungen gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln in Griechenland und Deutschland

Attitudes towards genetically modified food in Greece and Germany

Simak, Antje


pdf-Format: Dokument 1.pdf (763 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Gentechnisch veränderte Lebensmittel , Einstellung , interkultureller Vergleich , Werte
Freie Schlagwörter (Englisch): attitudes towards genetically modified food , attitude, cultural differentiation , values
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Politikwissenschaft
Fachgebiet: Politikwissenschaft
DDC-Sachgruppe: Politik
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 05.11.2009
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 08.12.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit befasst sich mit verschiedenen Aspekten von Einstellungen gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln und deren Erklärung. Es steht somit eine in der vorangegangenen Forschung oftmals dokumentierte aber nie hinreichend erklärte Beobachtung im Mittelpunkt der Arbeit: die Erklärung von Einstellungsunterschieden gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmittel in den verschiedenen Mitgliedsstaaten der EU (vgl. Eurobarometerdaten 1999, 2002, 2005, Bredahl 2000, etc.). Sucht man nach Erklärungen für diese zum Teil beträchtlichen Einstellungsunterschiede, so finden sich in der Literatur entweder keine Erklärungsversuche dieser Unterschiede oder Versuche, die als unbefriedigend zu bezeichnen sind. Erklärungen, die diese Einstellungsunterschiede auf interkulturelle Unterschiede zurückzuführen versuchen, fehlen bisher fast gänzlich. Dies ist erstaunlich, bedenkt man, dass es als anerkannt gilt, dass Ernährung und Kultur aufs Engste zusammenhängen. Will man Einstellungen gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln vergleichend messen, so ist durch vorangegangene Untersuchungen und Studien deutlich geworden, dass bei der Messung weitere, insbesondere kulturelle, Aspekte zu berücksichtigen sind, da die bisherigen Erklärungsversuche die Frage nach dem „Warum“ letztendlich nicht befriedigendend beantworten konnten. In den folgenden Kapiteln stehen besonders Griechenland und Deutschland im Mittelpunkt des Interesses und werden einer genaueren Betrachtung unterzogen als andere Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Durch diese kontrastive Fallauswahl gewinnt man wesentliche Vorteile. Sie öffnet den Blickwinkel in Richtung auf solche potenziellen Einflussgrößen, die bei der Wahl sehr ähnlich gelagerter Fälle in der Regel konstant gehalten werden und dergestalt für variable Entwicklungen bei der abhängigen Variable nicht als Bestimmungsfaktoren in Frage kommen. Ohne die Ergebnisse solcher Untersuchungen wird es schwierig, zwischen Studien zu unterscheiden, die nur lokale Erscheinungen reflektieren und solchen, die sich mit allgemeinen Erscheinungen beschäftigten. Neben Daten von zwei Erhebungszeitpunkten des Eurobarometers (EB 52.1 1999, EB 58.0 2002) werden Daten des European Social Survey (ESS) (Round 1 2002/2003 sowie Round 2 2004/2005) als Sekundärdaten verwendet für die vorliegenden Analysen verwendet (Kapitel 1-3). Die ersten drei Kapitel liefern zum einen grundlegende Informationen über die vorherrschende Einstellung gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln in den Mitgliedsländern der EU sowie in speziell ausgewählten Ländern (insbesondere Griechenland und Deutschland aber auch Spanien und die Niederlande). Ein Grund für die in der Europäischen Union existierenden Einstellungsunterschiede hinsichtlich gentechnisch veränderter Lebensmittel kann in der unterschiedlichen Zusammensetzung der Bevölkerung eines Landes liegen. Es hat sich aber gezeigt, dass die unterschiedlich starke Ablehnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln keine bloße Reflektion der soziodemographischen Komposition des jeweils untersuchten Landes darstellt. Daraus lässt sich folgern, dass die bestehenden Unterschiede tatsächlich durch echte Einstellungsunterschiede verursacht werden. Zum anderen werden erste Sekundäranalysen mit den Daten des Eurobarometers durchgeführt, die Hinweise auf wichtige Komponenten der Einstellung gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln liefern. Es wurde versucht, ablehnungsrelevante Determinanten herauszufiltern sowie zu überprüfen, inwieweit sich diese auf die jeweiligen kulturellen Spezifika (Werte) des jeweiligen Landes zurückführen lassen. Der European Social Survey (ESS), der den Portrait Survey Questionnaire (PVQ) von Schwartz in verkürzter Form in sein Erhebungsprogramm aufgenommen hat, wurde benutzt, um erste Ergebnisse über Wertepräferenzen u.a. in Deutschland und Griechenland zu erhalten (vgl. Kapitel 2 und 3). Um tiefergehende Erkenntnisse zu erlangen, erwiesen sich die Sekundärdaten aufgrund der ihnen anhaftenden Restriktionen bzgl. u.a. Operationalisierung etc. allerdings als unzureichend. Aus diesem Grund wurde eine eigene Erhebung durchgeführt, deren Ergebnisse in Kapitel 4 (durchgeführt in Griechenland und Deutschland 2004) vorgestellt werden. Dank der umfangreichen Vorarbeiten war es möglich, bereits gewonnene Erkenntnisse über potentielle Einflussgrößen der Einstellung gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln bei der Konstruktion des Fragebogens einfließen zu lassen. Werte – im vorliegenden Falle die Werte Macht und Selbstbestimmung - haben in der Tat Einfluss auf die Bildung von Einstellungen gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Diese Werte wirken – wenn auch nur indirekt – auf die Einstellung und beeinflussen diese.
Kurzfassung auf Englisch: Modern biotecThe uses of biotechnology have increased rapidly over the last 20 years. In 2004, the global area of biotech crops continued to grow for the ninth consecutive year at a sustained double-digit growth rate of 20 percent, compared with 15 percent in 2003. The estimated global area of approved biotech crops for 2004 was 81.0 million hectares up from 67.7 million hectares in 2003. Wind-blown pollen, commingled seeds and black-market plantings have further extended estimated production. Over the years the public has become in general more ambivalent towards new technologies. While expecting technological innovation to improve living conditions, concerns about possible adverse effects deriving from the use of these technologies still exist. Modern biotechnology is a central issue in the public debate and scientific claims about its benefits for society are not accepted without criticism. Today, it is more realistic to consider the development of a new technology as a result of a complex social system of interactions and decisions. The public influences decisions on modern biotechnology, not only politically through democratic channels or interest groups, but also as consumers via the market. It is important for decision makers to understand the public’s range of views on biotechnology in order to be able to anticipate potential problems of acceptance, or, one step further, to take consumer or public desires and concerns into account in the development of applications. A review of literature shows that consumer attitudes towards genetically modified food are mainly focused on the influence level of knowledge and socio-demographic status. . The starting point of exploring attitudes towards GM foods is based on Eurobarometer data, which shows that in Europe, significant and marked national differences in acceptance/rejection rates towards GM foods can be found. But how can these considerable differences in attitudes towards GM foods be explained? The structure of attitudes towards gmfood seems to follow a north-south cleavage with a more skeptical south and a less skeptical north. In order to explain those intra-European differences concerning attitudes towards gmfood it might be fruitful to know more about the formation and nature of genetic modification (GM) specific attitudes. In sum, research on determinants of attitudes toward GM food is confined on sociodemographic and knowledge factors in a universalistic point of view. To the best of my knowledge until now there is no research done in connecting cultural factors with attitudes towards gm food by using a binary comparison approach. But especially this seems to be fruitful because common variables like socio-demographic factors obviously failed in order to explain attitudes and attitude differences towards gm food between two countries. The paper at hand tries to close this gap by using a database which was especially designed for this question. Following the approach of Schwartz, one scope of this research paper is to analyze cultural priorities concerning genetically modified food at the individual level. Beyond the suitability of values to express continuous processes of cultural and individual changes is explored in relation to genetically modified food.