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Regionale Verteilungswirkungen der Europäischen Agrarpolitik : Theoretische Überlegungen und empirische Evidenz

Regional redistributive effects of EUs common agricultural policy : theoretical considerations and empirical evidence

Hansen, Heiko


Originalveröffentlichung: (2009) Göttingen : Cuvillier 2009
pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.734 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): EU-Agrarpolitik , Agrarstützung , Verteilungswirkungen , Kohäsionspolitik , regionale Einkommensdisparitäten
Freie Schlagwörter (Englisch): EUs common agricultural policy , agricultural support , redistributive effects , cohesion policy, regional income disparities
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Agrarpolitik und Marktforschung
Fachgebiet: Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 978-3-86955-105-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.06.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 22.10.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Die regionalen Verteilungswirkungen der EU-Agrarstützung sind im Laufe der Zeit zu einem zentralen Thema der (agrar-) politischen und wissenschaftlichen Diskussion geworden. Als ein wesentlicher Grund hierfür ist die wachsende Bedeutung der wirtschaftlichen und sozialen Kohäsion als Politikbereich der EU aufzuführen. Zwar finden in der ökonomischen Literatur die Wirkungszusammenhänge zwischen der finanziellen Unterstützung des Agrarsektors und regionalen Einkommensdisparitäten gerade in der jüngeren Vergangenheit verstärkt Beachtung, allerdings sind bestimmte Aspekte noch immer kaum untersucht. Die vorliegende Arbeit versucht, diese Forschungslücke durch qualitative und quantitative Analysen weiter zu schließen. Nach einer kurzen Einführung wird zunächst die zeitliche Entwicklung der EU-Agrarstützung dargestellt und eine Wirkungsanalyse präsentiert. Anschließend wird der Zusammenhang zwischen den EU-Agrarreformen und der Faktoreinsatzmenge betrachtet. Hierzu werden auf der Basis von Statistiken der Regionalen Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung der Länder (R-LGR) verfahrenspezifische Vorleistungskoeffizienten geschätzt. Die empirischen Berechnungen zum Ausmaß der agrarpolitischen Begünstigung bzw. Belastung von Regionen konzentrieren sich auf die Bundesrepublik Deutschland. Dabei werden zwei räumliche Aggregationsebenen unterschieden: zum einen die Bundesländer (NUTS 1-Ebene) und zum anderen die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte (NUTS 3-Ebene). Der betrachtete Zeitraum erstreckt sich hauptsächlich auf die Jahre von 1991 bis 2004, in denen es zu erheblichen Anpassungen der agrarpolitischen Instrumente der EU kam. Dort wo es die Datengrundlage zuließ, sind ebenfalls die Jahre ab 1979 bzw. 1986 mit erfasst.
Der empirischen Analyse zu den Wirkungen der EU-Agrarpolitik auf die landwirtschaftlichen Erlöse und die gesamtgesellschaftlichen Einkommen liegt der Vergleich mit einer hypothetischen Situation ohne Politik zugrunde. Bezüglich der landwirtschaftlichen Erlöse lässt sich sowohl auf der Ebene der Bundesländer als auch für die hessischen Kreise und kreisfreien Städte ein positiver Zusammenhang zwischen der Höhe der landwirtschaftlichen Erlöse ohne Politik und der absoluten Agrarstützung nachweisen. In relativer Hinsicht und gemessen als Percentage PSE ist die Agrarstützung allerdings in den erlösschwächeren Regionen höher. Grundsätzlich führt die EU-Agrarpolitik zu einer Verringerung der relativen Streuung der landwirtschaftlichen Erlösen. Zudem kann beobachtet werden, dass sich der „streuungsmindernde“ Effekt der EU-Agrarpolitik seit Anfang der 1990er Jahre tendenziell vergrößert hat. Ein Zusammenhang mit den Reformen der EU-Agrarpolitik oder dem Ausmaß der Agrarstützung kann jedoch nicht festgestellt werden, so dass eher Anpassungen der Produktionsstruktur und -intensität zu diesem Ergebnis führen.
Die Untersuchung zu den Umverteilungseffekten der EU-Agrarpolitik für die Gesellschaft insgesamt macht deutlich, dass die Mehrheit der Bundesländer und die Mehrheit der hessischen Regionen durch diese Politik benachteiligt werden. Dabei lässt sich erwartungsgemäß ein negativer Zusammenhang zwischen der Höhe der Nettotransfers aus der EU-Agrarpolitik und der Bevölkerungsdichte einer Region nachweisen. Außerdem besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der Höhe der Nettotransfers und dem verfügbaren Einkommen einer Region. Hierdurch erklärt sich auch, weshalb die EU-Agrarpolitik zu einer Verringerung gesamtgesellschaftlicher Einkommensunterschiede zwischen den Regionen führt. Demnach findet eine Einkommensumverteilung von urbanen und wohlhabenden Regionen zu ländlichen und ärmeren Regionen statt. Ein Einfluss der EU-Agrarpolitik auf Wachstumsentwicklungen im Pro-Kopf-Einkommen konnte nicht festgestellt werden. Für derartige Wirkungen erscheint der Anteil der Nettotransfers mit durchschnittlich etwa einem Prozent am verfügbaren Einkommen zu gering.
Die Ergebnisse weisen somit darauf hin, dass die EU-Agrarpolitik, obwohl es nicht zu ihren expliziten Aufgaben zählt, zu einem Abbau wirtschaftlicher Ungleichgewichte beiträgt. Insofern ist dieser Politikbereich konform mit dem Kohäsionsziel der EU, wonach Einkommensdisparitäten zwischen Regionen verringert werden sollen. Die dargestellten Umverteilungseffekte der EU-Agrarpolitik können dabei sozusagen als „Nebenwirkung“ der produktspezifischen Begünstigung landwirtschaftlicher Erzeuger betrachtet werden.
Kurzfassung auf Englisch: The regional redistributive effects of the Common Agricultural Policy (CAP) have become a central issue in the (agricultural) political and scientific debate. This is mainly because economic and social cohesion has grown in importance in the EU and is now one of its premier policies. Although in the academic literature the relations between agricultural support and regional income inequalities have been increasingly studied, particularly in recent years, still many specific aspects have hardly been addressed to date. The present work tries to further close this research gap using qualitative and quantitative approaches. After a short introduction, the development of CAP support over time is shown and a theoretical impact analysis is presented. Then, the role of CAP reforms with respect to input use is examined by estimating cost-allocation coefficients from regional accounting data of the German federal states. The empirical assessment of regional CAP support focuses on two different levels of aggregation. On the one hand, the German federal states (NUTS 1) are considered, and on the other hand the rural districts of the state of Hesse (NUTS 3). The period under study covers the years from 1991 to 2004, in which significant adjustments of the CAP took place. If data is available, the years from 1979 and 1986, respectively, are also examined.
To reveal the impacts of the CAP on regional income inequalities both within the agricultural sector as well as within society as a whole, the situations with and without policy are explicitly compared. Concerning the agricultural sector, a positive correlation is found between the level of farmers’ revenues without policy and the absolute level of CAP support. This holds true for the German federal states as well as for the Hessian rural districts. In relative terms, and measured as Percentage PSE, in contrast, higher levels of CAP support are associated with lower levels of farmers’ revenues. Generally, the results indicate that CAP support tends to lower the relative regional inequality in farmers’ revenues. It is also shown that this inequality-reducing effect of the CAP has increased since the 1990s. Nevertheless, no influence of the CAP reforms is observed, so it can be concluded that structural and intensity based changes lead primarily to this trend.
With regard to the redistributive effects within society as a whole it is shown that the majority of the German federal states and the majority of the Hessian rural districts are losing under the CAP. As expected, a negative correlation between the level of net transfers and population density is identified. Moreover, a negative correlation between the level of net transfers and the regional level of disposable income exists. This explains why the CAP reduces income inequality within society as a whole. Hence, there is an income redistribution from urbanised and wealthier regions to rural and poorer regions. An impact of the CAP on convergence in per capita disposable income can not be found, as the income share of net transfers is marginal with values below one per cent.
The findings of the present work show that although it pursues other specific objectives, the CAP reduces regional economic disparities and therefore contributes to cohesion. These positive redistributive effects of the CAP can thereby be seen as a by-product of the commodity-specific support to EU farmers.