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Beurteilung von Interaktionen zwischen Kriterien der Haltungstechnik und der Fruchtbarkeit von Milchkühen am Beispiel von Kühen in Anbindehaltung als Grundlage zur Verbesserung der Haltungsumgebung

Eise, Michael


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Landtechnik ; Institut für Betriebstechnik und Bauforschung der FAL Braunwschweig ; Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie u. Andrologie der Groß- u. Kleintiere mit tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Agrarwissenschaften und Umweltmanagement
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.02.2008
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 18.08.2009
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel dieser Arbeit war es, mögliche Interaktionen zwischen der Fruchtbarkeit von Milchkühen und Faktoren aus ihrer Haltungsumwelt aufzuzeigen. Grundlage der Analysen bilden Daten von 495 Milchkühen aus 15 Milchviehbetrieben.
Die Datenerhebung erfolgte in Gemeinschaftsarbeit mit Frau Kirsten Fischer, deren Dissertation und daraus folgenden Publikationen die gynäkologischen Daten sowie die Daten zum allgemeinen Zustand der Tiere zugrunde lagen.
Die Analysen der Interaktionen erfolgten durch schrittweise multiple lineare Regressionen und schrittweise multiple logistische Regressionen. Die dabei verwendeten Zielvariablen (abhängige Variablen) waren die "Rastzeit", die "Verzögerungszeit", die "Güstzeit", die "KB-Zahl" und die "Zwischenbesamungszeit" in den linearen Regressionsmodellen sowie die Variablen „Auftreten von Ovarstörungen“ und „Auftreten von Puerperalstörungen“ in den logistischen Regressionsmodellen.
Einmalig erhobene, unabhängige Variablen waren die anamnestisch ermittelten Parameter Rasse, Alter, Erstkalbealter, Laktationsnummer, Einsatzleistung (Milchmenge, Milchfettgehalt und Milcheiweißgehalt), die Tierkörpermaße Brustumfang, schräge Rumpflänge, Widerristhöhe, Kreuzbeinhöhe, Brustbreite, Beckenlänge und Beckenbreite sowie die, die Haltungsumwelt beschreibenden Parameter Luftraum im Stall, Quotient aus der Grundfläche des Stalls und der Fläche der lichtdurchlässigen Stallhülle, Lichtverhältnisse in Tiernähe, Art des raumlufttechnischen Systems, negative und positive Liegelängendifferenzen, negative und positive Liegebreitendifferenzen, Flexibilität der Anbindung, seitliche Abgrenzung zwischen den Tieren, Kuhtraineranlage, Höhe der festen Krippenrückwand, Krippensohlenniveau, Art des Stand-/Liegeflächenbodens, Breite der Kotroststege und Weite der Kotrostschlitze. Während der Betriebsbesuche erhobene unabhängige Parameter waren Natriumgehalt im Urin, die klinisch-chemischen Blutparameter ß-Carotin, Laktat, GOT, GPT, freie Fettsäuren, Creatin-Kinase, Gesamtbilirubin, GLDH, Glukose, Harnstoff, Calcium, Magnesium, Phosphat und Gesamteiweiß, die Antikörpertiter gegen die Erreger von IBR/IPV, BVD/MD, Coxiella burnetii, Chlamydia psittaci oder Leptospirensowie die klinischen Parameter Körperinnentemperatur, Ernährungszustand, Pflegezustand, Zustand der Klauen, Zustand der Gelenke, Zustand der Haut und der gynäkologische Zustand. Täglich durch die Landwirte erhobene Parameter waren die Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit im Stall.
Alle erfassten Daten wurden für jedes Einzeltier dem jeweiligen Reproduktionsstadium zugeordnet, in dem sich das Tier zum Zeitpunkt der Datenerhebung befand. Dabei wurde zwischen zehn verschiedenen Klassen unterschieden: Klasse: 1 von Tag 1 bis 40 p. p.; Klasse 2: von Tag 41 bis 80 p. p.; Klasse 3: von Tag 81 bis 120 p. p.; Klasse 4: ab Tag 121 p. p. bis zur Konzeption; Klasse 5: von Tag 1 bis 90 nach Beginn der Gravidität; Klasse 6: von Tag 91 bis 180 nach Beginn der Gravidität; Klasse 7: ab Tag 181 nach Beginn der Gravidität. Die Klassen 5 bis 7 schlossen sich an die Klassen 1 bis 4 an. In die Klassen 8 bis 10 fielen Tiere, die zu Beginn der Untersuchungen bereits gravid waren. Klasse 8 umfasste den Zeitraum Tag 1 bis 90 einer bestehenden Gravidität, Klasse 9 Tag 91 bis 180 einer bestehenden Gravidität und Klasse 10 Tag 181 bis zum Tag der Kalbung.
Aus den ermittelten Beziehungen zwischen Kriterien aus der Haltungsumwelt und Kriterien der Fruchtbarkeit geht hervor, dass Parameter, die eine allgemeine Beschreibung der Haltungsumwelt (z. B. Durchschnittswerte für Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit)geben, weniger geeignet sind zur Beschreibung von Wechselbeziehungen zwischen der Fruchtbarkeit von Kühen und der Haltungsumwelt. Zur konkreten Bestimmung und Quantifizierung von Einflüssen der Haltungsumwelt auf die Fruchtbarkeit müssen exakte Beschreibungen der Umweltbedingungen erfolgen.
So konnte gezeigt werden, dass für die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit die Dauer der belastenden Phase von entscheidender Bedeutung für die Fruchtbarkeit der Tiere ist.
Hinsichtlich der technischen Einrichtungen zur Gestaltung der Stand-/Liegeplätze zeigen die Ergebnisse dieser Arbeit, dass zur Vermeidung von negativen Beeinflussungen der Fruchtbarkeit eine exakte Ausführung und Installation der Einrichtungen notwendig ist. Nicht an die Tiere angepasste Längen und Breiten der Stand-/Liegeflächen zeigen negative Einflüsse auf die Fruchtbarkeit.
Ebenso zeigen die Ergebnisse dieser Arbeit einen negativen Einfluss abnehmender Bewegungsmöglichkeit auf die Fruchtbarkeit. Auch wurden negative Effekte auf die Fruchtbarkeit bei Abweichungen von der empfohlenen Höhe der Krippenrückwand wie auch vom empfohlenen Krippensohlenniveau festgestellt.
Aus der Variablengruppe „allgemeiner Ernährungszustand und Versorgungsstatus“ fanden sich statistisch gesicherte Beziehungen zur Fruchtbarkeit für die Parameter „Ernährungszustand fett“, „Ernährungszustand mager“, für die Blutplasmagehalte an freien Fettsäuren, Bilirubin, Glucose, Harnstoff, Gesamteiweiß, β-Carotin, Calcium, Magnesium, Phosphat, GPT und GLDH sowie für den Milcheiweiß- und den Milchfettgehalt.
Unter den Kriterien, die den allgemeinen Gesundheitszustand der Tiere beschreiben, waren es die Creatin-Kinasekonzentration im Blutplasma sowie die Antikörpertiter gegen das IBR/IPV-Virus, Chlamydia psittaci und Coxiella burnetii mit Beziehungen zur Fruchtbarkeit.
Aus den allgemeinen klinischen Untersuchungen wurden für den Pflegezustand, den Zustand der Klauen sowie das Auftreten von Gelenkverdickungen, Hautläsionen und Schwanzräude Beziehungen zu den Zielvariablen gefunden. Die Beziehungen sind jedoch teilweise widersprüchlich und können nicht eindeutig interpretiert werden.