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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2009/7176/


Psychosomatische Symptome und Depressivität bei Frauen und Männern türkischer Herkunft in Deutschland und in der Türkei

Psychosomatic symptoms and depressiveness in turkish women and men living in Germany and in Turkey

Akinci, Secil


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Psychosomatik und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.06.2009
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 18.09.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Migranten sind eine zahlenmäßig relevante und vulnerable Bevölkerungsgruppe zugleich. Ein Zusammenhang zwischen Migrationslagerung, d.h. der spezifischen Lebenssituation mit Migrationshintergrund und Gesundheit wird häufig postuliert und recht kontrovers diskutiert. Die Analyse des Zusammenhangs wird durch die unzureichende epidemiologische Datenlage erschwert, insbesondere durch die mangelhafte Erfassung des Migrantenstatus in den zur Verfügung stehenden Datenquellen. So wird in amtlichen Statistiken meist nur zwischen deutscher und nicht-deutscher Staatsangehörigkeit unterschieden (Schenk und Neuhauser 2005).

An der Studie haben türkisch-sprachige Migranten in Deutschland teilgenommen.
28,79 % dieser Stichprobe stammte aus der ersten; 52,37% aus der zweiten Generation und 18,53 % aus der dritten Generation.

Mittels einer Fragebogenstudie (n=994) wurden türkische Stichproben in Deutschland und in der Türkei hinsichtlich des Zusammenhangs psychosomatischer Beschwerden (SCL 90) und Depressivität (BDI) verglichen.

Ergebnisse:
Psychosomatische Symptome und Depressivität sind bei den Immigranten (insbesondere bei weiblichen) stärker ausgeprägt als bei Türken im Heimatland. Häufig werden die Symptome direkt auf die Migration attribuiert. Die Beschwerden nehmen mit der Verweildauer im Immigrationsland zu. Für die Behandlung haben paramedizinische Heilmethoden einen hohen Stellenwert. 60% der Befragten wünschen sich muttersprachlich türkische Behandler.

Diskussion:
Die auffällig hohe Belastung von türkischen Immigranten in Deutschland kann oft als Konsequenz unzureichender Bewältigungsstrategien verstanden werden. Dass die weiblichen Migranten besonders belastet sind, könnte mit der Diskrepanz zwischen westlichem Rollenverständnis und der tradierten Sichtweise zusammenhängen. Das Angebot von „landsmännischer“ Versorgung ist kaum gegeben. Die Hinwendung zu alternativen Behandlungsmethoden kann Ausdruck dieser Problematik sein.

Schlussfolgerung:
Die Daten bestätigen die gesundheitliche Belastung von türkischen Migranten in Deutschland. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer steigt das Ausmaß an psychischer Beeinträchtigung. Als Konsequenz sollten die ambulanten und stationären Behandlungsmöglichkeiten für diese vulnerable Bevölkerungsgruppe weiter angepasst und ausgebaut werden.
Kurzfassung auf Englisch: Migrants are a numerically relevant and vulnerable population. Studies show an increased prevalence of psychosomatic disease in migrants; however, there is not much recent data on Turkish immigrants in Germany.

The study includes a representative sample (n = 994) of different German communities of Turkish migrants in comparison to communities of their home country. 28.79% of the sample were first generation, 52.37% second generation and 18.53 % third generation migrants.

The participants of the study completed several diagnostic and psychometric inventories focusing on psychosomatic complaints and depression (SCL-90-R and BDI).

Results:
Depressiveness and somatization were significantly more frequent in the migrant group. Turkish women living in Germany had significantly more symptoms than men.

Immigrants frequently attributed their symptoms to migration. Alternative therapies (not medically based) were often preferred.
Concerning psychotherapy, a majority wished to be treated by a therapist of their native tongue (60 %).

Discussion:
Depression and psychosomatic symptoms can be seen as consequences of the loss of the home country and inadequate coping strategies. Women living in Germany appear to be affected more than men possibly because of discrepancies between traditional and western role models.

Conclusion:
The current data indicate an increased risk of depression and psychosomatic disorders among Turkish migrants living in Germany. Both in- and outpatient psychosomatic/psychotherapeutic resources need to be adapted and expanded to permit adequate treatment of this vulnerable population